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Ein Dorf mit Tradition und Industriekultur

Der Traditionsverein Schacht Klettwitz trifft sich einmal die Woche im liebevoll sanierten Maschinenhaus der Anlage und sorgt für die Erhaltung und die Führungen in dem Klettwitzer Bergbaumuseum.
Der Traditionsverein Schacht Klettwitz trifft sich einmal die Woche im liebevoll sanierten Maschinenhaus der Anlage und sorgt für die Erhaltung und die Führungen in dem Klettwitzer Bergbaumuseum. FOTO: Peter Aswendt/asw1
Klettwitz. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz umfasst 1200 Quadratkilometer Fläche. Er ist Heimat für 114 000 Einwohner, die in neun Städten, 32 Gemeinden und deren Ortsteilen leben. Doch wer sind die Nachbarn? Die RUNDSCHAU geht auf Kreis-Reise. Die Station heute: Klettwitz (Gemeinde Schipkau). Peter Aswendt / asw1

"Wir haben ein sehr reges Vereinsleben", freut sich Ortsvorsteher Dietmar Woznica (CDU). Es ist bezeichnend, dass der Ortsvorsteher sein Gespräch mit dieser Aussage beginnt. Es zeigt die Vielfalt in seiner Gemeinde, die der Betriebswirt im Jahr 2008 im Ehrenamt als Ortsvorsteher übernahm. Eigentlich müsste sich das Dorf, das auf eine Fläche von circa 1758 Hektar zurückgreifen kann und der größte Ortsteil der Gemeinde Schipkau ist, auf Giganten wie den Lausitzring, den FamilienCampus oder die Dekra stützen. Immerhin sind die Firmen und Einrichtungen alle auf der Gemarkung von Klettwitz zuhause.

Aber im Inneren liegen die Stärken der 1200-Einwohner-Gemeinde. Eine starke Vereinslandschaft, die von der Freiwilligen Feuerwehr über den Fußballverein bis hin zu einem Klöppelverein reicht, sorgt auch für eine ausgewogene Einwohnerstruktur. Mit vier Einwohnern, die über 90 Jahre alt sind, aber einer mit 50 Plätzen ausgelasteten Kindertagesstätte ist klar, dass es hier keine Landflucht gibt. Dörfliche Traditionen werden durch den Zamperverein, der seit 1964 aktiv ist, hochgehalten. Maifest und ein traditionelles Freizeitfußballturnier sorgen für ein jährlich wiederkehrendes Spektakel in der Gemeinde. Alle zwei Jahre wechseln sich die Technikfreunde Klettwitz und der Kulturverein mit ihren Veranstaltungen in Klettwitz ab. Mit dem Traktorentreffen im Sommer und dem Herbstfest Anfang Oktober haben sich zwei Veranstaltungen etabliert, die über die Gemeindegrenzen hinaus für Aufmerksamkeit sorgen. Ein weiteres Highlight im jährlichen Veranstaltungskalender ist der Silvesterball im wunderschönen Kulturhaus des Dorfes. Zwar findet der Ball erst zum vierten Mal in Eigenregie des Klettwitzer Kulturvereins satt, ist aber jetzt schon zu einer Legende geworden: "Wir machen immer ein Motto-Silvester mit aufwendigen Bühnenbildern und Kostümen", erzählt Dietmar Woznica.

Versteht sich von selbst, dass der Ortsvorsteher immer in besonderer Tracht zu Silvester die Führungsrolle übernimmt. Ein spezielles Team innerhalb des Kulturvereins übernimmt unter strengster Geheimhaltung die Organisation der Silvesterparty: "Ich bekomme auch erst immer kurz vorher das Thema mitgeteilt, damit ich mir das richtige Kostüm anziehen kann", lacht Woznica verschmitzt. Das diesjährige Thema will er noch nicht verraten, lässt aber durchblicken, dass es etwas mit dem "feuchten Element" zu tun hat.

Dass in einem wunderschönen Kulturhaus mit zwei Sälen, der große mit 200 und der kleine mit 80 Plätzen, gefeiert werden kann, liegt unter anderem an den Windparkpionieren von Klettwitz. "Wir waren die erste Gemeinde, die auf ihrer Gemarkung einen Windpark zugelassen hat", erinnert sich der Ortsvorsteher. "Das brachte uns viel Kritik ein", weiß er zu berichten. Heute ist es der größte Windpark der Region und spült sogar das sogenannte Windgeld in die Portemonnaies jedes Bürgers der Gemeinde. Nebenbei konnte im Jahr 2000 über eine Million D-Mark für die Rekonstruktion des Kulturhauses ausgegeben werden, das unter anderem auch vom Kreistag, dem Kreissportbund, dem Deutschen Roten Kreuz und anderen Firmen als Tagungsort genutzt wird.

Neben modernen Energiegewinnungsmethoden wird in Klettwitz aber auch hingebungsvoll der alten Energiegewinnung, dem Bergbau gedacht. Der Schacht Klettwitz, der vom gleichnamigen Traditionsverein mit Akribie betreut wird, erinnert an die alte Bergbauzeit des Tagebau Klettwitz. Förderturm, Maschinenhaus und ein Teil der Entwässerungsstrecke sind rekonstruiert worden und stehen jeden zweiten Sonntag von 10 bis 12 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung zum Besuch bereit. Natürlich mit fachkundiger Führung.

Ein schöne, aber leider nicht mehr so oft anzutreffende Tradition hat sich in Klettwitz mit dem sogenannten Tante-Emma-Laden erhalten: "Bernd Miersch ist eine Institution in unserem Ort", weiß der Ortsvorsteher. "Von der Butter bis zur Fahrradlampe gibt es bei ihm alles, er liefert so gar per Fahrrad die Ware aus", lacht Dietmar Woznica. Auch die Landfleischerei Rietze hält die dörfliche Metzgertradition in vierter Generation hoch. Mit einer liebevoll sanierten Kirche und einem zum Verweilen einladenden Dorfzentrum mit angrenzendem Antikmarkt gibt es noch vieles in Klettwitz zu entdecken, was einen Besuch lohnenswert macht.

Alle Folgen nachlesbar unter: www.lr-online.de/

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Zum Thema:
1200 Menschen leben derzeit im 1758 Hektar großen Klettwitz - einem Ortsteil der Gemeinde Schipkau. Wahrzeichen sind der Lausitzring, das Dekra Technology Center und der Windpark Klettwitz, in dem mehr als 50 Windenergieanlagen Elektroenergie für mehrere Zehntausend Haushalte erzeugen. Sehenswert ist das Bergbaumuseum Schacht Klettwitz. Es ist jeden zweiten Sonntag von 10 bis 12 Uhr geöffnet.