ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:49 Uhr

Dornröschen-Dorf am Grubenrand

Das Wahrzeichen von Woschkow: Der Glockenturm mit der gleichnamigen Gaststätte.
Das Wahrzeichen von Woschkow: Der Glockenturm mit der gleichnamigen Gaststätte. FOTO: T. Richter/trt1
Woschkow. Zu den abgelegenen Dörfern im OSL-Kreis gehört zweifelsohne Woschkow. Nicht wenige Einheimische wissen gar nicht, wo sie diesen Ort einordnen sollen. Dabei bildet die Siedlung eine versteckte Idylle, die noch wachgeküsst werden muss. Eben ein Dornröschen-Dorf. Torsten Richter

Autofahrer können normalerweise am Ortseingang von Woschkow aus Richtung der Chaussee Großräschen - Altdöbern fast schon das Ortsausgangsschild nach Leeskow sehen. Dazwischen präsentieren sich ein paar Häuser und der markante riesige hölzerne Stuhl. Der bildet das Wahrzeichen des dortigen Sägewerkes. Mancher mag bei diesem Ortsanblick denken: Ist doch nichts Besonderes! Und braust wieder davon.

Doch wer Woschkow wirklich kennenlernen will, sollte ein wenig Zeit und Muße mitbringen. Und vor allem direkt in den Ort hineinfahren. Denn in der scharfen Kurve zweigt die Straße ab, die ein paar Meter weiter in einen der kleinsten Kreisverkehre der Niederlausitz führt. Rechter Hand geht es anschließend direkt ins Woschkower Zentrum hinein. Zunächst erscheint auf der linken Seite der gepflegte Dorfteich. Wer Glück hat, erblickt dann und wann ein paar schnatternde Enten.

Vorbei an schmucken Vierseithöfen wird bald der Anger erreicht, der die grüne Mitte des heute knapp 120 Einwohner zählenden Dorfes bildet. Man liegt nicht falsch, würde man diesen Flecken als grüne Oase von Woschkow bezeichnen. Denn der alte Baumbestand verleiht ihm ein ganz besonderes Flair.

Am östlichen Ende des Angers befinden sich die wohl wichtigsten Institutionen des Ortes. Nämlich die Gaststätte "Zum Glockenturm", die durchaus Ähnlichkeiten mit einer Kirche hat. Gleich daneben präsentieren sich das Kriegerdenkmal sowie die Dienststelle der Revierförsterei Großräschen. Und immer wieder schmucke, gepflegte Grundstücke. Es scheint sich gut zu leben in Woschkow.

Das war längst nicht immer so. Denn bis in die jüngste Vergangenheit mussten die Einwohner vor der Zukunft zittern. Die Chronik berichtet, dass vor genau 25 Jahren bereits die Räumung des oberen Dorfes vollzogen wurde. Der nahe Tagebau Greifenhain rückte unerbittlich näher. Woschkow schien dem Untergang geweiht.

Doch nur Monate später änderte die politische Wende in der DDR alles. Heute gibt es weder diesen Staat mehr, noch den Tagebau Greifenhain. Denn dieser wurde, obwohl längst nicht ausgekohlt, im Jahr 1993 geschlossen. Heute befindet sich an dieser Stelle der Altdöberner See in Flutung. Zu Beginn des nächsten Jahrzehnts wird dieser Prozess voraussichtlich abgeschlossen sein. Schon jetzt ist es von Woschkow nur ein Katzensprung bis zum Südufer. Über die Niederlausitzer Bergbautour und den Fürst-Pückler-Radweg, die beide durch den Ort führen, ist der See schnell erreicht.

Der Name "Woschkow" ist sorbischen/wendischen Ursprungs. Er leitet sich laut der "Heimatkunde des Kreises Calau für Volksschulen" vom Beginn des 20. Jahrhunderts vom Begriff "Wosch", einer Stätte oder dem Besitztum eines Mannes namens Wosch ab. Eine andere Variante übersetzt den Namen als "kleine Laus", womit ein insektenreicher Ort gemeint sein könnte. Die sorbische Bezeichnung wird zwar etwas anders geschrieben, aber genauso wie die deutsche ausgesprochen. Laut dem Nestor der Niederlausitzer Landesgeschichte, Dr. Rudolf Lehmann, besaßen im Jahr 1850 noch 87 Prozent der 167 Einwohner sorbische/wendische Sprachkenntnisse. Keine zwei Jahrzehnte später war es nur noch ein gutes Fünftel.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf im Jahr 1406. Sechs Jahre später kam die Ansiedlung zum Pfarrlehn Senftenberg und war dem dortigen Pfarrer lehn- und zinspflichtig. Die einstige Windmühle tauchte erstmals im Jahr 1818 aus dem Dunkel der Geschichte auf. Allerdings wird das Bauwerk vor 150 Jahren letztmalig erwähnt. 1911 entstand die Schule, 1969 ein Mehrzweckgebäude. Und seit Ende 1998 ist Woschkow Teil der Stadt Großräschen. Damit handelt es sich neben Barzig und Wormlage um einen der drei Orte, die vom Altkreis Calau in die Iba-Stadt Großräschen (Altkreis Senftenberg) eingemeindet wurden.