Von Torsten Richter-Zippack

Die Sorgenfalten von Sorgenteich-Fischer Michael Lehmann werden immer tiefer. Es ist Mitte Juli, und vier der sieben Teiche dieses Gebietes zwischen Ruhland und Guteborn sind fast ausgetrocknet. Dazu zählt auch der Sorgenteich, der die mit Abstand größte Wasserfläche besitzt. „Zu einem direkten Fischsterben ist es bislang zwar noch nicht gekommen. Aber bei dem extrem niedrigen Wasserstand haben Fressfeinde, beispielsweise Reiher, Otter, Kormorane und weitere Arten, leichtes Spiel“, hat Lehmann beobachtet. So bleibe von den Karpfen kaum etwas übrig.

Kooperation mit Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg

Bereits im vergangenen Jahr war der Sorgenteich aufgrund der monatelangen Dürre ausgetrocknet. Schon im Mai hatte Michael Lehmann prognostiziert, dass ein weiteres Trockenjahr die Existenzfrage für seinen Betrieb stellen würde. Immerhin gibt es seinen Angaben zufolge zwei kleine Lichtblicke. Zum einen die Kooperation mit der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg.

Deren Naturschützerin Sophie Desaga will versuchen, entsprechende Fördergelder zu besorgen. Zum anderen habe es mit dem Land Brandenburg als Eigentümer des Sorgenteich-Gebietes Gespräche bezüglich einer Pachtpreisreduzierung und der Hilfe bei der Optimierung der Wasserversorgung gegeben. „Ich bin optimistisch, dass wir zu einer Lösung kommen werden“, sagt Sorgenteich-Fischer Michael Lehmann.

Nur noch halb so viel Wasser wie normal

Ebenfalls angespannt ist die Situation in der Teichwirtschaft Ringpfeil, die sich um 52 Teiche mit einer Gesamtfläche von über 380 Hektar im Raum Wartha/Lohsa kümmert. „Bei uns gab es in diesem Jahr noch keine Notabfischungen“, sagt Unternehmer Karsten Ringpfeil. „Aber einige Teiche haben nur noch halb so viel Wasser wie normal.“ Insbesondere diejenigen Gewässer, die komplett vom Regen abhängig sind (Himmelsteiche), seien betroffen. Sämtliche Zulaufgräben führten seit Wochen kein Wasser mehr.

Darüber hinaus haben die extrem hohen Temperaturen im vergangenen Juni den Fischen zugesetzt. „Herrschen über 30 Grad, wachsen die Karpfen nicht mehr“, erklärt Ringpfeil. Das war bereits im Dürrejahr 2018 der Fall. „Damals konnten wir viele Fische nicht verkaufen, weil sie zu klein waren. Wir mussten sie nun ein weiteres Jahr füttern“, sagt der Fischer, dessen Familie die Teichwirtschaft bereits vor knapp 90 Jahren übernommen hatte.

Noch keine sichere Prognose möglich

Eine Prognose für diese Saison könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeben. „Vieles entscheidet sich mit dem Wetter der kommenden Wochen“, lautet Karsten Ringpfeils Begründung. Und laut den Meteorologen sollen sich Trockenheit und höhere Temperaturen als normal bis weit in den August hinein erstrecken.

Fischer Armin Kittner von der Teichwirtschaft Petershain musste bereits drei seiner insgesamt 46 Teiche notabfischen. Das Problem ist das Gleiche wie bei Familie Ringpfeil: „Die Zuflussgräben führen kein Wasser mehr.“ Hinzu komme, dass der Schöps als größeres Gewässer zu weit entfernt liegt. „Wir stehen vor dem gleichen Desaster wie schon vor zwölf Monaten“, stellt Armin Kittner fest. „Aber wir müssen halt mit dieser Extremsituation umgehen“, fügt er an.

Keine Hilfen an Sachsens Teichwirte ausgezahlt

Indes sind wegen der 2018er-Dürre in Sachsen keine staatlichen Hilfen an die Teichwirte ausgezahlt worden. Allerdings, darauf weist Frank Meyer vom Umweltministerium hin, besteht über die Richtlinie „Krisen und Notstände“ für betroffene Land-, Forst- und Teichwirte die Möglichkeit, entsprechende Gelder zu aquirieren. Maximal die Hälfte des Gesamtschadens könne so ausgeglichen werden.

Meyer empfiehlt den Teichwirten, sich bei einer akuten Situation durch die erneute Trockenheit rechtzeitig an die für sie zuständigen Behörden zu wenden. Zuständig sind die jeweiligen Förder- und Fachbildungszentren des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie vor Ort.

420 000 Euro für Teichwirte in Brandenburg

Im Land Brandenburg ist im vergangenen Jahr eine Unterstützung von insgesamt 420 000 Euro für dürregeschädigte Teichwirte gewährt worden, informiert Fabian Blöchl vom Potsdamer Umweltministerium. Der Experte schätzt die Lage der Fischer in Brandenburg auch unabhängig vom Wetter als schwierig ein. Dies resultiert aus großen Fischverlusten durch Fressfeinde und Problemen für einen kostendeckenden Absatz von Speisefischen, erläutert Fabian Blöchl.

Das Land Brandenburg unterstützt indes diejenigen Teichwirte, die bereit sind, sich ändernden Situationen, was auch das Wetter betrifft, anzupassen. „Mit dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds steht ein Programm zur Verfügung, das auf die Förderung einer ökologisch nachhaltigen Fischerei ausgerichtet ist“, erklärt Fabian Blöchl. Nicht zuletzt gibt es die Möglichkeit, die von geschützten Arten verursachten Schäden, vor allem Kormorane, Reiher, Fischotter und Biber, ersetzt zu bekommen.

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