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Durchlöcherte Lausitz wird mit Filterasche verfüllt

Senftenberg. Vor allem der Uralt-Kohlebergbau hat die Lausitz unterirdisch mit Schächten, Entwässerungs- und Braunkohleabbaustrecken nur so durchzogen. Diese Lasten müssen in der nächsten Zeit beseitigt werden, damit davon für die Nachwelt keine Gefahr ausgeht. Manfred Feller

In Gegenden mit untertägigem Bergbau kann schon mal der Boden unter den Füßen absacken. Was darauf steht, darüber läuft oder fährt, verschwindet in dem plötzlich entstandenen Krater.

Vor dem LMBV-Projektmanager Jens Bäcker liegen Karten, die nur sein eng begrenztes Bearbeitungsgebiet umreißen. Dieses reicht vom Großräschener See im Norden bis zum Senftenberger See im Süden sowie im Osten von der sächsischen Staatsstraße bei Partwitz bis zur südöstlichen Teichgruppe in Schwarzheide-Ost im Westen. Die Altvorderen haben tief unter der Oberfläche mächtig "gewühlt", um an den Bodenschatz Braunkohle zu gelangen. Die drei Grafiken zeigen dies eindrucksvoll. Grün markiert sind die bereits bearbeiteten Areale, rot sind jene, an denen noch gearbeitet wird. Lücken gebe es keine. "Wir kennen alle Hohlräume", versichert Jens Bäcker.

Grundlage sind alte, teilweise mehr als 100 Jahre alte Riss- werkskarten. Diese zeigen zwar auch, wo einst Schächte versetzt (verfüllt) worden sind, jedoch gebe es dazu keine Nachweise. Das heißt, sie müssen neu durch Bohrungen beprobt werden, wie der Fachmann sagt.

Jens Bäcker schätzt, dass in seinem Gebiet rund 80 Prozent aller Hohlräume bearbeitet und damit sicher sind. Dazu gehöre auch das Verpressen von außer Betrieb genommenen Filterbrunnen ehemaliger Tagebaue. "Wir haben aber noch einige Jahre zu tun", sagt er. Das systematische Verfüllen habe etwa um das Jahr 2000 begonnen. Für den Versatz wird eine Suspension aus Wasser und Braunkohlenfilterasche unter Druck in die Hohlräume gepumpt. Das Material härte wie Beton aus. Die Asche werde nur von einigen wenigen zugelassenen Kraftwerken außerhalb der Lausitz geliefert.

Um Gefahren auch in der Zukunft auszuschließen, würden alle Hohlräume verfüllt. Auch dort, wo es aktuell keine aktive oberirdische Nutzung gibt. Wer wisse schon, was dort in einigen geplant wird, geht der LMBV-Projektmanager auf Nummer sicher.

In Senftenberg und am See sind fast alle Hohlräume verfüllt. Es laufen Nachkontrollen. Lediglich in Kleinkoschen müssen Kontrollbohrungen erfolgen, wo Hohlräume einst nur mit Sand versetzt worden sind.

Im Raum Hörlitz mit dem Lausitzring sind die Kontroll- und Versatzbohrungen erfolgt. Es gebe nirgendwo eine Gefahr, jedoch müssen mit Kies verfüllte Schächte und Hohlräume nachgearbeitet werden.

Das Gebiet um Freienhufen und Großräschen ist teilweise fertig bearbeitet (grüne Bereiche auf der Grafik). In dem rot markierten Areal (Bereich Marienteich) sind noch die tiefen Strecken zu verfüllen. Dann geht die Rütteldruckverdichtung drüber, ehe das Gelände gestaltet wird. Auf dem blau markierten Areal erfolgen dieses Jahr die restlichen Kontroll- und Versatzbohrungen.

Stark von unterirdischen Strecken durchzogen ist auch der Schwarzheider Nordosten. Die Erkundung ist beendet. An vielen Stellen muss noch verfüllt werden. Bauliche Anlagen seien nicht betroffen. Dies gelte auch für die Bahnstrecke nach Senftenberg, wo etwa 50 Meter neben den Gleisen gearbeitet werden muss.