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| 11:49 Uhr

Aus dem Gericht
Drogen, Diebstahl und dann der kalte Entzug im Knast

Senftenberg. Wegen Diebstahls und Körperverletzung ist ein Mann (35) aus Lauchhammer am Donnerstag vom Amtsgericht Senftenberg verurteilt worden. Sein Werdegang weckt Mitleid - selbst beim Opfer. Von Jan Augustin

Zwei Monate hat Frank M.* jetzt im Gefängnis gesessen und seitdem keine Drogen mehr zu sich genommen. Der kalte Entzug im Knast ist dem 35-jährigen Angeklagten deutlich anzusehen. Immer wieder fällt er dem Gericht ins Wort, unterbricht sogar das Plädoyer des Staatsanwaltes. Wenn er sich zum Sachverhalt äußert, gestikuliert er wild mit den Armen, sucht Augenkontakt zu allen Beteiligten im Saal. Mitten im Satz hört Frank M. auf zu reden, um schnell seinen nächsten Gedanken loszuwerden. Er kennt seine „hippelige“ Art und begründet sie mit seinem Drogenentzug. „Ich entschuldige mich für mein Benehmen“, sagt er kurz vor der Urteilsverkündung durch das Schöffengericht um Strafrichter Harald Rehbein. Der muss den Angeklagten mehrmals zur Räson rufen. „Ruhe jetzt“, ruft Harald Rehbein nicht nur einmal in scharfem Ton. Auch Frank M.’s Verteidigerin Sandra Nauck muss ihren Mandanten immer wieder ermahnen, still zu sein.

Sieben Monate auf Bewährung bekommt der wegen diverser Diebstahlsdelikte bereits zehnfach vorbestrafte Mann am Ende. Das Gericht kommt damit der Forderung der Staatsanwaltschaft nach. Rechtsanwältin Sandra Nauck hatte sechs Monate für ausreichend empfunden. Durch das Geständnis und die Zeugenaussagen haben sich die beiden angeklagten Vorwürfe jedenfalls bestätigt: Aus dem Rewe-Einkaufsmarkt in Lauchhammer hatte er im Sommer 2016 versucht, Waren im Wert von 65 Euro zu stehlen. Vor einem Jahr wollte er aus einem Modegeschäft in Lauchhammer eine Jacke für 129 Euro klauen. Beides misslang, weil die Mitarbeiter den Diebstahl beobachtet haben und Frank M. mithilfe von Passanten stellen konnten.

Im jüngsten Fall soll es auch zu einer Rangelei gekommen sein, bei der der Angeklagte mehrmals den Arm einer Verkäuferin verdreht und ihr schließlich in den Bauch geschlagen haben soll. Die 56-Jährige schildert den Vorfall am Donnerstag als Zeugin. Der Beschuldigte gesteht zwar den Diebstahl. Zugeschlagen habe er aber nicht. „Ich bin kein Gewaltmensch. Das war ich nie und werde das auch nie werden“, sagt Frank M.

Bei der Verkäuferin entschuldigt er sich dennoch. Und sie nimmt an. Mehr noch: „Alles Gute für Sie“, sagt sie nach der Vernehmung in seine Richtung.

Ein gutes Durchhaltevermögen benötigt der Lauchhammeraner auch. Seit 20 Jahren ist er drogenabhängig, sagt er nach der Verhandlung. Heroin, Crystal, Alkohol und Beschaffungskriminalität haben sein bisheriges Leben bestimmt. Damit soll nun Schluss sein. Frank M. ist zwar verurteilt, aber faktisch ein freier Mann. So schnell wie möglich will er sich jetzt ins Krankenhaus einliefern lassen, um eine Therapie fortzusetzen. „Es ist schön, mal wieder einen klaren Kopf zu haben. Die Einsicht kommt spät, aber sie kommt“, sagt er.

*Name geändert