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Drama um Jagdhund: Flo stirbt an seltener Krankheit

Waidfrau Elke Faber mit ihrem "Eddi vom Hahnholz". Der achtjährige Jagdterrier hatte mit dem virenverseuchten Wildschwein keinen Kontakt.
Waidfrau Elke Faber mit ihrem "Eddi vom Hahnholz". Der achtjährige Jagdterrier hatte mit dem virenverseuchten Wildschwein keinen Kontakt. FOTO: T. Richter/trt1
Kleinkoschen. Große Trauer herrscht bei der Kleinkoschener Jägerin Elke Faber. Ihr Jagdhund "Flo vom Hahnholz" ist an einer tödlichen Krankheit verendet. Jetzt will die Vorsitzende des Jagdverbandes Senftenberg die Bevölkerung aufrütteln, damit ähnliche Tragödien erspart bleiben. Torsten Richter / trt1 trt1

Das Drama hatte während einer winterlichen Treibjagd unweit des Sorgenteiches zwischen Ruhland und Guteborn begonnen. "Flo vom Hahnholz", ein vierjähriger Deutscher Jagdterrier, war voll in seinem Element. Der Hund hatte ein Wildschwein gestellt, das anschließend erlegt wurde. Ein paar Stunden später begann sich "Floh" massiv zu verändern. "Er kratzte sich am Vorderlauf und hechelte extrem", erinnert sich "Frauchen" Elke Faber. Einen Tag später stieg die Körpertemperatur auf 40 Grad an. Normal bei Hunden sind 38 Grad. Zudem zeigte der Jagdterrier eine dauernde Unruhe. "Ich bin gleich nach den ersten Symptomen zum Tierarzt gefahren, wenige Tage später in die Dresdner Tierklinik. Da lag das Fieber bereits bei 42 Grad, 24 Stunden später bei 43 Grad", sagt Faber. Zunächst sei der Verdacht auf eine Vergiftung mit Pflanzenschutzmitteln gefallen. Doch diese Annahme habe sich bald als falsch erwiesen.

Ein Test brachte dann die traurige Gewissheit: Viren der sogenannten Aujeszky-Krankheit hatten den Hund zu Grunde gerichtet. "Flo besaß keine Überlebenschance. Diese Krankheit verläuft bei Hunden ausnahmslos tödlich", berichtet die Jägerin und ist den Tränen nahe.

Infiziert hat sich der Terrier an der krank geschossenen Sau. "Wildschweine übertragen das Virus", weiß Elke Faber. Dabei trat diese Krankheit nach der Jahrtausendwende in Brandenburg kaum mehr auf. In den Jahren von 2000 bis 2008 war das Land praktisch Aujeszky-frei. Jetzt hat es die Lausitz getroffen. Neben dem verendeten "Flo vom Hahnholz" ist auch ein Jagdhund bei Drachhausen nördlich von Cottbus an diesen aggressiven Viren gestorben. Immerhin: Die Krankheit ist nach Angaben von Wissenschaftler für Menschen ungefährlich.

Der Senftenberger Amtstierarzt Jörg Wachtel bestätigt den Fall von Elke Faber. "Ja, die Viren wurden nachgewiesen." Elke Faber habe korrekt gehandelt und die meldepflichtige Krankheit umgehend beim Landkreis angezeigt. Doch praktisch helfen könne die Behörde den Jägern wenig. "Wir wissen, dass es eine Durchseuchung der Schwarzwildbestände von rund 20 Prozent gibt", erklärt Wachtel. Dass heiße aber nicht, dass die Viren in allen Wildschweinen aktiv seien. Ein Bekämpfungsprogramm für Aujeszky existiere ebenso wenig wie ein Impfstoff. Die Behörde sei aufklärend tätig. "Ich rate allen Hundebesitzern an ihre Tiere kein Schweinefleisch zu verfüttern", sagt der Amtstierarzt.

Nach Angaben des Landesjagdverbandes Brandenburg (LJVB) ist keine Häufung der Aujeszky-Krankheitsfälle bekannt. Geschäftsführer Georg Baumann sagt, dass derartige Verlustmeldungen von Jagdhunden lediglich zehn Prozent ausmachen. Dieser Anteil sei bereits seit Jahren konstant. Zur Aujesky-Krankheit solle es demnächst ein Gespräch zwischen dem LJVB und dem Landestierarzt Dr. Klaus Reimer geben.

Ein kleiner Trost bleibt indes für Elke Faber: Ihr zweiter Jagdterrier, Eddi vom Hahnholz, der ebenfalls während der Jagd am Sorgenteich dabei war, ist unverletzt geblieben. Nach Angaben von Jörg Wachtel ist die Ansteckungsgefahr von Hund zu Hund indes sehr niedrig. Dies sei nur möglich, wenn ein Tier das andere beiße. "Ein Fell- oder Hautkontakt reicht für die Übertragung nicht aus", so Jörg Wachtel.

Zum Thema:
Die Aujeszky-Krankheit, auch als Aujeszkysche Krankheit und Pseudowut bezeichnet, hat ihren ungewöhnlichen Namen vom ungarischen Tierarzt Aladár Aujeszky (1869-1933). Er beschrieb im Jahr 1902 die Viruserkrankung. Aujeszky tritt in erster Linie bei Schweinen auf. Durch Fleischverzehr können die Viren an weitere Säuger wie Hunde, Füchse und Wölfe übertragen werden. trt1