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Dreiste Diebe räumen Laden aus

Das Geschäft von Isabell Felsch in Großräschen ist von dreisten Dieben ausgeräumt worden.
Das Geschäft von Isabell Felsch in Großräschen ist von dreisten Dieben ausgeräumt worden. FOTO: Steffen Rasche/str1
Großräschen. Dreiste Diebe haben den Laden von Isabell Felsch (27) in Großräschen ausgeräumt. Handys – darunter gleich mehrfach das neueste Modell der Samsung-Reihe, Speicherkarten, Tablets, Router und Festnetz-Telefone sind in der Nacht zum Dienstag geklaut worden. Kathleen Weser

Die junge Unternehmerin ist entsetzt und stinksauer. Über den materiellen Verlust hinaus hängt jede Menge Herzblut an dem Geschäft. "Ich habe es erst vor einem Jahr eröffnet", erzählt sie. "Wir haben hier wirklich alles selbst renoviert und eingerichtet", berichtet die Senftenbergerin weiter. In Großräschen hat Isabell Felsch den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, als der Inhaber des Vorgängergeschäftes in der Seestraße hier aufgab. "Ich hatte nach der Geburt meiner Tochter aus der Gastronomie in das neue Berufsfeld gewechselt, weil geregelte Arbeitszeiten für mich wichtig geworden sind", sagt die junge Mutter. Zwei Jahre lang hatte sie sich als Angestellte im Fachbetrieb für Telekommunikation eingearbeitet und am Ende fünf Geschäfte federführend betreut.

"Die Entscheidung, hier in Großräschen mit dem eigenen Laden und Reparaturservice weiterzu machen und neu anzufangen, ist mir leichtgefallen", sagt sie. Die Kleinstadt sei familiär. "Und meinen Kundenstamm, zu dem auch viele ältere Mitbürger zählen, wollte ich nicht im Stich lassen", fügt die Unternehmerin hinzu. "Reich werden kann man hier nicht. Aber wer Menschen mag und gern gut berät, kann vom Geschäft leben", versichert sie.

Der Einbruch ist ein herber Rückschlag für die Selbstständige. Durch das Badfenster waren drei junge Männer in die Räume eingedrungen. Das ist mit der Kamera, die die Diebe vorsorglich zerstört hatten, aufgezeichnet worden. "Wir sind ein Fachgeschäft. Unseren Technikern ist es trotz des derben Angriffes auf die Geräte gelungen, die Bilder wiederherzustellen", bestätigt Isabell Felsch. Die unvermummten Personen seien erkennbar. Den Aufzeichnungen zufolge ist das Diebe-Trio um 2.04 Uhr eingebrochen. Gut eine Stunde lang hat der Raubzug angedauert. Unter großen Mühen haben die Täter auch den gut gesicherten Wandtresor geknackt. "Der wiegt gut 80 Kilogramm und ist zu Boden gefallen", erzählt die Laden-Inhaberin. Das müsse stark gescheppert haben und im Haus, in dem Mieter wohnen, auch zu hören gewesen sein. "Leider hat niemand die Polizei informiert", sagt die junge Frau. Ein Vorwurf sei das aber nicht, betont sie.

Polizeisprecher Torsten Wendt ermuntert die Nachbarn ausdrücklich dazu, wachsam zu sein und "lieber einmal umsonst zum Handy zu greifen, als gar nicht zu informieren". Dieben das Handwerk zu legen, gelinge immer wieder nach zeitnahen Bürgerhinweisen. Auf Kommissar Zufall sei nur selten Verlass. Doch schnell ausgelöste Nahbereichsfahndungen führen durchaus zum Ergreifen von Tätern. Selbst wenn die Diebe den Ort ihrer unrühmlichen Tat schon verlassen konnten, bevor die Ordnungshüter eingetroffen sind - auf der Flucht mit der Beute im Fahrzeug erwischt wurden schon einige. "Nichts ist wichtiger als die Hinweise aufmerksamer Bürger", bestätigt der Polizeisprecher.

Isabell Felsch hat den Schaden. "Leider sind auch Kundengeräte weg, die vor dem langen Wochenende nicht mehr abgeholt wurden", sagt sie. Die Regulierung des beträchtlichen Diebstahl-Schadens sei noch völlig offen. Allein die Selbstbeteiligung wird hart ins Kontor schlagen, sagt die junge Unternehmerin. Tröstlich sei das ehrliche Mitgefühl der Großräschener.

Zum Thema:
Einbrüche in Häuser, Wohnungen und Geschäftsräume sind im Mai in der Region wieder verstärkt festgestellt worden. Mehrfach sind die Täter im Raum Senftenberg in den vergangenen Tagen an den gesicherten Eingangstüren gescheitert, bestätigt die Polizeidirektion Cottbus. Einbrüche werden im Bereich der Polizeiinspektion Oberspreewald-Lausitz nach wie vor in beträchtlichem Umfang der Beschaffungskriminalität von Drogenkonsumenten zugeordnet. Aber auch organisierte Banden schlagen gerade in Autobahn-Nähe zu.