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Drogendealer rutscht am Knast vorbei

Senftenberg. Dieser Warnschuss ist unüberhörbar: Ein junger Drogenhändler und -konsument wird vom Senftenberger Schöffengericht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Doch seine gute Sozialprognose bewahrt ihn vor dem Umzug hinter schwedische Gardinen. Manfred Feller

Der 24-jährige Ronny O. (Name geändert), der da auf der Anklagebank sitzt, sieht eher aus wie Muttis Liebling, aber nicht wie jemand, der Drogen konsumiert und damit gehandelt hat. Schlank, ein blasses Erscheinungsbild, blondes, lichtes Haar, das hellblaue Hemd hängt über der ausgewaschenen Jeans. Die Füße stecken in sportlichen Schuhen.

Der junge Cottbuser ist zwar in der Lausitzmetropole beim Verkaufen von Betäubungsmitteln von der Polizei ertappt worden, doch die Drogenspur führt nach Brieske. In der Gartensparte "Franz Mehring" hat er sich laut der Anklage der Staatsanwaltschaft Cottbus mit einem Zwischenhändler mehrfach getroffen und neue Ware erworben. Vorgeworfen wird dem 1990 Geborenen, zwischen Mai und August 2013 zwölfmal mit einer nicht geringen Menge Marihuana, zwischen 70 und 250 Gramm und einem hohen Wirkstoffanteil, gehandelt zu haben. Ronny hat das Pflanzenprodukt für 6,50 Euro je Gramm erworben und für 8,50 Euro je Gramm weiterverkauft. Mit dem Gewinn habe er seinen eigenen Drogenkonsum finanziert. "Ich wollte damit kein Geld verdienen. Das war nur für den Eigenbedarf", sagt er vor Gericht.

Nachdem Ronny von der Polizei erwischt worden war, bemerkte er schnell, dass um ihn herum die Luft brennt. Die Drogen könnten ihm, der ein Studium wegen schlechter Leistungen abgebrochen hat, den weiteren Lebensweg verbauen. Er möchte unbedingt einen neuen Berufsweg einschlagen. Im kommenden September soll für ihn Ausbildungsbeginn sein.

Der 24-Jährige packt aus und bereut. Auch vor Gericht gesteht er seine Taten. Warum er mit dem Drogenkonsum angefangen hat, verrät er jedoch nicht. Aber durch den Handel kann er seinen eigenen Rauschbedarf finanzieren. Den Tipp zum Zwischenhändler aus dem Raum Senftenberg/Brieske habe er von einem Kumpel erhalten. Der Händler stand selbst schon vor Gericht. Ronny war als Zeuge vorgeladen gewesen.

Heute ist Ronny nach eigenem Bekunden "clean", nimmt keine Drogen mehr. Sein Leben bestreite er durch Unterhalt, Kindergeld und als Kassierer in einem Einkaufsmarkt.

Da der junge Mann geständig ist, eine "deutlich positive Entwicklung im Gegensatz zu anderen Kandidaten" zeige, kein Gewinnstreben an den Tag gelegt und Aufklärungshilfe gegeben habe, beantragt die Staatsanwaltschaft für alle Straftaten eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, ausgesetzt zu drei Jahren auf Bewährung. Dem folgt auch das Schöffengericht. Der Cottbuser muss zudem die Kosten des Verfahrens tragen. Alle Seiten verzichten auf Rechtsmittel gegen das Urteil. Es ist damit rechtskräftig.

Entlastend wertet das Schöffengericht unter Vorsitz von Strafrichter Harald Rehbein zudem, dass der 24-Jährige den Haupttäter während der Ermittlungen belastet und selbst nur eine Vorstrafe aufzuweisen hat. Als 15-Jähriger war er beim Ladendiebstahl ertappt worden. Das Gericht hebt ausdrücklich hervor, dass Ronny O. "zum Glück" nicht mit der synthetischen Teufelsdroge Crystal Meth gehandelt hat, die gegenwärtig Sachsen und den Süden Brandenburgs überschwemmt.