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| 14:38 Uhr

Doppel-Transplantation
Zwei neue Nieren für Söhnke aus Lauchhammer

Familie Beyer hat die schlimmsten Strapazen überstanden, wenngleich die Angst ein ständiger Begleiter in ihrem Familienalltag ist. Dass sich ihr Jüngster jetzt so gut entwickelt, ist die größte Freude für Sandra und Kai-Uwe Beyer.
Familie Beyer hat die schlimmsten Strapazen überstanden, wenngleich die Angst ein ständiger Begleiter in ihrem Familienalltag ist. Dass sich ihr Jüngster jetzt so gut entwickelt, ist die größte Freude für Sandra und Kai-Uwe Beyer. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Lauchhammer. Es grenzt an ein Wunder, dass Söhnke aus Lauchhammer so unbeschwert im Garten herumtoben kann. Der Dreijährige lebt mit zwei Spendernieren. Er kommt bald in die Kita und hat jede Menge Dummheiten im Kopf. Von Andrea Budich

Diese Geschichte berührt die Herzen. Unglaublich daran ist, dass Söhnke alles so gut überstanden hat. Die siebenmonatige Dialyse als Kleinkind und die neunstündige Operation in Hannover, die dem damals Anderthalbjährigen das Leben gerettet hat - mit einer Doppel-Transplantation.

Der dreijährige Söhnke aus Lauchhammer leidet an einer angeborenen Krankheit namens Denys-Drash-Syndrom. „Das ist eine seltene Erkrankung der Nieren und des äußeren Genitales, bei der innerhalb der ersten vier Lebensjahre ein Nierenversagen eintritt“, erklärt Mutter Sandra Beyer (39). Söhnkes Schicksal hat aus der Dreifach-Mama, die auf der Post arbeitet, eine versierte Krankenschwester gemacht. Denn Söhnkes Erkrankung ist äußerst selten. Weltweit wird in der Literatur nur von etwa 150 betroffenen Menschen berichtet. Söhnke ist einer davon.

Der Leidensweg des kleinen Blondschopfes beginnt unmittelbar nach der Geburt im Krankenhaus Lauchhammer. Die Worte „Irgendwas stimmt hier nicht“, haben sich bei Sandra Beyer eingebrannt. Der Hebamme fällt auf, dass bei ihrem Baby das äußere Geschlecht nicht eindeutig männlich oder weiblich aussieht. Zur Uniklinik Dresden überwiesen, mehren sich dort wenige Tage nach der Geburt die typischen Anzeichen für ein anbahnendes Nierenversagen. Söhnke wird nach Leipzig verlegt. Dort äußern die Spezialisten vom Universitätsklinikum erstmals den Verdacht, dass er an dem seltenen Gendefekt leiden könnte.

Kai-Uwe Beyer hat in diesem Sommer bei der Euregio-Tour in die Pedalen getreten, um auf das Thema Organspende aufmerksam zu machen.
Kai-Uwe Beyer hat in diesem Sommer bei der Euregio-Tour in die Pedalen getreten, um auf das Thema Organspende aufmerksam zu machen. FOTO: Kai-Uwe Beyer / privat

Ein Jahr lang geht alles den Umständen entprechend gut. Söhnkes Nieren arbeiten mit einer 20 Prozent-Leistung. Drei Wochen vor seinem ersten Geburtstag tritt das prophezeite Nierenversagen ein. Söhnke liegt wieder in der Uniklinik Leipzig und wird zu seinem ersten Geburtstag mit einem Heim-Dialysegerät entlassen. Jede Nacht schließt Mutter Sandra ihren Jungen an die Maschine an.

Für die Familie, zu der auch Schwester Emiré (10) und Bruder Linus (6) gehören, folgen Tage, Wochen und Monate zwischen Hoffen, Bangen, Schmerzen, Angst und Ungewissheit. Söhnke wird von den Medizinern auf die „Warteliste“ für eine Nierentransplantation bei Eurotransplant gesetzt. „Wir sind bei seiner Blutgruppe 0 von einer Wartezeit bis zu acht Jahren ausgegangen“, erzählt Vater Kai-Uwe.

Solange müssen Beyers dann aber doch nicht auf den erlösenden Anruf aus Hannover warten. Das Handy klingelt an einem Samstagmorgen, am 11. Februar 2017. Mit dem Taxi eilen Mutter und Sohn in die Klinik. Mittags angekommen, wird der Anderthalbjährige um 17.30 Uhr in den OP geschoben. „Sie haben bis zwei Uhr Nachts operiert“, erinnert sich die Mutter.

Die Doppel-Transplantation hat Söhnke gut verkraftet. Heute geht es dem Dreijährigen gut. Er entwickelt sich normal, hat keine Defizite. Derzeit noch von einer Tagesmutti betreut, wird er demnächst in einen Kindergarten wechseln.

Wieder ein kleinwenig zur Ruhe gekommen, wünscht sich Familie Beyer einfach nur Normalität. Damit sich die Fünf über all die Sorgen nicht verlieren, haben sie sich im Juli bei einer Familien-Reha in Österreich in einem Reha-Zentrum für Kinder nach Organtransplantation gemeinsam erholt.

Ihre Geschichte zu erzählen, ist  den Beyers so wichtig, weil sie wollen, dass mehr Menschen über das Thema nachdenken. „Das kleine Kärtchen auszufüllen, kann soviel bewirken“, versucht Mutter Sandra aufzurütteln. Denn ihr Söhnke kommt in den Kindergarten - wie ein ganz normaler Junge.