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| 11:41 Uhr

Nach Verhandlung in Hamburg
Eierlikör-Streit um „Scharfes Gelb“ aus Senftenberg beigelegt

 Heiko Tänzer und Danilo Trasper machen Eierlikör nach dem Rezept der Oma. Milch gehört da seit eh und je dazu. Nach dem Vergleich vor dem Landgericht Hamburg wollen sie alles „erst einmal sacken lassen“. Ob der Name „Senftenberger Eierlikör“ wieder auf dem Etikett auftaucht, darüber ist das letzte Wort noch nicht gefallen.
Heiko Tänzer und Danilo Trasper machen Eierlikör nach dem Rezept der Oma. Milch gehört da seit eh und je dazu. Nach dem Vergleich vor dem Landgericht Hamburg wollen sie alles „erst einmal sacken lassen“. Ob der Name „Senftenberger Eierlikör“ wieder auf dem Etikett auftaucht, darüber ist das letzte Wort noch nicht gefallen. FOTO: Scharfes Gelb / Andreas Franke
Senftenberg. Ei, Ei, Ei: Der Eierlikör-Prozess endet am Hamburger Landgericht mit einem Widerrufsvergleich. Der Eierlikör aus Senftenberg wird auch künftig als „Scharfes Gelb“ ins Glas gefüllt. Von Andrea Budich

Der skurile Streitfall rund um das gelbe Kultgetränk hat deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt und sogar den Europäischen Gerichtshof in Brüssel beschäftigt. Die mehr als drei Jahre anhaltende Eierei hat in dieser Woche vor dem Landgericht Hamburg ein Ende gefunden. Ob Milch und Sahne in den Eierlikör dürfen und ob er dann auf dem Etikett auch so heißen darf - der Streitfall mit 15 Prozent Alkoholgehalt hat sich nach der neuen EU-Spirituosenverordnung in Luft aufgelöst.

Beim Verhandlungstermin am Dienstag haben die beiden Produzenten aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt einen Widerrufsvergleich geschlossen. „Mit der seit Juni geltenden neuen EU-Verordnung, die Milch im Eierlikör erlaubt, hat sich der Streitfall überholt. Er ist erledigt“, erklärt Dr. Kai Wantzen, Pressesprecher des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg.

Eierlikör-Streit: Zwei Senftenberger als Auslöser

Ins Rollen gebracht haben den Streit um die korrekte Eierlikör-Bezeichnung auf dem Etikett die beiden Senftenberger Heiko Tänzer und Danilo Trasper. Sie verklagten einen Mitkonkurrenten aus der Nähe von Magdeburg, weil er sich nicht an das von der EU verordnete Reinheitsgebot für Eierlikör hielt.

Die strenge Zutatenliste der EU gestattete damals keine Milch im Eierlikör. Wo Milch und Sahne drin sind, darf das süffige Gelb nicht Eierlikör heißen und als solcher auf dem Etikett beworben werden.

Die Senftenberger nahmen die EU-Spirituosenverordnung zum Beginn ihrer Karriere sehr ernst. „Ich war Bäcker und kannte mich mit den Verordnungen bestens aus“, so Danilo Trasper. Schweren Herzens gaben sie damals den Ursprungsnamen „Senftenberger Eierlikör“ auf. Keine leichte Entscheidung für die zwei Jungunternehmer, die mit 500 Euro in der Tasche und 45 Flaschen Eierlikör den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hatten. Für ihren gelben Tropfen nach Omas Rezept erfinden die zwei Marketing-Spezialisten aus der Not heraus den neuen Namen „Scharfes Gelb“.

Eierlikör-Streit: Andere Produzenten nahmen es nicht so genau

Andere Produzenten nahmen die Sache mit dem Etikett aber nicht ganz so genau. Das hat die beiden Senftenberger Newcomer gewurmt, denn was im Brandenburgischen gilt, sollte auch für den Produzenten aus Sachsen-Anhalt recht und billig sein. „Gleiches Recht für alle. Es geht doch nicht an, dass nur einer den Namen streicht, der andere behält ihn trotz klarer Regelung bei“, liegt für Heiko Tänzer ein Wettbewerbsnachteil klar auf der Hand.

Die zwei Senftenberger reichen Anfang 2016 Klage ein. Sie beanstanden, dass der Altenweddinger Geflügelhof einen Likör verkauft, der gleichfalls nach Uromas Rezept Milch enthält und sie genau diesen als „Eierlikör“ vermarkten. „Wir wollen niemanden platt machen oder aus dem Markt drücken. Aber Gesetz ist Gesetz“, erklären die Senftenberger.

Eierlikör-Streit: EU ändert Gesetze

Der EU-Regelwahnsinn ist im Juni vom EU-Parlament gekippt worden. Milch und Sahne sind künftig erlaubt, und der Eierlikör darf auch so heißen. Mit der neuen Verordnung hat sich der hochprozentige Streitfall verflüchtigt. Das haben beide Parteien anerkannt. Vom Widerrufsvergleich können beide Seiten noch bis zum 17. September zurücktreten. „Wenn der Vergleich hält, ist die Sache erledigt“, so Dr. Wantzen aus Hamburg. Tritt einer der Parteien zurück, dann wird das Urteil im Eierlikör-Streit am 5. November vor dem Landgericht Hamburg verkündet.

Eierlikör-Streit:„Unverständnis und Enttäuschung sind groß“

Mit dem Vergleich können Senftenbergs Eierlikör-Könige leben. Wenngleich sie sich davon enttäuscht zeigen, dass der Mitbewerber in der Vergangenheit gegen geltendes Recht verstoßen hat, dies aber nach Inkrafttreten der neuen Verordnung nun nicht mehr geahndet wird. „Unverständnis und Enttäuschung sind groß“, räumt Tänzer nach der mündlichen Verhandlung ein. Als Klägerseite haben die Senftenberger zudem auf Auskunfts- und Schadenersatzansprüche verzichtet. Den größten Teil der Verfahrenskosten hat der Altenweddinger Geflügelhof zu tragen.

Geschadet hat der Streit den „Scharfen Gelb“-Produzenten nicht. Die Eierei hat der Senftenberger Schnapsidee in der Magdeburger Ecke sogar zu größerer Bekanntheit verholfen. Über den online-Versand wird die Senftenberger Hausmarke bis nach England und in die USA geschickt. Die 2-Millionen-Schallgrenze beim Jahresumsatz soll 2019 auf jeden Fall gerissen werden. Am neuen Produktionsstandort der Schaumanufaktur in der Spremberger Straße ist die Weihnachts-Produktion indes bereits in vollem Gange. Bis zu 15 000 Flaschen laufen jetzt täglich übers Band - darunter auch zwei neue Wintersorten.

Eierlikör-Streit: Es bleibt dabei: „Scharfes Gelb“

Am kultigen Markennamen „Scharfes Gelb“ soll auch in der jetzt begonnenen Eierlikör-Neuzeit nicht gerüttelt werden. Ob der Zusatz „Eierlikör aus Senftenberg“ wieder auf den Etiketten auftaucht, darüber wollen Heiko Tänzer und Danilo Trasper noch entscheiden. Ganz sicher bei einem guten Gläschen Eierlikör. Prösterchen!

 Heiko Tänzer und Danilo Trasper machen Eierlikör nach dem Rezept der Oma. Milch gehört da seit eh und je dazu. Nach dem Vergleich vor dem Landgericht Hamburg wollen sie alles „erst einmal sacken lassen“. Ob der Name „Senftenberger Eierlikör“ wieder auf dem Etikett auftaucht, darüber ist das letzte Wort noch nicht gefallen.
Heiko Tänzer und Danilo Trasper machen Eierlikör nach dem Rezept der Oma. Milch gehört da seit eh und je dazu. Nach dem Vergleich vor dem Landgericht Hamburg wollen sie alles „erst einmal sacken lassen“. Ob der Name „Senftenberger Eierlikör“ wieder auf dem Etikett auftaucht, darüber ist das letzte Wort noch nicht gefallen. FOTO: Scharfes Gelb / Andreas Franke