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| 15:30 Uhr

Großräschen
Himmelsstürmer erobern Großräschen

Töpfermeisterin Birgit Werner unterstützt Josi Mattuschka und ihre Mutter Ailin Mattuschka beim Töpfern der kleinen Minidrachen, die später als Räucherdrachen echten Qualm aus den Nüstern lassen.
Töpfermeisterin Birgit Werner unterstützt Josi Mattuschka und ihre Mutter Ailin Mattuschka beim Töpfern der kleinen Minidrachen, die später als Räucherdrachen echten Qualm aus den Nüstern lassen. FOTO: Peter Aswendt
Großräschen. Zwei Tage herrscht Volksfeststimmung an B 96. Drachenfans aus Berlin, Brandenburg und Sachsen ziehen an der Schnur. Von Peter Aswendt

Herbstzeit ist in Großräschen traditionell Drachenfestzeit. Zum 22. Mal stürmten am vergangenen Wochenende  die bunten Luftgeister den Himmel der Seestadt Großräschen. Für zünftige Volksfeststimmung sorgten die ansässigen Firmen des Gewerbegebiets an der B 96 mit Leckereien und anderen Angeboten für große und kleine Drachenflieger.

Egal, aus welcher Richtung man das Großräschener Teilstück der B 96 am vergangenen Wochenende befuhr, drei große unbekannte Flugobjekte fielen einem sofort ins Auge. Es waren zwar himmlische Fantasiewesen, aber es handelte sich um kunstvolles Irdisches, das extra zum 22. Großräschener Drachenfest als weithin sichtbares Signal am Himmel schwebte.

„Guck mal, das ist ein Rochen“, ruft der kleine Lukas (5) seiner Mutter zu. Und der kleine Drachenflieger hatte recht. Das Drachenteam „Aufwind extreme“ und das Kite Team 4Line aus Berlin hatten ihre Fabelwesen, einen Rochen und zwei überdimensionale Fische mit nach Großräschen gebracht. Dazu gab es noch mehrmals am Tag eine Vorführung mit den Vier-Seil-Lenkdrachen. Neben der Moderation, die der Drachenprofi Robert Kirsch aus Berlin fachmännisch absolvierte, gaben die 4Liner noch ein wenig Starthilfe bei den Drachenanfängern bei den ersten Startversuchen. „Es wird immer viel gerannt und unruhig an der Leine gezogen“, lacht Martina Mayr vom Kite Team 4Line. „Dabei muss man die Bewegungen des Drachens nur beobachten, und wenn er nickt, dann kurz an der Leine ziehen“, stellt sie klar. So einfach scheint es jedoch nicht zu sein, denn auf der Drachenwiese waren dann doch einige verzweifelte Startversuche, gerade auch von den Vätern, zu sehen.

Die herbstliche Volksfeststimmung locke auch viele Besucher von außerhalb. Die weiteste Anreise hatte wohl der eingangs schon erwähnte Lukas, der mit seiner Mutter Manuela aus Zwickau kam. „Der Papa ist in Cottbus, Fußball schauen, da haben wir die Zeit genutzt und lassen eben Drachen steigen“, lacht die Mutter. Antje Gienapp und Janine Schöttle aus Cottbus sind mit ihren Kindern Tom (4) und Lilly (5) beim Drachenfest: „Drachensteigen lassen macht uns Spaß, wir haben es in der Zeitung gelesen und sind spontan hierhergefahren“, erzählen sie. Der Drachen vom sechsjährigen Philipp Wiegand aus Senftenberg hat sogar einen Namen: „Theo heißt er“, sagt der kleine Drachenflieger stolz. Mit seinen Eltern ist er schon das vierte Mal in Großräschen dabei. Für Daniela Trott und ihren Sohn Jayden (4) ist es eine Premiere: „Wir wohnen erst seit sechs Wochen in Großrä schen und sind total begeistert, dass es so etwas gibt“, freut sich die Neubürgerin. Heiko und Anja Hanisch aus Sedlitz haben gemeinsam mit Tochter Angelina (10) handwerkliches Können bewiesen: „Wir haben den Drachen hier beim Fest gebaut, aber eigentlich waren es nur meine beiden Frauen“, gesteht lächelnd der Vater.

Eigens für Drachenneueinsteiger gab es die Drachenwerkstatt auf dem Gelände. Unter der fachmännischen Aufsicht von Mitgliedern des Vereins Schlupfwinkel und Schülern der Friedrich-Hoffmann-Oberschule wurden kleine und große Drachen gebaut. Johannes Kuhnke (15) betreute einen Stand, an dem Trapezdrachen das Licht der Welt erblickten: „Ich denke, es werden so um die 80 Drachen, die ich heute so mitbauen werde“, ist sich der Schüler der 9. Klasse sicher.

Eine Drachenwerkstatt der ganz anderen Art gab es vor und im Opel Autohaus Hannuschka zu erleben. Töpfermeisterin Birgit Werner aus Kolkwitz gab Anleitungen zum Selbsttöpfern von kleinen Räucherdrachen aus Ton.  Josi Mattuschka (7) nutzte gemeinsam mit ihrer Mutter Ailin die Gelegenheit: „Wir bekommen unsere Minidrachen in drei Wochen gebrannt und glasiert zurück, darauf freuen wir uns schon“, sagen beide und lachen.

Neben vielen Mitmachaktionen waren das begehbare Luftbild des Lausitzer Seenlandes, das die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) im Autohaus Rauhut zeigte, sowie ein Riesenpuzzle der Stadt Großrä­schen gut besucht.

Der Großrä­schener Fanfarenzug und viele leckere Schlemmerangebote und nicht zu vergessen, das herrliche Herbstwetter ließen das 22. Großräschener Drachenfest wieder zu einem Höhenflug werden.

Anja und Heiko Hanisch aus Sedlitz gehen gemeinsam mit ihrer Tochter Angelina auf die Drachenwiese, um den eben in der Drachenwerkstatt gebauten Drachen steigen zu lassen.
Anja und Heiko Hanisch aus Sedlitz gehen gemeinsam mit ihrer Tochter Angelina auf die Drachenwiese, um den eben in der Drachenwerkstatt gebauten Drachen steigen zu lassen. FOTO: Peter Aswendt