Die Tage des leer stehenden Lindenauer Schlosses scheinen gezählt. Das historische Ensemble soll eine neue Nutzung erfahren. Welche genau, könnte im Rahmen eines Ideenwettbewerbs unter den Einheimischen ermittelt werden. Das schlägt zumindest Bürgermeister Jürgen Bruntsch (parteilos) vor. Ein erneuter Verkauf sei in diesem Zuge nicht ausgeschlossen. Ein entsprechendes Exposé könnte erstellt werden. „Wir hoffen dabei auf mehrere Investoren. Diese sollen mit ihren Projekten genau geprüft werden“, ergänzt Gemeindevertreter Uwe Weigelt. Um das Schloss müsse sich die neue Gemeindevertretung kümmern, die Ende Mai gewählt wird. In Lindenau buhlen 23 Kandidaten um zehn Plätze.

Nach Angaben von Uwe Weigelt müssten mehrere Millionen Euro in den Bau investiert werden. Unter dem jahrzehntelangen Leerstand habe das Schloss aber nur wenig gelitten. „Eine Bruchbude wird nicht angeboten“, stellt der Lindenauer klar.

Im angrenzenden Park haben bereits im vergangenen Winter die ersten Arbeiten begonnen. Laut Jürgen Bruntsch wurde ausgeholzt und damit die Verkehrssicherheit wieder hergestellt. „Wir hatten schnell reagiert und bekamen aus der Bevölkerung viel Zuspruch“, erinnert er sich. Das rund 18 Hektar große Ensemble liege den Lindenauern sehr am Herzen.

Zu 100 Prozent ist die Gemeinde Lindenau allerdings noch nicht neue Schlosseigentümerin. Zwar hatte das Oberlandesgericht bereits im Spätherbst 2018 die Immobilie der Gemeinde zugesprochen. Zudem ist bei dieser Entscheidung keine Revision beim Bundesgerichtshof zugelassen. „Aber der Alteigentümer hat dagegen eine Nichtzulassungsbeschwerde eingereicht“, gibt Jürgen Bruntsch den aktuellen Stand wieder. Wann diesbezüglich eine Entscheidung kommt, sei offen. „Unsere Chancen, wieder Schlosseigentümer zu werden, liegen aber bei über 90 Prozent“, sagt Uwe Weigelt. Daher wolle man bereits jetzt die künftige Nutzung fokussieren.

Wesentlich weiter sind die Lindenauer bereits mit ihrem neuen Wohngebiet. Auf dem ehemaligen Schulsportplatz sollen perspektivisch 16 Eigenheime entstehen. Die Erschließung beginne in diesem Jahr, ab 2020 könne gebaut werden. „Es gibt schon Vorinteressenten“, weiß Bürgermeister Bruntsch. Hauptziel sei es, jungen Familien Bauland zur Verfügung zu stellen. Denn die Gemeinde verfüge ansonsten über keine weiteren Bauflächen mehr. Mehr noch: Im ganzen Ort gebe es derzeit kein einziges leer stehendes Wohnhaus. Neben der ruhigen und idyllischen Lage bildet der nur wenige Kilometer südlich befindliche Autobahnanschluss einen enormen Standortsvorteil. „Bis in die Dresdner Innenstadt fahren wir rund 35 Minuten. Bis zum Flughafen nur 20 Minuten“, weiß Jürgen Bruntsch aus Erfahrung.

Dass über kurz oder lang auch der alte Sportplatz komplett bebaut sein wird, daran zweifelt das Gemeindeoberhaupt überhaupt nicht. „Mit unseren beiden Kita-Anbauten halten wir bereits Plätze für weitere Kinder vor. Die „Krümelkiste“ biete Platz für 75 Kinder im Vorschulalter sowie im Hortbereich, 60 seien es aktuell. Erst im März wurde innerhalb von zehn Jahren der zweite Anbau eingeweiht.

Eine Schule wird es in Lindenau allerdings nicht mehr geben. Noch heute schmerzt viele die Auflösung des Schulkomplexes vor 22 Jahren, sagt Jürgen Bruntsch. Die beiden Hautgebäude sind inzwischen saniert. Sie beheimaten, jetzt komplett in privater Hand, unter anderem eine Tagespflege, altersgerechte Wohnungen sowie mehrere Firmensitze mit insgesamt rund 40 Arbeitsplätzen.

Die Sanierung der angrenzenden gemeindeeigenen Turnhalle hatte bereits 2018 begonnen. Für den zweiten Abschnitt werde auf das Jahr 2020 gehofft. Dann gehe es in erster Linie um die energetische Hülle des Gebäudes. Die entsprechenden Fördermittel seien bereits beantragt worden. Im ersten Bauabschnitt erfuhren der Sozialtrakt sowie das Parkett eine komplette Sanierung.