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| 13:02 Uhr

Serie Ehrenamt im Oberspreewald-Lausitz-Kreis
Ein Lobgesang auf Baum und Gehölze

„Wie ein Dom empfängt der Wald die, die ihn betreten“, beginnt die Strophe eines Liedes, das der passionierte Naturschützer und Chorsänger Wilhelm Zimmerling gerne singt. Im Ruhlander Geschwister-Scholl-Weg mit seinem vorbeiführenden Schwarzwasser sieht er treffende Parallelen zum Lied, für das Karl Wolfgang Barthel den Text beigesteuert hat.
„Wie ein Dom empfängt der Wald die, die ihn betreten“, beginnt die Strophe eines Liedes, das der passionierte Naturschützer und Chorsänger Wilhelm Zimmerling gerne singt. Im Ruhlander Geschwister-Scholl-Weg mit seinem vorbeiführenden Schwarzwasser sieht er treffende Parallelen zum Lied, für das Karl Wolfgang Barthel den Text beigesteuert hat. FOTO: Uwe Hegewald
Ruhland. Sie bewähren sich als Moorlobbyisten, Baumhirten, Krötenchauffeure, treten als Agrar-Visionäre, Energiewender oder Insektenmanager auf und sind im Naturschutzbeirat des Landkreises Oberspreewald-Lausitz vereint. Die RUNDSCHAU besucht die couragierten und ambitionierten Naturschutzmacher. Heute: Wilhelm Zimmerling (Ruhland). Von Uwe Hegewald

Nein, einen Lieblingsbaum hat Wilhelm Zimmerling nicht. Eigentlich mag er sie alle – die Birken, Linden und Kiefern, als Charakterbäume der Lausitz, erhabene Buchen und Eichen, sogar Flatter- und Bergulmen, obwohl unter diesen nur selten Pilze wachsen.

Wilhelm Zimmerling liebt die Momente in freier Natur, zu deren Schutz er angetreten ist und im Naturschutzbeirat OSL mitwirkt. „Es geht darum, schützenswerte Dinge zu bewahren, aber bei Bedarf auch Veränderungen herbeizuführen“, begründet er. Als Beispiele führt er die Rekultivierungsmaßnahmen in der Bergbaufolgelandschaft an oder die in der Forstreform eingebetteten Bestrebungen, von klassischen Monokulturen wegzukommen.

Fast wäre aus dem Ruhlander selbst ein Forstmann geworden, der schon mit dem Gedanken gespielt hatte, an der Forsthochschule in Tharandt anzuheuern. Letztendlich wurde es die Spezialschule für Chemie an der TH Leuna/Merseburg. Die Attraktion zu Wald und Flur ist geblieben. „Mit dem Erleben der baumarmen Landschaft im Merseburger Raum weiß man erst, welchen Reichtum wir mit unseren Wäldern in Brandenburg besitzen“, stellt er klar. Wilhelm Zimmerling weiß aber auch, dass bei der Wahl der Bäume und deren Pflanzstandorten mitunter Fehler passieren. Um diesen entgegenzutreten und andere Dinge auf den Weg zu bringen, arbeitet er in verschiedenen Gremien mit: Zu DDR-Zeiten in der „Gesellschaft für Natur und Umwelt“ im damaligen Kulturbund, später als Ortsnaturschutzbeauftragter und im Ruhlander Parkaktiv. Sieben Mitglieder zählt die Interessengemeinschaft, die als Nachfolgerin des früheren „Verschönerungsvereins“ gegründet wurde.

Auf der Vereins-Homepage hat Wilhelm Zimmerling als Vorstandsvorsitzender folgendes Anliegen formuliert: „Das Parkaktiv Ruhland engagiert sich für die Pflege und Entwicklung des Stadtparks/Geschwister-Scholl-Wegs sowie für den Schutz von Natur und Umwelt. Es wurde nach 1990 Mitglied des BUND.“ Am 10. Oktober jährte sich das Gründungsdatum des Vereins zum 30. Mal. Aktivitäten erstrecken sich insbesondere auf den Geschwister-Scholl-Weg, der 1908 als Uferpromenade am Ruhlander Schwarzwasser angelegt wurde und den Namen Prinzess-Luisen-Weg bekam. „Das Schwarzwasser bildet mit seinen baumbestandenen Ufern ein grünes Band durch Ruhland“, schwärmt Wilhelm Zimmerling. Wann immer es die Zeit erlaubt, stattet er der Uferpromenade einen Besuch ab. Auch um sich ein Bild von den Entwicklungen am Geschwister-Scholl-Weg zu machen. „Mit einem aktuellen Projekt wollen wir versuchen, dort wieder die ursprünglichen Bodendecker zu etablieren. Ältere Generationen erinnern sich noch daran, dass viele jetzt kahle Stellen von Buschwindröschen übersät waren“, erinnert er.

Erste Versuche mit selbstgezogenem „Rollrasen“, schattenunempfindlichen Bodendeckern oder Gräsern wie der Segge sind angeschoben und zeigen erste Erfolge. „Uns ist bewusst, dass wir dafür einen langen Atem brauchen, aber auch das Verständnis und Mitwirken in der Bevölkerung“, so Zimmerling, der sich auf diesem Gebiet sehr viel Wissen angeeignet hat. Bereits als Knabe verschlang er Fachbücher zu den naturrelevanten Themen wie Blumen, Farne, Moose, aber auch über Bäume und andere Gehölze, Schmetterlinge oder andere Insekten. Seine Eltern wussten von der Freude, die sie ihrem Sohn mit dem Schenken entsprechender Lektüre bereiteten und ließen diese nie abreißen.

Obwohl er zahlreiche Bücher gewälzt und viel Wissenswertes zu Flora und Fauna aufgesaugt hat, sieht sich der Ruhlander keineswegs als Fachmann. Diese Bezeichnung hätten andere verdient, sagt er und führt stellvertretend den Namen Horst Bormann (1928-2015) an. „Er war Lehrer, Naturfotograf und Hobbyhistoriker. Unter seiner Leitung wurde der Ruhlander Schulgarten DDR-weit bekannt und ein Vorzeige-Objekt. Als Landschaftsgärtner pflegte er unter seiner Anleitung mit Ruhlander Schülern von 1966 bis 1978 Anlagen am Geschwister-Scholl-Weg“, würdigt Zimmerling.

Er selbst geht noch andern Hobbys nach. Neben dem Singen im Gemischten Chor Ruhland und dem County-Tanz bei „Get Dancing Ruhland“ tragen eine Reihe von Online-Publikationen die Handschrift des Naturschutzbeirats-Mitgliedes. Darunter die „Liste der Gedenkbäume in Ruhland“, auf der Wikipedia-Website der Kleinstadt am Tor zwischen Ober- und Niederlausitz. Einer der jüngsten Einträge behandelt das Pflanzen einer Luther-Eiche am 19. April dieses Jahres, im Beisein von Mitgliedern des Parkaktivs sowie der Bürgermeister von Ruhland und Ortrand. Die Eiche war ein Geschenk der Nachbarstadt, anlässlich der 700-Jahr-Feier von Ruhland im Luther-Jahr 2017.