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| 02:42 Uhr

Durststrecke vorbei: Über die L 60 wieder flott zur F 60

Die L 60 ist im Abschnitt zwischen Lauchhammer-Nord und Lichterfeld fertig grunderneuert.
Die L 60 ist im Abschnitt zwischen Lauchhammer-Nord und Lichterfeld fertig grunderneuert. FOTO: pre1
Lauchhammer/Lichterfeld. Der gestrige Dienstag ist lang ersehnt worden: Nach fast fünf Jahren wird die Ortsverbindungsstraße (L 60) zwischen Lauchhammer-Ost (OSL) und Lichterfeld (EE) wieder für den Verkehr freigegeben. Neben den Berufspendlern jubeln auch die Gästeführer des Besucherbergwerks F 60. Sie locken mit einem Willkommensbonus für die lange vermissten Nachbarn. Kathleen Weser

Die Ortsverbindungsstraße zwischen Lauchhammer und Lichterfeld (L 60) ist auf 2,6 Kilometern Trasse im Auftrag der Lausitzer Bergbausanierer grunderneuert worden. Nachdem die Verkehrsader im heißen Sommer 2010 wegen tiefer Spurrinnen im Asphalt vom Landesbetrieb Straßenwesen aus Gründen der Sicherheit vorzeitig voll gesperrt werden musste, hatte vor allem für Berufspendler eine harte Durststrecke begonnen. Denn die viel genutzte Straße ist erst nach einer längeren Pause im vom Grundwasseranstieg bedrohten Bereich aufgeschüttet und verdichtet worden. Nunmehr liegt die Verkehrsader nach fast fünf Jahren wieder sicher in der Bergbaufolgelandschaft. Um die Mittagszeit sollen die Fahrzeuge am heutigen Dienstag zwischen Lauchhammer-Ost und Lichterfeld wieder auf der frischen Fahrbahn rollen.

Auf diesen Tag haben auch die Gästeführer des Besucherbergwerkes F 60 am Bergheider See und die Mannschaft des Kunstgussmuseums Lauchhammer sehr bewusst hingearbeitet. Denn unter der lange Zeit voll gesperrten Straße haben beide Einrichtungen stark gelitten. "Wir haben unsere Nachbarn schwer vermisst", bestätigt Michael Nadebohr, der Geschäftsführer der gemeinnützigen Betreibergesellschaft des Besucherbergwerkes. "Und wir freuen uns sehr darüber, dass die kurze Verbindung über die L 60 zur F 60 wieder frei ist", sagt er sichtlich froh. Damit ist auch der Weg für eine engere Kooperation zwischen Kunstgussmuseum und Besucherbergwerk offen, erklärt auch Jens Horn, der Kurator der Kunstguss-Sammlung. Die Geburtsstunde des Handwerks des Bronzekunstgusses und des Baus von Tagebaugroßgeräten, von denen die F 60 als die weltweit größte bewegliche Arbeitsmaschine nach wie vor die Königin ist, sei schließlich eine gemeinsame. Und diese spannende Industriegeschichte wollen beide Museen künftig auch möglichst stärker im Einklang erzählen und erlebbar machen. Das bestätigt Olaf Umbreit, einer der Gästeführer der ersten Stunde. Dieser Pakt sei besiegelt und nehme nun hoffentlich mit der wieder geöffneten Straße in der Tieflage der Bergbaufolgelandschaft auch schnell Fahrt auf.

Der Bogen der Industrie- und Wirtschaftsgeschichte vom ausgehenden 18. bis ins 20. Jahrhundert wird vom Kunstgussmuseum bis zum Bergheider See gespannt. Die Geschichte des Lauchhammerwerkes reicht von den historischen Stätten von der alten Bronzeschule bis zum Glockenturmgebäude, dem ältesten erhaltenen Industriegebäude in Lauchhammer, und weiter zur Tagebautechnik. Industriegeschichtliche Bilder und eiserne Porträts der Protagonisten erzählen ebenso von der spannenden Historie wie Maschinen, Modelle und Industrierelikte von der bis heute überragenden Technik. Das größte Freiluft-Exponat ist die Abraumförderbrücke F 60 des Tagebaus Klettwitz-Nord, die als Besucherbergwerk am Bergheider See begehbar ist. Und das übrigens auch dank vieler Helfer aus Lauchhammer, bestätigt Olaf Umbreit. Das Unternehmen Takraf Tenova und der Traditionsverein Lauchhammer stehen der F 60-Mannschaft mit Rat und Tat zur Seite. Und auch auf dem umgekehrten Wege rollt Unterstützung an. Ohne Ersatzteile aus dem Lager der Förderbrücken-Retter im benachbarten Lichterfeld hätte der Traditionsverein Lauchhammer den von Vandalen lädierten Gleisrücker nicht wieder betriebsbereit machen können. "Uns verbindet viel mehr als diese Straße", bestätigt Michael Nadebohr. "Aber über die L 60 wird alles einfacher", ergänzt er zur Feier des Tages.

Zum Thema:
Als Willkommensbonus erhalten Bürger aus Lauchhammer im Dezember und Januar eine Ermäßigung auf den Eintrittspreis des Besucherbergwerkes. Die Kinder aus der Nachbarstadt des Kunstgusses können das ganze Jahr 2016 über einen Sonderbonus nutzen, der sich im Rahmen des Klassentickets bewegt, den die Sparkassenstiftung "Zukunft Elbe-Elster-Land" für Schüler und Begleitperson des Elbe-Elster-Kreises anbietet. Mehr als 700 Kinder und Heranwachsende haben das Klassenticket für Klassenfahrten hier bis September wieder genutzt. Das Besucherbergwerk F 60 hat den ausgesprochen heißen Sommer und die Sperrung der L 60 übrigens bei der Gästezahl schmerzlich zu spüren bekommen. Mit etwa 61 000 Gästen ist die F 60 zwar wieder sehr gut, dennoch aber deutlich weniger als im Vorjahr (mehr als 70 000 Personen) besucht worden. Das Besucherbergwerk und das Kunstgussmuseum arbeiten für die nächste Saison an einem Kombi-Ticket.