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| 11:30 Uhr

Niederlausitzer Fußballwelt hat am Samstag gleich doppelt Grund zum Anstoßen
Doppelter Geburtstag in Fußball-Brieske

 Das Leben von Herbert Tänzer war von Kindheit an eng mit dem Fußball verbunden.  Das sieht man auch heute noch in seinem Büro mit einem Blick auf die Fanartikel. Dass er an dem Tag, an dem sein Verein gegründet wurde, seinen 65. Geburtstag feiert,  ist für ihn ein ganz besonderes Geschenk, das mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen ist.
Das Leben von Herbert Tänzer war von Kindheit an eng mit dem Fußball verbunden. Das sieht man auch heute noch in seinem Büro mit einem Blick auf die Fanartikel. Dass er an dem Tag, an dem sein Verein gegründet wurde, seinen 65. Geburtstag feiert, ist für ihn ein ganz besonderes Geschenk, das mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen ist. FOTO: Peter Aswendt
Brieske. Der FSV Glückauf besteht seit 100 Jahren. Vereins-Präsident Herbert Tänzer feiert seinen 65. am Gründungstag. Von Peter Aswendt

Das Datum 19.1. hat eine ganz besondere Bedeutung in der Niederlausitzer Fußballwelt. Am 19. Januar 1919 wurde der Grundstein für den erfolgreichen Fußball in Brieske mit dem Verein Grube Marga gelegt. Dass der Präsident der heutigen Fußball-Erben, der FSV Glückauf Brieske Senftenberg, ebenfalls am 19. Januar seinen 65. Geburtstag feiert, ist etwas Besonderes in der Fußballwelt.

Als der frischgebackene Fußballverein Marga sein erstes Spiel gegen Laubusch bestritt und die kickenden Bergleute im Finale gegen Stettin den Titel des Ostdeutschen Meisters errangen, war an einen fußballverrückten Erdenbürger mit Namen Herbert Tänzer überhaupt noch nicht zu denken. Fußballhelden wie Alfred Wagner, Erich Lehmann oder Adi Kiebel bestimmten die Zeit Anfang der 1933er-Jahre. Nach den Kriegswirren schrieb der Fußball in Brieske durch den staatlich verordneten Sport und der neu gegründeten DDR-Oberliga seine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Die im Jahr 1950 neu formierte Betriebssportgemeinschaft (BSG) Aktivist Brieske-Ost sicherte sich sogar 1956 den DDR-Vizemeister. In dieser Zeit erblickte auch der kleine Herbert am 19. Januar 1954 in Ortrand das Licht der Welt.

Die Familie Tänzer lebte zur damaligen Zeit in Kleinkmehlen. Als jüngster Sohn des damaligen Bürgermeisters war Herbert das Nesthäkchen: „Ich habe zwei Brüder und eine Schwester, die das gar nicht gut fanden, dass ich einen Nachzüglerbonus bei meinen Eltern hatte“, erinnert er sich. Denn schon damals trieb er sich lieber auf dem örtlichen Sportplatz rum, als Zuhause seinen Pflichten nachzukommen. Als es 1960 in die Schule nach Groß­kmehlen ging, begann Herbert Tänzer in der jüngsten Altersklasse mit dem aktiven Fußballspielen.

„Damals mussten wir ab der siebten Klasse in die Schule nach Ortrand wechseln“, erzählt er weiter. „Ich bin dann auch in die Jugendmannschaft nach Ortrand gewechselt“, fügt Tänzer hinzu. Er galt als technisch versierter Kicker, aber frönte doch zu oft dem Standfußball: „Mein damaliger Trainer Wolfgang Bock hat mir sozusagen das Rennen gelernt“, schmunzelt er. Soll heißen: Wenn es Laufübungen gab, wurde Herbert Tänzer immer an die Spitze des Feldes zitiert und musste das Tempo vorgeben. Als begnadeter Mittelfeldakteur, heute würde man „Sechser“ sagen, spielte Herbert Tänzer schon im Juniorenalter in der ersten Männermannschaft von Ortrand, die sich zu dieser Zeit in der Bezirksklasse tummelten. Leider brachte eine Knöchelverletzung die steile Fußballkarriere von Herbert Tänzer zum Stillstand. Die Leidenschaft zum runden Leder aber blieb.

Abstiege, Zusammenschlüsse und Neubeginn kennzeichneten die 1960er-Jahre im Briesker-Fußball. Im Staatssport wurde oft delegiert und neu angeordnet. Mit dem Oberligaabstieg ging es für die fast komplette erste Mannschaft der Briesker Knappen nach Cottbus. Aber der damalige Aktivist Brieske/Senftenberg gab nicht auf und man kämpfte sich wieder bis in die DDR-Liga, dem zweiten Oberhaus der damaligen Zeit, hoch.

Von den legendären Derbys mit Schwarze Pumpe schwärmen noch heute alte Fußballenthusiasten. Für Herbert Tänzer war in der Zwischenzeit die berufliche Ausrichtung klar. Anfang der 1970er-Jahre machte er die Ausbildung zum Elektromonteur mit Abitur: „Meine Eltern meinten, ich kann mit meinen Händen nicht viel erreichen, deshalb sollte ich studieren gehen“, scherzt er. Dass ihm das Organisieren und Bewegen von so manchen Aktivitäten leicht von der Hand ging, rechnet er den Genen zu, die er von seinem Vater geerbt hat. „Ich war bei uns im Ort schon Jugendklubleiter“, beschreibt er eine seiner Aktivitäten.

Beruflich ging es für Herbert Tänzer dann in Richtung Kreisverwaltung nach Senftenberg. Als Kreis­energiebeauftragter war er auch an vorderster Front beim Jahrhundertwinter 1978/79. Den Kontakt zum Sport hatte er aber nie verloren: „Wir haben uns ständig Spiele in der Elsterkampfbahn angesehen, dass waren immer Höhepunkte“, schwärmt er. Franz Vogel oder Harry Ratsch waren Namen, die ihn begleiteten. Den Kontakt zum Sport riss aber nie richtig ab. Über den damaligen Sportbund DTSB und durch seine Tätigkeit als Reiseleiter bei Jugendtourist war das sportliche Netzwerk gut ausgebaut.

Im Jahr 1984 ging für Herbert Tänzer ein Traum in Erfüllung. Ihm wurde die Tätigkeit im Briesker Fußball angeboten. Als Leiter des Nachwuchstrainingszentrums des Aktivist Brieske/Senftenberg war er fortan für die Jugend verantwortlich. „Wir hatten Trainingslager in der damaligen Tschechoslowakei und fuhren mit der Jugend- und Juniorenliga durch das ganze Land“, schwelgt er in Erinnerungen.

 Noch bis heute schlägt sein Herz für den Nachwuchs, was sich auch in 250 Mitgliedern im Kinder- und Jugendalter und daraus resultierenden 14 Mannschaften zeigt. Neben dem sportlichen Traumberuf absolvierte Herbert Tänzer noch ein Fernstudium an der Humboldt-Universität zum Diplom-Juristen. In der Zwischenzeit heiratete Herbert Tänzer seine Frau Roswita und familiär komplettierten das Glück seine drei Kinder Ronny, Katja und Claudia.

Mit der Wende und dem Zusammenbruch der Kohlekombinats­struktur fiel auch die Förderung des Briesker Fußballs weg. Dazu kam der Abstieg aus der DDR-Liga im Jahr 1998. Achim Krol, der Herbert Tänzer in den Verein holte, trat zurück. Im Sommer 1990 wurde der Namen des Vereins FSV Glückauf Brieske/Senftenberg bestätigt. Sportlich fand sich der Verein in der Amateuroberliga wieder. Herbert Tänzer orientierte sich beruflich neu. Dabei half ihm auch wieder der Fußball - diesmal aber als Volkssport.

Durch eine Partnermannschaft der Freizeitkicker aus Brieske, dem baden-württembergischen Hohenhaslach, bekam er vom dortigen Präsidenten des Sportklubs die Empfehlung, mal bei der Nordsternversicherung nachzufragen. Heraus kam die erste selbstständige Versicherungsvertretung von Nordstern in Ostdeutschland.

Dass in der Zeit nach der politischen Wende Fußball und Betriebswirtschaft Seite an Seite gehen müssen, um erfolgreich zu sein, bekam auch der FSV Glückauf zu spüren. Um eine drohende Insolvenz abzuwenden, reagierte das Präsidium und ergriff auch personelle Maßnahmen. So kam es, dass 1994 Herbert Tänzer auf Wirken des damaligen Präsidenten Klaus-Peter Förster als Vizepräsident aktiv in den Verein zurückkehrte. „Ich habe sofort mein Netzwerk genutzt, um dem Verein einen wirtschaftlichen Rückhalt zu geben“, beschreibt er seine ersten Maßnahmen. Sechs Jahre später, im Jahr 2000, übernahm Herbert Tänzer dann die Spitze des Vereins als Präsident.

Heute ist der FSV Glückauf ein Sprungbrett für die Kinder und Jugendlichen in die Fußballschulen nach Cottbus, Frankfurt oder Dresden. „Wir sind ein Leistungszentrum für den Nachwuchs, denn viele Vereine schicken ihre Besten zu uns, weil sie wissen, dass bei uns die Tür zur Sportschule aufgeht“, ist der Präsident stolz.

Eigentlich wollte Herbert Tänzer mit 65 Jahren die Fußballschuhe an den Nagel hängen. „Ich habe noch einen Traum, dass wir unser Angebot an Plätzen vergrößern und hoffe, dass ein Haus der Vereine, also ein Vereinsheim mit Nachhaltigkeit in meiner Amtszeit noch Wirklichkeit wird“, zeigt er seine Visionen auf. „Wir holen die Kinder von der Straße und übernehmen auch Erziehungsarbeit. Da kann es nicht sein, dass manchmal fünf Mannschaften auf einem Platz gleichzeitig trainieren“, gibt er zu bedenken.

Aber erst mal wird heute zum Traditionsturnier in der Senftenberger Niederlausitzhalle 165 Jahre Fußball gefeiert. Zu den Gratulanten gehören neben dem Ministerpräsidenten Manfred Woidke, zehn Traditionsmannschaften darunter Borussia Dortmund und auch Schalke 04. „Familiär feiern wir dann am 20. Januar“, verrät Herbert Tänzer. Übrigens ist für den passionierten Bayern-Fan eines der schönsten Geschenke, dass seine Mitglieder zum Verein stehen und auch das Jubiläumsturnier mit ihrem Engagement zum Erfolg gemacht haben.