Senftenberg. Im Süden des Landkreises Oberspreewald-Lausitz sind in diesem Jahr wieder 15 Storchenpaare erfolgreich zur Brut geschritten. Das nasskalte Wetter hat jedoch für eine dramatische Sterberate in den Nestern gesorgt. "In drei Horsten gab es schon im Mai Totalverlust infolge der Witterung. Weitere acht Bruten waren Ende Juni ebenfalls mit dem Tod aller Jungstörche betroffen", bestätigt der langjährige Storchenbetreuer für den Raum Senftenberg. "Somit gibt es aktuell nur noch vier in Summe mit sechs Jungstörchen besetzte Horste", sagt Werner Blaschke. Diese befinden sich in Biehlen (1), Jannowitz (2), Kroppen (1) und Lauchhammer-West (2).

Der Weißstorchbetreuer kann sich nicht daran erinnern, das jemals ein derartiges Sterben bei den Adebars grassierte. "Die genaue Anzahl der Verluste ist nicht mehr zu ermitteln, da die Zahl der geschlüpften Jungtiere nicht für alle Horste bekannt war", erläutert er. Durchschnittlich sei jedoch von zwei Jungen pro Nest auszugehen. Daraus schlussfolgert Blaschke: 70 Prozent des Brutbestandes sind verloren.

Auch im Süden des Kreisgebietes seien zweifellos Jungstörche naturgemäß wegen Futtermangels aus dem Nest geworfen worden. "Doch mehr als Zweidrittel der Jungstörche sind Regen und Kälte zum Opfer gefallen", bestätigt Kreis-Sprecherin Sarah Werner. Als zum Tode führende Erkrankungen habe das Landeslabor laut der Naturschutzbehörde Oberspreewald-Lausitz Lungenödeme festgestellt.

Schuld ist die ausgesprochen schlechte Witterung: Mitte Juni war an relativ kalten Tagen außergewöhnlich viel Niederschlag gefallen. Dies hatte dazu geführt, dass die Jungstörche nicht warm genug gehalten werden konnten. Zudem sammelte sich in den gut abgedichteten Horsten auch das Regenwasser. Ungewöhnlich ist jedoch auch für die langjährigen Storchenbetreuer gewesen, dass bei einer großen Anzahl der Bruten und in fast allen Fällen gleich Totalverluste zu verzeichnen waren. "Deshalb hat das Veterinäramt abgestimmt mit der Naturschutzbehörde eine amtliche Untersuchung von toten Jungstörchen beim Landeslabor Berlin-Brandenburg veranlasst", erklärt Kreis-Sprecherin Sarah Werner. Als Todesursache ist eine "witterungsbedingte Schädigung der Jungstörche durch starke Gefiederdurchfeuchtung mit Unterkühlung" diagnostiziert worden. Bakterielle oder virusbedingte Ursachen könnten daher ausgeschlossen werden.

In 15 von 38 Nestern hatte der zweitägige Dauerregen Mitte Juni auch im Norden des Kreisgebietes das Leben aller Jungtiere ausgelöscht. 49 Nestjunge im Alter von vier bis sechs Wochen starben. Insgesamt sind in diesem tragischen Storchenjahr im Raum Calau 64 Junge verendet. Während des Dauerregens der letzten Junidekade hatten die Altstörche die schon groß gewachsenen Jungtiere nicht mehr abdecken können. Beim ex tremen Temperatursturz von mehr als 20 Grad Celsius am Tag auf bis zu sieben in der Nacht starben sie an Unterkühlung.

Zum Thema:
Tote Jungstörche aus dem Nest in der Lübbenauer Bergstraße sind im Landeslabor Berlin-Brandenburg untersucht worden. Die Jungen sind an Lungenödemen verstorben. Diese werden durch Unterkühlung verursacht. Die Todesursache der nicht untersuchten Storchenjungen dürfte identisch sein mit diesem pathologischen Befund, stellt der Calauer Storchenbetreuer Wolfgang Köhler fest.