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Dorfgeschichte(n) Die roten Teufel aus Kleinkmehlen greifen an

Kleinkmehlen und die Feuerwehr – das ist eine Geschichte für sich. Sie könnte mühelos ganze Bände füllen. Wer also in Kleinkmehlen nach einer echten Dorfgeschichte sucht, wird bei der Feuerwehr garantiert fündig. Seit 120 Jahren läuft ohne die Floriansjünger nichts mehr. Von Andrea Budich

Feuerwehr ist im Dorf Familiensache. Wie bei den Pallmanns. Albert kam als 17-jähriger Stift zur Wehr. „Da kam man in Kleinkmehlen einfach nicht drum herum. Vater hat uns Burschen mitgenommen.“ Der 69-Jährige ist in der Veteranen-Abteilung noch heute als stellvertretender Gerätewart aktiv. Bruder Edwin, er feiert am 5. August seinen 80., gehört trotz seines hohen Alters zu den guten Geistern der Kleinkmehlener Wehr. Jahrzehntelang kutschierte er mit dem Lkw S 4000 seines Vaters und später mit dem Traktor Famulus die Feuerwehrspritze und den Schlauchwagen zu den Einsatzorten. Edwin Pallmanns Herz hängt an der Wehr, an den Höhen und Tiefen in der 120-jährigen Geschichte. Etwas wehmütig streicht er mit einem Putztuch über die alte Motorspritze, die bei der Kleinkmehlener Wehr bis in die 60er-Jahre hinein ihren Dienst tat. Dorfbewohner hatten das gute Stück während des Krieges versteckt. Als Edwin Pallmann sie 1946 fand, war ihr Tank randvoll mit Asche gefüllt - wohl um sie für die Russen auf den ersten Blick unbrauchbar erscheinen zu lassen. In der Schmiede Ortrand ließ er den Tank aufschweißen. Seitdem ist die „alte Dame“ sein heimlicher Favorit.
Ihren Spitznamen bei der Konkurrenz haben die Kleinkmehlener auch schon verpasst bekommen. Von den „roten Teufeln aus Brandenburg“ ist die Rede, wenn sie in ihren knallroten T-Shirts bei historischen Handdruckspritzentreffen im Sachsenland antreten. Dass die Kleinkmehlener Wehr wirklich nichts anbrennen lässt, ist bekannt. Als die Feldscheune der Agrargenossenschaft Frauendorf lichterloh in Flammen stand, waren die Kleinkmehlener als erste Wehr am Einsatzort. Beim Brand im ehemaligen Sägewerk mussten sie sich von der Ortrander Wehr geschlagen geben. „Aber nur, weil unser Blaulicht ausgefallen war,“ erinnert sich Wehrleiter Horst Müller mit einem Schmunzeln im Gesicht.
Wenn im Dorf etwas los ist, dann hat die Feuerwehr garantiert ihre Finger mit im Spiel. Beim Herbstfest ist das so und beim Osterfeuer auch. Wenn zum Feuerwehrball eingeladen wird, dann brennt im Dorf die Luft. In dieser Nacht macht Wehrleiter Müller mit seinen Kameraden die einzige Ausnahme im Jahr: die Einsatzbereitschaft wird abgemeldet. „Damit wir mal zusammen richtig einen drauf machen können!“
Und die Frauen aus Kleinkmehlen„ Haben die in all den Jahrzehnten nicht die Nase gestrichen voll von der Sirene, den Schläuchen, Helmen und der Abwesenheit ihrer Männer“ Sie haben sich in ihr Schicksal gefügt und sind um des lieben Friedens Willens selbst in die Wehr eingetreten. Zehn Feuerwehrdamen stehen ihren Mann. Worüber der Begründer der Kleinkmehlener Wehr, August Tenner, sicher hoch erfreut wäre. Sein Urenkel Horst Tenner ist heute aktiver Feuerwehrmann. Und die Ururenkel stehen schon in seinen Fußstapfen . . .

Zum Thema Feuerwehr-Jubiläum wird im September gefeiert
  Das Jubiläumsfest steigt vom 5. bis 7. September.
Ein Höhepunkt ist der Umzug mit 20 historischen Handdruckspritzen.
Die Kleinkmehlener Wehr ist die zweitälteste im Amt Ortrand.