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| 13:21 Uhr

67 Veranstaltungen im Amphitheater am Senftenberger See
Dreigroschenoper verspricht beste Unterhaltung

 „Die Legende vom heißen Sommer“ - ein Stück Osten in den Amiga-Hits ist eine neue Produktion, mit der das Boulevardtheater Dresden im Amphitheater am See zu Gast sein wird. Auf dem Foto Andreas Köhler und Katharina Eirich.
„Die Legende vom heißen Sommer“ - ein Stück Osten in den Amiga-Hits ist eine neue Produktion, mit der das Boulevardtheater Dresden im Amphitheater am See zu Gast sein wird. Auf dem Foto Andreas Köhler und Katharina Eirich. FOTO: Neue Bühne / Robert Jentzsch
Manuel Soubeyrand freut sich auf die Inszenierung für die Amphitheatersaison 2019. Von Heidrun Seidel

Mit Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ wird die neue Bühne Senftenberg am 25. Mai die Saison im Amphitheater am See eröffnen. Darauf freut sich vor allem Intendant Manuel Soubeyrand. Schon als Student war er für einen erkrankten älteren Kollegen eingesprungen und hat die Rolle des Jimmy in der Dreigroschenoper übernommen.

Nach dem Schauspielstudium hatte er sein erstes Engagement am Berliner Ensemble im Theater am Schiffbauerdamm und war weiter mit dem „Stück mit Musik in einem Vorspiel mit acht Bildern“ konfrontiert. „Eine ganz kleine Rolle“, sagt er heute. Was sonst eher Frust für einen jungen Schauspieler bedeute, sei für ihn damals ein Glücksfall gewesen. „Ich habe die Dreigroschenoper von 1981 bis 1991 gefühlt 500-mal gespielt, in Wirklichkeit wohl etwa 100-mal“, beschreibt er seine Bindung. Dabei habe er Gelegenheit gehabt, den Kollegen genau zuzuhören, zu beobachten und viel zu lernen. Auch auf den vielen Gastspielen von Mailand bis Toronto und Mexiko hatte er die Zeit, sich umzuschauen. So sei er mit der Dreigroschenoper hineingewachsen in den Beruf – und von ihr nicht mehr losgekommen. „Sie ist nicht wegzudenken aus meinem Leben.“ Auch deshalb sei es für ihn etwas Besonderes, sie nun selbst zu inszenieren zu können und so sein Verständnis vom Stück umzusetzen.

Die Geschichte des Theaterstückes, das nicht wirklich eine Oper im klassischen Sinne ist und auch nicht von Opernsängern, sondern singenden Schauspielern gespielt wird, ist schnell erzählt: Die „Geschäftsmänner“ Peachum und Maceath, beide kriminell und skrupellos, sind Konkurrenten im Londoner Stadtteil Soho. Jener als Chef einer Bettlerbande, dieser als Chef von Straßenbanditen. Maceath, Mackie Messer genannt, hat gute Verbindungen zur Polizei, weil er mit Polizeichef Tiger Brown gedient hat. Mackie Messer schnappt sich gegen den Willen des Vaters Peachums Tochter Polly. Der Konflikt in der Unterwelt eskaliert und offenbart ihre Doppelmoral.

 Ulrike Mai spielt in der frivolen Komödie „Herr Landwirt, Ihre Gurke wächst“ Frau Leutheuser-Schnarrenthal.
Ulrike Mai spielt in der frivolen Komödie „Herr Landwirt, Ihre Gurke wächst“ Frau Leutheuser-Schnarrenthal. FOTO: Neue Bühne / Robert Jentzsch

Dass die Inszenierung der Dreigroschenoper für die Amphitheatersaison nach leichten Erfolgsstücken wie „Camping, Camping“ oder „MS Madagaskar“ eine Abkehr von der Unterhaltung sei, wie manche Zweifler fürchten, kann Soubeyrand nicht nachvollziehen. „Es ist ebenso ein Stück mit Musik“ sagt er, und Lieder wie die Moritat von Mackie Messer, die Seeräuber-Jenny oder der Kanonensong gehören zu den berühmtesten Schlagern nicht nur ihrer Zeit. Diesmal seien Autor und Komponist der Eigenproduktion für das Amphitheater sogar Weltkünstler, die mit dem Stück das Musical der 20er-Jahre revolutioniert haben.

Bertolt Brecht war gerade 30 Jahre alt, Kurt Weill erst 28, als die beiden 1928 mit der Dreigroschenoper, mit der das Theater am Schiffbauerdamm wieder eröffnet wurde, binnen kürzester Zeit einen Welterfolg feierten. Schon innerhalb eines halben Jahres, so weiß der Brecht-Fan Soubeyrand, sei sie an vielen Theatern in Deutschland und Europa nachinszeniert worden. Das Stück fußt auf John Gays „Beggar‘s Opera“ nach der Übersetzung von Elisabeth Hauptmann und war von Brecht und Weill in wenigen Wochen geschrieben worden. Auch die Produktion selbst sei von chaotischen Proben und kurzfristigen Änderungen und Umbesetzungen gekennzeichnet gewesen. So soll der heute berühmteste Song, die Moritat von Mackie Messer – inzwischen vielfach gecovert, so auch von Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, Robbie Williams bis Udo Lindenberg – erst kurz vor der Premiere am 31. August 1928 entstanden sein.

Nach Soubeyrands Auffassung sei es ein Fehler, die Dreigroschenoper auf die sozialkritischen Sätze zu reduzieren. Statt ihm damit Schwere aufzubürden, will er die Unterhaltung mit guten Texten und guter Musik eines Gangster-Krimis hervorkehren. Für die musikalische Leitung hat er den Dresdner Benjamin Rietz engagiert, der den Senftenbergern bereits aus „Ewig jung“, der „Weihnachtsgeschichte“ oder der Reihe „Wunschkonzert“ bekannt ist. Kostüm und Bühnenbildnerin wird Barbara Fumian sein, deren Arbeiten von „Angstmän“ und dem jüngsten Spektakel „Stürme“ in Erinnerung sind.

Die Eigenproduktion der Neuen Bühne wird insgesamt siebenmal im Amphitheater zu sehen sein. Darüber hinaus stehen neben den angekündigten Konzerten von Peter Kraus, Anna Loos, Gitte Haenning, Jan Josef Liefers, Heinz Rudolf Kunze und anderen auch weitere theatralische Angebote für Erwachsene auf dem Programm für den Sommer 2019. So ist vor allem der langjährige Partner der Neuen Bühne für die Sommerspielstätte, das Boulevardtheater Dresden, mit unterschiedlichen Produktionen vertreten. Die neueste ist „Die Legende vom heißen Sommer“ (14. und 15. Juni), die in diesen Tagen Premiere in der sächsischen Landeshauptstadt hat.

Da spazieren im 30. Jahr nach dem Mauerfall die Akteure musikalisch durch die Zeit, in der Chris und Frank ebenso wie Paul und Paula die Gemüter bewegten und die Drachen steigen ließen. „Die Fete endet nie“ (13. Juli) ist ein weiteres Musical. Das setzt die Hits der 80er-Jahre in Szene. Für die Freunde der frivolen Komödien kommt das Boulevardtheater noch einmal mit „Herr Doktor, die Kanüle klemmt“ (23. Juni) und dem inzwischen dritten Nachfolger „Herr Landwirt, Ihre Gurke wächst“. Für den sind gleich die drei Abende vom 8., 9. und 10. Juli reserviert und natürlich sicherheitshalber (und werbewirksam) als P 18 deklariert. Die Dresdner Comödie gibt mit „Spanisch für Anfänger“ (1. September) einen Kurs in Sachen Urlaubsflirt – und wie man den wieder loswird. Außerdem führt sie mit „Oh Alpenglühn!“ (14. Juli) mit Hits von Heino bis Lady Gaga in die dann doch nicht so heile Bergwelt. Gespannt sein dürfen die Amphitheaterbesucher auch auf eine in Sand gemalte Reise „In 80 Minuten um die Welt“ (24. August) mit dem Sandtheater Dresden. Das ist zum ersten Mal zu Gast am See und führt mit aus Sand geformten Silhouetten weltbekannter Sehenswürdigkeiten rund um die Erde.

Darüber hinaus werden Kabarettisten wie die academixer aus Leipzig, die Herkuleskeule aus Dresden oder der Comedian Ingo Appelt auf den Großkoschenern Brettern stehen.