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| 10:47 Uhr

Dürrejahr 2019
Lausitzer setzen auf Trockenpflanzen

 Diese Birke am Ortsausgang Nardt hat bereits im August alle Blätter abgeworfen. Erik Bartmann (23), Revierförster aus Bernsdorf und Elsterheide: „Ungewiss, ob sie nächstes Jahr nochmal treibt.“
Diese Birke am Ortsausgang Nardt hat bereits im August alle Blätter abgeworfen. Erik Bartmann (23), Revierförster aus Bernsdorf und Elsterheide: „Ungewiss, ob sie nächstes Jahr nochmal treibt.“ FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda/Senftenberg. Der Wald leidet unter der anhaltenden Dürre. Auch den kommunalen Grünanlagen bereitet die Trockenheit Probleme. Die sie mit unterschiedlichen Methoden beheben wollen. Von Torsten Richter-Zippack und Jan Augustin

Kaum Regen seit Wochen. Die anhaltende Trockenheit greift die Bäume massiv an. Vor allem Laubbäume erliegen dem Dürrestreß. So fällte der Landkreis an der B96 zwischen Lauta und Lauta Dorf erst vor wenigen Wochen aus Sicherheitsgründen etwa 20 morsche Robinien.

Selbst die heimische Kiefer schwächelt flächendeckend. Erik Bartmann (23), Revierförster in Bernsdorf und Elsterheide: „Das Problem ist nicht nur die Trockenheit“, sagt er. Alles begann mit Orkantief „Friederike“ im Januar 2018. Die schweren Sturmböen brachen Kronen ab und warfen ganze Bäume um. Hinzu kommt die Dürre, und zwar jetzt das zweite Jahr in Folge.

Bäume kämpfen gegen Trockenheit und Ungeziefer

„Bevor die Bäume absterben, werfen sie Laub oder Nadeln ab“, sagt der Förster. Mit dieser Schutzreaktion soll die Verdunstungsfläche minimiert werden. Borkenkäfer haben nun leichtes Spiel. „Widerstandsfähige Bäume schwemmen die Parasiten mit ihrem Harz tot“, erklärt er. Doch dafür fehle den Gehölzen inzwischen die Kraft.

Zwar zeigen sich die Trockenschäden und ihre Folgen wie Borkenkäfer, Pilzbefall und Co. nur an einzelnen Bäumen, trete aber verstreut nahezu überall auf. „Dürreschäden beobachten wir derzeit in Seidewinkel, Partwitz, Schwarzkollm, Bluno, Sabrodt und Nardt“, so Förster Bartmann. Vor allem die nördlichen Regionen um Hoyerswerda seien betroffen, und hier wiederum die Westhanglagen. „Falls es doch mal regnet, dann fließt das Wasser hier am schnellsten ab“, erklärt er.

Im Gegensatz dazu hat Hoyerswerda Stadt offenbar Glück. Wie der städtische Bauhof mitteilt, geht es den Bäumen gut. „Wir wässern nicht mehr als sonst“, heißt es auf Nachfrage. Anders sieht es in den Regionen um Senftenberg aus. Hier gleichen sich die Bilder: Entlang der Straße von Ortrand nach Lindenau vertrocknen die Linden.

Vier Prozent der städtischen Bäume in Großrä­schen gibt es nicht mehr

In Senftenberg mussten bereits dutzende absterbende beziehungsweise bereits abgestorbene Gehölze gefällt werden. Rund vier Prozent der städtischen Bäume in Großrä­schen gibt es nicht mehr. Im Amt Ruhland sind elf neu gepflanzte Bäume vertrocknet, Schaden rund 2000 Euro. Auf drei abgestorbene Kiefern verweist die Stadt Schwarzheide. Der Grund ist in allen Fällen gleich: die anhaltende Trockenheit. Dauerte die Dürre im Jahr 2018 bereits vom Frühjahr bis zum Herbst, scheint es zwölf Monate später ein ähnliches Szenario zu geben. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hat es allein im Juni 2019 in der Niederlausitz nur 15 Liter Regen pro Quadratmeter gegeben, normal wäre mehr als die vierfache Menge. Auch im Juli war gerade das brandenburgisch-sächsische Grenzgebiet niederschlagsmäßig erheblich benachteiligt.

 Bei Lindenau hat bei den jungen Linden aufgrund der Trockenheit bereits die Herbstfärbung eingesetzt.
Bei Lindenau hat bei den jungen Linden aufgrund der Trockenheit bereits die Herbstfärbung eingesetzt. FOTO: privat

So fehlt es in der Region allerorten an Wasser. Gehölze verwelken, werfen ihr Laub ab oder vertrocknen gleich in Gänze. So müssen Grünanlagen bewässert werden. Allein die Stadt Senftenberg hat nach Angaben von Sprecher Andreas Groebe in diesem Jahr bereits 7400 Euro in die Bewässerung ihrer Anlagen investiert.

Mit Trockenpflanzen gegen Dürre

Um die Kosten zu senken, setzen die Senftenberger verstärkt auf eine trockenheitsvertragende Pflanzenwelt. „So gibt es nur auf dem Markt eine Bepflanzung mit Sommerblumen“, erklärt Groebe. Entlang wichtiger Straßen und auf Plätzen wurden indes Grünflächen mit pflegeärmeren Dauerblühern angelegt. Am wirtschaftlichsten seien dabei Bodendecker-Rosen, die auch in längeren Trockenphasen blühen. Darüber hinaus werde bei allen Pflanzungen auf trockenverträgliche Arten geachtet. „In Zukunft wird unsere Stadt auf weitere trockenheitstolerante Gehölze setzen“, kündigt Andreas Groebe an. Dazu gehören unter anderem Schnurbaum, Ungarische Eiche sowie Blumen-Esche. Allerdings müssten diese Gehölze mit den Naturschützern abgestimmt werden, da es sich um nicht einheimische Arten handelt.

Auch die Großräschener haben bereits Erfahrungen mit Arten, die wenig empfindlich gegenüber längeren Trockenphasen sind. „Als robust haben sich Lavendel, Fünffingerstrauch und Feuerdorn erwiesen. Im Moment gibt es aber keine geplanten Neupflanzungen“, sagt Sprecherin Kati Kiesel. Indes hat der städtische Bauhof als Vorbeugung gegen Dürrezeiten bereits im Frühjahr verschiedene Grünflächen, beispielsweise an der Calauer Straße und der Freienhufener Straße, gemulcht. „Dort halten sich die Ausfälle in Grenzen“, resümiert Kati Kiesel.

In Lauchhammer wird laut Sprecher Heiko Jahn über trockenheitsverträglichere Arten nachgedacht. Allerdings haben die kommunalen Grünlagen die bisherige Dürre bislang relativ gut überstanden.

Mit unterschiedlichen Methoden gegen die Dürre

Die Schwarzheider haben sich neben trockentoleranteren Baumarten auch den Insektenschutz auf die Fahnen geschrieben. Nach Angaben von Sprecherin Ute Kolanowski setzt die Chemiestadt künftig auf Arten wie Gingkobaum, Feldahorn und Silberlinde.

Was die stark geschädigten jungen Straßenlinden zwischen Ort­rand und Lindenau betrifft, hat der zuständige Oberspreewald-Lausitz-Kreis bis Anfang August einen abgestorbenen Baum festgestellt. „Die übrigen Gehölze befinden sich in einem schlechten Zustand“, gibt Sprecherin Marlen Weser den aktuellen Stand wieder. Immerhin habe die Kreisstraßenmeisterei dort eine Bewässerung vorgenommen. Die insgesamt 33 Linden waren in den Jahren von 2016 bis 2018 gepflanzt worden. Jeder Baum schlug mit jeweils 80 bis 120 Euro zuzüglich der folgenden Pflegekosten zu Buche.

In der Gemeinde Schipkau werden neu gepflanzte Bäume gelegentlich gewässert, ebenso die wenigen Blumenrabatten, sagt Bauamtsleiter Martin Konzag. „Ansonsten schützen sich Bäume, Sträucher und Rasenflächen selbst. Sie befinden sich bereits im Herbst-Modus.“ Schipkau reagierte bereits vor Jahren auf die zunehmend trockenere Witterung und verzichtet seither auf aufwendige Bepflanzungen.