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| 20:18 Uhr

Nächtliche Übung
Drogen, Sprengstoff, Menschen: Auf Spielzeugsuche mit Polizeihunden

Polizeikommissarin Madlen Bielefeldt übt mit ihrem Fährtenhund Stan auf dem Gelände des Bauhofs Senftenberg das Erschnüffeln von Rauschgift. Das Gelände bietet viele Versteck-Möglichkeiten.
Polizeikommissarin Madlen Bielefeldt übt mit ihrem Fährtenhund Stan auf dem Gelände des Bauhofs Senftenberg das Erschnüffeln von Rauschgift. Das Gelände bietet viele Versteck-Möglichkeiten. FOTO: Steffen Rasche / Rasche FOTOGRAFIE
Senftenberg. Auf dem Bauhofgelände in Senftenberg hat die Hundestaffel der Polizeidirektion Süd des nachts für den Ernstfall geprobt: Die vierbeinigen Spürnasen erschnüffeln Fährten und Rauschgift. Die RUNDSCHAU war mit Polizei-Schäferhund Onyx auf Täter-Jagd. Von Josephine Japke

Onyx ist acht Jahre alt und ein lieber Schäferhund. Anders, als sein Name vermuten lässt, hat er hellbraunes Fell und große süße Hundeaugen. Mit wedelndem Schwanz beschnuppert er neugierig alles und jeden, will spielen und gestreichelt werden. Doch plötzlich kommt Thomas Förster mit Maske und Brechstange um die Ecke. In Onyx’ Kopf legt sich ein Schalter um: Er knurrt und jault, legt sich auf den Boden, springt ab und verbeißt sich in Thomas Försters Arm.

Was im echten Leben einen Krankenhausbesuch für den Einbrecher bedeutet hätte, war in der Nacht auf Freitag nur ein Übungsszenario für die Hundestaffel der Polizeidirektion Süd auf dem Gelände des Bauhofs Senftenberg. „Zweimal im Monat finden solche Übungstage statt, um den Leistungsstand der Hunde konstant aufrecht zu erhalten“, beschreibt Thomas Förster, der kein Einbrecher ist, sondern Diensthundeführer bei der Polizei. „Der Bauhof eignet sich hervorragend als Praxisobjekt, denn er ist eingezäunt und es gibt verschiedene Versteckmöglichkeiten“, beschreibt er.

Denn die Hunde sind hier, um den Ernstfall zu proben: verstecktes Rauschgift oder Menschen aufspüren. „Gerade im Süden Brandenburgs haben wir ein großes Problem mit Rauschgift“, bestätigt auch Dieter Pustelnik, der der Hundeführer von Onyx ist. Aber er betont auch, dass die Hunde hauptsächlich eine andere Aufgaben haben: „Es sind Schutzhunde, mit denen wir uns selbst schützen. Neben unserer Waffe sind sie das zweite Hilfsmittel körperlicher Gewalt“, erklärt er und krault dabei Onyx hinter den Ohren.

Die Ausbildung der Schäferhunde und Riesenschnauzer beginnt, wenn sie ein Jahr alt sind. „Doch vorher werden sie schon überprüft, ob sie gesundheitlich und vom Wesen her geeignet sind. Da fallen die meisten Hunde schon durch“, erklärt Dieter Pustelnik. Dann folgt ein dreimonatiger Lehrgang für Hunde und Halter, in dem die Befehle bis zur Perfektion erlernt und in einer Prüfung gezeigt werden.

„Der Grundgehorsam muss bei unseren Hunden viel höher sein, denn sie sind die einzigen Hunde, die auf den Menschen abgerichtet und dadurch eine Waffe sind“, sagt auch Rüdiger Pujan, dessen Hund Jo der einzige Sprengstoffhund in der Runde ist. Dieter Pustelnik fügt hinzu: „Unsere Hunde dürfen aber nur auf den Menschen gehen, wenn wir es ihnen sagen und lassen erst los, wenn sie den Befehl erhalten. Jede unserer Anweisungen muss sofort vom Hund befolgt werden.“

Dabei ist das große Geheimnis der Ausbildung und Arbeit der Hunde ganz einfach: „Die Hunde suchen im Prinzip ihr Spielzeug. Ob das nun Menschen, Drogen oder Sprengstoff ist, ist ihnen egal“, erklärt Dieter Pustelnik. Haben sie ihr Objekt der Begierde gefunden, zeigen sie es auf unterschiedliche Weise. Sprengstoff wird passiv, durch hinlegen angezeigt, damit nichts explodiert. Drogen und Menschen werden aktiv angezeigt, durch bellen und kratzen. Um das sicherzustellen, muss die Prüfung auch jedes Jahr abgelegt werden, insgesamt zehn Jahre lang.

Denn so lange sind die meisten Hunde im Dienst. Während dieser Zeit leben sie bei ihren Diensthundeführern, sind in den Familien integriert und führen ein Leben, wie jeder normale Hund auch. „Wir füttern sie, spielen mit ihnen, gehen Gassi und zum Tierarzt“, sagt Dieter Pustelnik, zu dessen Familie Onyx schon seit fünf Jahren gehört.

„Wir lieben unsere Hunde und unseren Job. Jeder, der das macht, ist noch ein bisschen leidenschaftlicher dabei“, meint er. Denn für die Hundeführer gibt es keine geregelten Arbeitszeiten von 8 bis 17 Uhr. Sobald Personen vermisst oder Täter gesucht werden, müssen sie raus, egal wie spät es ist.

Dann gehen sie nicht nur für sich selbst die Gefahr ein, verletzt zu werden, sondern auch für ihre Hunde. „Natürlich ist das schwierig. Wir müssen immer damit rechnen, dass unsere Hunde verletzt oder getötet werden. Aber zum Glück kommt das selten vor“, erklärt Dieter Pustelnik und alle nicken zustimmend. In einem ist sich der Hundeführer nämlich sicher: „Das letzte Kind der Familie hat Fell.“