Als Heiderose Ullbrich diese Einladung aus ihrem Briefkasten fischt, will sie erst mal ihren Augen nicht trauen. Die 69-Jährige aus Arnsdorf ist an diesem Wochenende zum Ehrenamtsempfang der Landesregierung nach Potsdam eingeladen.

Das soll ein großer Tag werden. Der festliche Empfang wird alljährlich in der Staatskanzlei ausgerichtet, um Menschen zu danken, die freiwillig und uneigennützig für andere da sind und so das Zusammenleben bereichern. Zum Beispiel indem sie Kindern das Schwimmen beibringen, Veranstaltungen für Senioren organisieren, sich für die heimische Natur und Tierwelt einsetzen oder als Feuerwehrmann Leben retten. Ohne das Ehrenamt würde so manches in der Gesellschaft nicht so gut funktionieren.

Ruhlanderin ist ein kleines Rädchen im großen Getriebe

Und Heiderose Ullbrich ist ein Rädchen in diesem großen Getriebe. „Aber nur ein kleines“, sagt sie bescheiden. „Ich stehe nicht so gern im Rampenlicht. Lieber sorge ich im Hintergrund mit dafür, dass alles läuft“, erzählt die Arnsdorferin lächelnd.

Die 69-Jährige ist in dem heute 700 Einwohner zählenden Gemeindeteil der Stadt Ruhland aufgewachsen und lebt seit fast sieben Jahrzehnten dort. Sie ist im Demokratischen Frauenbund aktiv, organisiert Veranstaltungen für Frauen und Senioren, unterstützt den Kindergarten im Dorf und hilft ihrem Mann im Verein für Brauchtumspflege Arnsdorf mit. Regelmäßig richtet dieser Verein öffentliche Veranstaltungen und Feste im Ort aus.

Faible für die Heimatgeschichte des Amtes Ruhland

Aber ganz besonders hängt das Herz der Arnsdorferin an ihrer Mitarbeit im Heimatverein Ruhland. Vor 20 Jahren entdeckte Heiderose Ullbrich ihr Faible für Heimatgeschichte. „Von 1999 bis 2002 habe ich innerhalb eines ABM-Projektes an den Ortschroniken für die Dörfer des Amtes Ruhland mitgeschrieben. Das hat mich geprägt und meine Heimatverbundenheit noch größer aufflammen lassen“, erzählt sie.

Der Ruhlander Verein für Heimatpflege 1889, der seinen Sitz im alten Ruhlander Gutshof hat, bietet stadtgeschichtliche Rundgänge an und kümmert sich um solche Projekte wie die Sanierung des alten Ruhlander Moltke-Denkmals und den Ersatzneubau für die Prinzess-Luisen-Brücke, ein Bauwerk für Fußgänger. Der Verein hat zudem den Neubau eines Denkmales für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges aus Ruhland ins Visier genommen. Ein Projekt, dem man sich in der Zukunft widmen wolle.

Als ausgebildete Sekretärin übernimmt Heiderose Ullbrich für die Vereine, in denen sie Mitglied ist, wichtigen Schreibkram und Antragstellungen. Was irgendwie belanglos klingt, ist dennoch umso wichtiger: Denn ohne Genehmigungs- oder Fördermittel-Schriftverkehr würde die Arbeit der Vereine meist gar nicht möglich sein, weil die Grundlagen dazu fehlen.

Ruhlanderin freut sich auf interessante Gespräche

Beim Ehrenamtsempfang in der Potsdamer Staatskanzlei wird Heiderose Ullbrich, die seit 1998 auch in der Ruhlander Stadtverordnetenversammlung mitarbeitet, auf viele andere Brandenburger treffen, die wie sie für eine Sache brennen und sich persönlich engagieren. „Um etwas Positives zu bewegen“, so beschreibt die Arnsdorferin ihre Motivation.

Auf die Gespräche mit den Ehrenamtlern aus anderen Teilen des Landes ist sie schon sehr gespannt. „Dabei kann man sicher viel Interessantes hören und erfahren“, freut sie sich nun doch auf diese überraschende Ehrung, die sie stellvertretend für viele andere ehrenamtlich Engagierte aus der Region entgegennimmt.

Ehrenamtsempfang in der Staatskanzlei Potsdam


Der Ehrenamtsempfang des Landes Brandenburg findet am Samstag, 18. Januar, von 11 bis 14 Uhr in der Staatskanzlei in Potsdam statt. Eingeladen haben Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke und Ministerpräsident Dietmar Woidke etwa 100 freiwillig Engagierte.

Aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz sind außer Heiderose Ullbrich auch noch Spielmannszug-Mitbegründer Hans-Joachim Benisch aus Ruhland und die Diplom-Medizinerin Brigitte Saffert aus Schwarzheide eingeladen. Die Hausärztin hat noch mehr als zehn Jahre als Rentnerin Patienten in stationären Pflegeeinrichtungen betreut.