ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:02 Uhr

Doppeltes Netz für Jugendsozialarbeit

Senftenberg. Die Leistungsträger der Kinder- und Jugendsozialarbeit im Landkreis Oberspreewald-Lausitz erhalten Sicherheit für die Personalstellen. Kathleen Weser

Der Kreistag hat während seiner jüngsten Sitzung beschlossen, die im Juni auslaufenden Leistungsvereinbarungen bis zum Ende des Jahres zu verlängern - und den neuen Teilfachplan als Basis für die Arbeit jetzt weiter flott voranzutreiben. Der Entwurf liegt vor und hat bereits harsche Kritik herausgefordert. Denn das Fachamt der Kreisverwaltung hat auch vorgeschlagen, beim Personal zu kürzen. Dem hat der Kreistag vorsorglich einen Riegel vorgeschoben: Der bestehende Stellen-Rahmen ist als weiter gesetzt festgeschrieben worden. Zudem haben die Abgeordneten ein Sicherheitsnetz gespannt, das die Trägervereine schadlos über die möglicherweise turbulente Phase der Kommunalwahl bringen soll. Denn sollte der bestehende Jugendhilfeausschuss die Fachplanung in der laufenden Wahlperiode nicht mehr zum Abschluss bringen können, muss der Landkreis die bestehenden Leistungsverträge für die Sozialarbeiter automatisch bis zur Mitte des nächsten Jahres verlängern. Damit ist das Personal, das insgesamt gute Arbeit leistet - wie betont wird, auf der sicheren Seite. Harte inhaltliche Diskussionen zum Teilfachplan der Jugendsozialarbeit kündigen sich aber an. Schon am nächsten Dienstag geht's im Unterausschuss ans Eingemachte. Die Aufregung von Trägern und kreisangehörigen Kommunen zu den veränderten Prioritäten (siehe Hintergrund) der Verwaltung nimmt Landrat Siegurd Heinze (parteilos) "erstaunt" zur Kenntnis. "Das ist ein ganz normaler Vorgang", sagt er - auch mit Blick auf die gekürzten und anders gewichteten Stellen. Den kritischen Auftritt der Kommunen wertet Siegurd Heinze aber als verständlich: Die Städte und Gemeinden könnten viel fordern, denn sie müssten dafür ja nicht selbst zahlen. Die Personalstellen vor den inhaltlichen Schwerpunkten und damit exakten Bedarfen festzulegen, vergleicht der Landrat mit einem von hinten aufgezäumtem Pferd.

Zum Thema:
Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz wird die Kinder- und Jugendsozialarbeit auf der Basis eines Teilfachplanes aus dem Jahr 2006 bestritten. 2010 hatte der Kreistag die Verwaltung aufgefordert, diesen fortzuschreiben. Die Analyse nach Sozialräumen und der Entwurf liegen vor. Die Bedarfe, so schätzt das Fachdezernat ein, haben sich verändert: Kinder und Heranwachsende verbringen inzwischen deutlich mehr Zeit an den Schulen. Konsequenz: Die Schulsozialarbeit sei zu verstärken. Offene Treffpunkte, also Jugendklubs, werden in Summe weniger nachgefragt. Folge: Die mobile Jugendarbeit sei wichtiger. Internet und soziale Netzwerke werden stark genutzt und bergen auch Gefahren. Erfordernis: Hier muss die Sozialarbeit fachlich und inhaltlich neu ansetzen. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen nimmt dem demografischen Wandel im Kreisgebiet entsprechend ab. Der Landkreis ist auch vor dem Hintergrund seines Schuldenberges von der Kommunalaufsicht des Landes Brandenburg aufgefordert, bei den Leistungen des Jugendamtes "auf den Mindeststandard abzustellen". Das erklärt Sozialdezernent Alexander Erbert (CDU).