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Durststrecke auf dem Arbeitsmarkt

Der Senftenberger See ist eine der Attraktionen des Lausitzer Seenlandes.
Der Senftenberger See ist eine der Attraktionen des Lausitzer Seenlandes. FOTO: STEFFEN RASCHE (LR-MOB-RED-202)
Geierswalde/Senftenberg. Händeringend sucht Klaus Renner für die Bar seiner Surfschule am Strand des Geierswalder Sees eine flotte Bardame, die das Handwerk des Zubereitens sommerfrischer Cocktails beherrscht. Kathleen Weser

Er ist mit seinem Unternehmen an diesem See sehr bewusst sanft mit der entstehenden neuen Reiseregion gewachsen und hat dabei auch einige Durststrecken erlebt. Jetzt soll der einfache Holzbau, den der handwerklich geschickte Mann selbst urig-mediterran gestaltet hat, durch ein festes Gebäude ersetzt werden.

Die gute Entwicklung am Geierswalder See wird schon bald den nächsten großen Schub erleben. Denn die bergmännische Sanierung am Koschendamm ist weitestgehend abgeschlossen. Der Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen (LSS) und die Gemeinde Elsterheide arbeiten daran, das Terrain für weitere touristische Anbieter baureif zu machen. Klaus Renner ist, auch wegen seines nunmehr bereits zehn Jahre alten Mutes, hier sein Unternehmen Surfschule neu zu wagen, einer der Platzhirsche. Jetzt will er das bisherige temporäre gastliche Geschäft ausbauen. Und als stolzer Besitzer eines bereits baureifen Grundstückes stehen seine Chancen gut, gegenüber neuen Mitbewerbern die Nase vorn zu behalten. Denn nahe des Fahrgastschiffsanlegers schwebt den Seenland-Entwicklern hier auch eine Plaza, also eine Art Marktbereich mit Gastronomien, vor. Der umtriebige Unternehmer hat in eigener Hoheit einen Architekten beauftragt, den Bauantrag gestellt - und intensiv Ausschau nach Fachkräften gehalten. Dies ist schwierig gewesen und praktisch hierzulande erfolglos geblieben. Fündig geworden ist Klaus Renner erst im eigenen Urlaub - in Brasilien.

Doch der Antrag auf ein Arbeitsvisum für die Bewerberin, die darauf brennt, im Lausitzer Seenland zu arbeiten, ist abgelehnt worden. "Dabei ist in der Region, bundes- und auch europaweit keine Arbeitskraft zu finden, die den Job aufnehmen könnte", erklärt Klaus Renner. Das habe die Agentur für Arbeit Hoyerswerda nach einem umfänglichen Prüfverfahren klar bestätigt. Das Hindernis, das einer Beschäftigung von Staatsangehörigen außerhalb der Europäischen Union mit dem hier geltenden freizügigen Arbeitsmarkt entgegen stehen könnte, sei also aus dem Weg geräumt. Die Freude über diese Botschaft aber währte nicht lange: Das zuständige deutsche Generalkonsulat hat den Antrag auf ein Visum zur Arbeitsaufnahme abgelehnt. Die Behörde kommt zu dem Ergebnis, "dass es sich um eine Beschäftigung handelt, bei der die Voraussetzungen" laut Aufenthaltsgesetz (Paragraf 39, Absätze 2 bis 4) "nicht erfüllt sind". Daher habe auch die Bundesagentur für Arbeit die erforderliche Zustimmung nicht erteilt. In dem Brief aus der Amtsstube ist zudem erklärt: Dies ist eine arbeitsmarktpolitische Auskunft, gegen die kein Widerspruch möglich ist. Klaus Renner ist ratlos. Für die Stelle an der Bar kann ihm europaweit keine Fachkraft vermittelt werden, aber eine arbeitswillige Drittstaatlerin wird auch abgelehnt. Und wehren kann er sich dagegen nicht.

Maik Zander, Hotelier des "Seeschlösschens" am Buchwalder Strand des Senftenberger Sees, hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Das sich auf Wellness und auf Ayurveda-Behandlungen sowie die Kost nach der traditionellen indischen Heilkunst spezialisierende Haus will, dass Experten aus Indien die Lausitzer Fachkräfte anleiten und schulen.

"Nach zwei Jahren, die Fachkräfte aus Indien nach Senftenberg zu bekommen, haben wir entnervt aufgegeben", erzählt der Geschäftsführer. Denn im Antragsverfahren habe sich das Unternehmen immer nur im Kreis gedreht, ohne dass ein nachvollziehbarer Hinderungsgrund erkennbar geworden sei. Jetzt hofft Zander, dass eine Fachkraft mit befristeter Aufenthaltserlaubnis bleiben darf.

Die Arbeitsagenturen Bautzen und Cottbus teilen indes mit: In der Lausitz arbeiten Drittstaatler bereits erfolgreich - auch in der Gastronomie. Dies sei gar nicht selten. Zu den beiden Einzelfällen wird aus Gründen des Datenschutzes keine Auskunft erteilt. Generell verweisen beide Behörden aber darauf: Beim Besetzen offener Stellen mit ausländischen Bewerbern wird in jedem Einzelfall geprüft, ob der Ausländer nicht zu ungünstigeren Arbeitsbedingungen als vergleichbare deutsche Arbeitnehmer beschäftigt werden soll. Dies sei die einzige Hürde, die oft gerissen werde.