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Kriminalität
Drogendealer droht lange Haft

Die Staatsanwaltschaft schätzt, dass Sven M. mit dem Drogenhandel, meistens Crystal Meth, in knapp zwei Jahren etwa 165 000 Euro umgesetzt hat.
Die Staatsanwaltschaft schätzt, dass Sven M. mit dem Drogenhandel, meistens Crystal Meth, in knapp zwei Jahren etwa 165 000 Euro umgesetzt hat. FOTO: dpa
Cottbus/Senftenberg. Ein vorbestrafter Crystal-Händler aus Senftenberg muss sich wieder vor dem Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 115 Taten vor und fordert elf Jahre Gefängnis. Jan Augustin / jag

Den Deal will Sven M.* nicht eingehen. Nein, er sagt nichts und deutet über seine beiden Anwälte an, dass er das im weiteren Verlauf des Prozesses so beibehält. Hätte er die 115 Taten, die ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, gestanden und nebenbei noch einige Namen seiner Lieferanten und Abnehmer preisgegeben, dann hätte sich das bei einer Verurteilung mit hoher Wahrscheinlichkeit strafmildernd ausgewirkt. Der Cottbuser Staatsanwalt Olaf Jurtz, zuständig für den Bereich Drogenkriminalität, hält so eine Strafe von mindestens elf Jahren für angemessen. Auch das Cottbuser Landgericht hätte sich bei einem Geständnis darauf eingelassen, eine Freiheitsstrafe zwischen zehneinhalb und elfeinhalb Jahren nicht zu überschreiten, erklärt der Vorsitzende Richter Frank Schollbach. Doch der Deal - also das Rechtsgespräch mit Staats- und Rechtsanwälten sowie der 1. Großen Strafkammer - ist am Freitag geplatzt. Weil der Angeklagte, ein 37-jähriger Senftenberger, schweigt. Sven M. war im April dieses Jahres bei einer groß angelegten Razzia festgenommen worden. Einsatzkräfte vom Spezialeinsatzkommando (SEK) stellten ihn, als er 200 Gramm Crystal an einen Dealer aus Lübben verkauft haben soll. Elf Wohnungen und Gärten in Cottbus, Senftenberg und Lübben wurden durchsucht, Drogen sichergestellt, Dealer verhaftet.

Sven M. ist der Justiz seit Längerem bekannt. Bereits 2006 hatte ihn das Landgericht zu drei Jahren Haft verurteilt - wegen Drogenhandels. Anfang dieses Jahres kommt er am Amtsgericht Senftenberg mit einer Bewährungsstrafe davon.

Die Beweislage sei nun erdrückend, erläutert Jurtz in einer Verhandlungspause. Die Ermittler stellen in einer Wohnung, die Sven M. als Bunkerort genutzt haben soll, unter anderem 1,6 Kilogramm Crystal Meth, 80 Gramm Kokain, 700 Gramm Haschisch, 770 LSD-Trips aus Papier sowie mehrere Tausend Euro Bares sicher. In einer Nachbarwohnung soll zudem eine scharfe Pistole mit Schalldämpfer des Angeklagten gefunden worden sein. Für die Zeit von Juli 2015 bis April dieses Jahres hätten die Ermittler den Handel von 3,5 Kilo Crystal nachgewiesen. Die Kombination von Waffen-, Drogenfund und Handel erhöht das Strafmaß erheblich und sieht auch bei relativ kleinen Mengen an Crystal eine Mindeststrafe von fünf Jahren vor.

Das synthetisch hergestellte Methamphetamin Crystal soll Sven M. von zwei Kurieren aus Senftenberg - einem Vater und dessen Sohn - bezogen haben. Beide stehen im Verdacht, die sofort abhängig machende Droge kiloweise aus Tschechien eingeführt zu haben. In Untersuchungshaft sitzend, warten sie nun auch auf ihren Prozess, bestätigt Olaf Jurtz. Erst vor ein paar Wochen ist ein Drogendealer aus Frauendorf wegen bewaffneten Handeltreibens zu fünfeinhalb Jahren verurteilt worden. Vor rund einem Jahr ist ein Calauer zu sieben Jahren verdonnert worden. In jüngster Zeit nehmen Prozesse, die sich mit Crystal-Handel beschäftigen, deutlich zu, bestätigt Jurtz. "Ich habe in diesem Jahr so viele Fälle gehabt wie noch nie", sagt der Staatsanwalt. *Name geändert

Zum Thema:
Sollte es zu einer Verurteilung im Sinne der Anklageschrift kommen, droht dem Senftenberger noch eine erhebliche Zahlungsforderung. Die Staatsanwaltschaft schätzt, dass Sven M. mit dem Drogenhandel, meistens Crystal, in knapp zwei Jahren etwa 165 000 Euro umgesetzt hat. Diese Summe müsste er dann an die Staatskasse zahlen. Grund ist das seit Juli gültige Gesetz zur strafrechtlichen Vermögensabschöpfung. Die Gerichte sind demnach verpflichtet, das Vermögen der Verurteilten abzuschöpfen. Als Strafe wird dieser Prozess nicht gewertet. Der Gesetzgeber verfolgt das Ziel, das Recht zu vereinfachen, die Sicherstellung von Vermögen zu erleichtern und die nachträgliche Abschöpfung von Vermögen zu ermöglichen. (jag)