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| 20:34 Uhr

Rennsportgemeinde hat seit 20 Jahren Benzin im Blut
DTM in Schipkau: Viel Stress vor dem Donnern der Motoren

 Hochbetrieb im Fahrerlager herrschte schon am Freitagvormittag nach dem freien Training  des Audi R8-Cups.
Hochbetrieb im Fahrerlager herrschte schon am Freitagvormittag nach dem freien Training des Audi R8-Cups. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Klettwitz. Die DTM heizt über den Lausitzring. In der 6700-Einwohner-Gemeinde Schipkau hat aber schon vor dem großen Motorsport-Spektakel die Luft gebrannt: das Ordnungsamt im Dauerstress und 70 Feuerwehrkameraden auf dem Sprung. Von Andrea Budich

Wenn Gummi in der Luft liegt, die Reifen qualmen, die Motoren donnern und der Asphalt – dann ist Schipkaus Bürgermeister Klaus Prietzel (CDU) in seinem Element. Er fährt selber gerne sehr, sehr schnell. Das gibt er gerne zu. Und die DTM vor der Haustür findet er ohnehin spannender als jedes Formel 1-Rennen im Fernsehen.

Vollgas geben für den Lausitzring – für Schipkaus Bürgermeister ist das alljährlich ein Herzensding. Wenngleich in den Wochen und Monaten vor dem Stopp der Deutschen Tourenwagen Masters in seinem Rathaus in Klettwitz die Luft brennt und von ruhiger Verwaltungsroutine keine Rede sein kann. „Wir haben nach 20 Jahren DTM Übung beim Erlass so ziemlich jeder Ordnungsverfügung, beim Schreiben von Sicherheitskonzepten, Lageplänen und bei der Organisation der Einsatzkräfte“, sagt Prietzel einen Tag vor dem großen Ansturm mit erwarteten 30 000 bis 40 000 Besuchern.

 Bevor der Ring ruft, wird auf dem Speedway Camp gleich hinter der Haupttribüne erst einmal zünftig angestoßen. Die Herrenrunde aus Arnsdorf bei Radeberg hat dafür drei Fässer Bier im Gepäck.
Bevor der Ring ruft, wird auf dem Speedway Camp gleich hinter der Haupttribüne erst einmal zünftig angestoßen. Die Herrenrunde aus Arnsdorf bei Radeberg hat dafür drei Fässer Bier im Gepäck. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE

Ein paar Unterschriften noch und es kann losgehen

Allein am Mittwoch waren noch die letzten neun Ordnungsverfügungen von ihm zu unterzeichnen, damit am Wochenende der Asphalt wieder glühen kann. Die Spannbreite dabei reicht vom Lageplan für das Fahrerlager über Beschilderungspläne für die Verkehrszeichen bis hin zu Ordnungsverfügungen für den Ablauf an der Haupttribüne. Darin sind zum Beispiel die Abstände der Verkaufsstände exakt geregelt, damit für den Notfall eine Rettungsgasse gebildet werden kann.

Das Prozedere ist nach 20 Jahren DTM auf dem Lausitzring eingeschliffen. „Aber es wird alles von Jahr zu Jahr komplizierter“, stöhnt selbst der motorsportbegeisterte Bürgermeister. In den Anfangsjahren hatte eine Ordnungsverfügung an die zehn Seiten. „Heute sind es mehrere Ordner, die für eine Verfügung angelegt werden müssen“, beschreibt Prietzel den immensen Mehraufwand, den vor allem die Mitarbeiter des Schipkauer Ordnungsamtes vor der DTM zu stemmen haben.

Dazu gehört auch die Organisation der Einsatzkräfte der Feuerwehr. 70 Kameraden sind an diesem Wochenende im Dauereinsatz. Unterstützt werden die Männer und Frauen der freiwilligen Wehren der Großgemeinde Schipkau dabei aus Schwarzheide, Senftenberg, Hosena, Lauchhammer und Ruhland.

Ob jede einzelne Auflage aus den Ordnungsverfügungen umgesetzt wurde, hat Sachgebietsleiterin Katja List aus dem Schipkauer Ordnungsamt am Freitag unmittelbar vor dem Veranstaltungsstart kontrolliert. Sie sitzt an allen drei Tagen auch in der Einsatzleitung.

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Europa in Schipkau

Der ganze Vorbereitungsstress ist dann aber schnell vergessen, wenn im Schipkauer Gemeindegebiet Autokennzeichen aus ganz Mitteleuropa gesichtet werden. Die erste Anreisewelle ist am Donnerstagnachmittag angerollt. Die Campingplätze rund um den Ring waren schon am Freitagvormittag sehr gut gefüllt. „Das ist definitiv eine Besonderheit des Lausitzrings“, sagt Communication-Manager Lennart Schmid von der ITR GmbH. Von allen DTM-Wochenenden ist die Nachfrage nach Campingstellplätzen am Lausitzring mit Abstand am größten.

Zu den ersten, die am Donnerstag, Punkt 12 Uhr, angerollt sind, gehört eine Zwölf-Mann-Runde aus Arnsdorf bei Radeberg. „Wenn du einen schönen Stellplatz haben willst, musst du pünktlich sein“, erklären Sandro und Uwe. Auf dem Speedway Camp gleich hinter der Haupttribüne sind sie dicht dran am Renngeschehen, haben den Motoren-Sound im Ohr und feste Duschen und Toiletten in Reichweite.

Zur DTM am Lausitzring sind die Sachsen schon zum vierten Mal angereist. „Die Strecke ist einfach geil, komplett einsehbar, und im Fahrerlager bist du als Besucher mittendrin und nicht abgekapselt“, erklärt Maik, warum der DTM-Termin in der Lausitz für sie ein Pflichttermin ist. Am Sonntag wird ihr Tross mit der letzte sein, der am Nachmittag vom Platz rollt.

Eingefleischte DTM-Fans mit Wohnmobil

Zu den eingefleischten Campern und der leidenschaftlichen Fangemeinde des Lausitzrings gehört auch Sven Kustermann. Mit zwölf Kumpels und seiner Familie ist er aus der „Dresdner Ecke“ gleichfalls schon am Donnerstag angereist. Nach dem Frühstück am Freitag vor seinem Zelt, ging es direkt zum ersten Check des Fahrerlagers und der Boxengasse. „Hier kannst du ganz dicht dran sein, anders als bei anderen Rennstrecken“, schwärmt der Sachse.

Mit dem Wohnmobil ist das Rentnerpaar Claaßen aus Emden in Ostfriesland zum DTM-Rennen am Lausitzring aufgekreuzt. Sie haben bereits zum wiederholten Mal am Senftenberger See geurlaubt und diesmal die Gelegenheit genutzt, einen Abstecher zur DTM zu machen.

Mit den Handys in der Hand nimmt Ehepaar Niemeier aus Neumünster am Freitagvormittag das Fahrerlager ab. „Der Sohn fährt einen Audi, da müssen ein paar schnelle Schnappschüsse nach dem freien Training für den Audi R8-Cup einfach sein“, lachen die zwei Urlauber.

 Hochbetrieb im Fahrerlager herrschte schon am Freitagvormittag nach dem freien Training  des Audi R8-Cups.
Hochbetrieb im Fahrerlager herrschte schon am Freitagvormittag nach dem freien Training des Audi R8-Cups. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
 Bevor der Ring ruft, wird auf dem Speedway Camp gleich hinter der Haupttribühne erst einmal zünftig angestoßen. Die Herrenrunde aus Arnsdorf bei Radeberg hat dafür drei Fässer Bier im Gepäck.
Bevor der Ring ruft, wird auf dem Speedway Camp gleich hinter der Haupttribühne erst einmal zünftig angestoßen. Die Herrenrunde aus Arnsdorf bei Radeberg hat dafür drei Fässer Bier im Gepäck. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE