ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:35 Uhr

Agroforstwirtschaft
Domins sind Pilotbetrieb für Agroforst

Landwirt Thomas Domin (r.) präsentiert den Gästen die Vorteile seines im Jahr 2015 gestarteten Agroforst-Projektes.
Landwirt Thomas Domin (r.) präsentiert den Gästen die Vorteile seines im Jahr 2015 gestarteten Agroforst-Projektes. FOTO: Richter-Zippack
Peickwitz. Die Kombination von Land- und Forstwirtschaft steckt brandenburgweit noch in den Kinderschuhen. Ein Peickwitzer Betrieb will das jetzt ändern. Das Land will fördern, und die Naturschützer sind begeistert. Von Torsten Richter-Zippack

Was mussten die Peickwitzer einst ertragen: Kaum fegte der erste Frühjahrssturm übers Dorf, schon hatten sich die neu verputzten oder frisch gestrichenen Hausfassaden mit einem grau-schwarzen Schleier präsentiert. Ursache bildete nicht selten ein großes Feld westlich des knapp 400 Einwohner zählenden Ortes, rund 30 Hektar groß, Platz genug für rund 38 Fußballfelder. „Ja, es gab deswegen manchmal Probleme im Dorf“, gibt Landwirt Thomas Domin unumwunden zu. Doch damit ist jetzt Schluss. Sein Feld gibt es zwar immer noch, doch neben den landwirtschaftlichen Kulturen wachsen dort jetzt auch verschiedene Bäume. „Wir haben im Jahr 2015 mehrere Gehölzstreifen angelegt“, sagt Domin. So wird die 30-Hektar-Feldflur nunmehr durch Robinien, Pappeln, Erlen und Weiden unterbrochen. Und das aus gutem Grund: „Die bis 300 Meter langen und jeweils 0,3 Hek­tar großen Gehölzstreifen wachsen entgegen der Hauptwindrichtung. Sie bremsen also den Wind ab. Damit wird die Bodenerosion stark vermindert“, erklärt Thomas Domin. Davon wiederum profitierten seine Feldfrüchte wie Mais und Roggen. „Diesen Pflanzen steht aufgrund der geringeren Verdunstung mehr Wasser zur Verfügung. Sie können also besser gedeihen.“ Nicht zuletzt blieben seitdem auch bei heftigem Wind die Peickwitzer Hausfassaden sauber.

Agroforstwirtschaft heißt diese Kombination aus Land- und Forstwirtschaft. Besonders in tropischen Ländern wird dieses Verfahren schon seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert. In Deutschland im Allgemeinen und in Brandenburg im Speziellen steckt die Agroforstwirtschaft allerdings noch in den Kinderschuhen. Das soll sich jetzt ändern. Anfang Mai übergab der Brandenburger Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) in Peickwitz einen Scheck über gut 47 000 Euro. Mit diesem Geld will der Landwirtschaftsbetrieb Domin in einem Pilotprojekt innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Konzept zu den Vorzügen von Agroforst verfassen. Daraus solle ein entsprechendes Förderprojekt gestrickt werden. „Der Termin ist günstig“, kommentiert Jörg Vogelsänger. „Denn dann beginnt die neue EU-Förderperiode.“ Bislang müssen heimische Landwirte, die auf Agroforst setzen, die Kosten aus eigener Tasche begleichen. Thomas Domin hat pro Gehölzstreifen zwischen 3500 und 4500 Euro investiert.

Bei „Akum-Agroforst“, so der offizielle Name des Vorhabens, sind mehrere Partner aus der Region mit an Bord. Dazu gehören der Landesbauernverband Brandenburg, der Bauernverband Südbrandenburg, der Gewässerverband Kleine-Elster - Pulsnitz, der Nabu Brandenburg sowie die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU).

Tatsächlich, so bestätigt Dr. Christian Böhm vom Lehrstuhl Bodenschutz und Rekultivierung an der BTU, reduzieren die angepflanzten Baumreihen die Verdunstung auf der Landwirtschaftsfläche um bis zu 20 Prozent. Das sei ein „Riesenvorteil“. Darüber hinaus könne der Ertrag der Landwirtschaftskulturen um fünf bis 30 Prozent ansteigen. „Das hängt aber immer von der jeweiligen Frucht und vom konkreten Standort ab“, erklärt Böhm. Sein Lehrstuhl unterstütze die Agroforstwirtschaft bereits seit einigen Jahren. „Dieses Modell ist gerade für Brandenburg mit seinen armen und trockenen Standorten sehr geeignet“, resümiert Böhm. Agroforst würde sich ebenso auf Kippen bewähren. Denn gerade dort sei Wasser besonders knapp. Nicht zuletzt würden Lebensräume neu geschaffen, die es in vergangener Zeit fast überall gab. Nämlich kleinteilige, strukturreiche Flächen, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten genügend Platz und Nahrung bieten.

Diese Vorteile wissen auch die Naturschützer zu schätzen. „Wir setzen uns vehement für strukturreiche Landschaften ein. Die Landwirtschaft ist für uns dabei ein ganz wichtiger Partner“, sagt Christiane Schröder vom Nabu Brandenburg. Sie bezeichnet die Agroforstwirtschaft als „Schritt in die richtige Richtung“. So könne beispielsweise die Eintönigkeit der riesigen Mais- und Rapsschläge aufgebrochen werden. Allerdings sprechen sich die Naturschützer für eine breitere Palette an Baumarten in den Gehölzstreifen aus. Derzeit, so schreibe es das Gesetz vor, müssten die Bäume nach spätestens 20 Jahren gefällt werden. „Diese Zeit ist eindeutig zu kurz. Wir setzen auf Wertholz und damit auf viel längere Umtriebszeiten. Das würde auch die biologische Vielfalt erhöhen“, gibt Christiane Schröder Minister Vogelsänger mit auf den Weg.

Große Hoffnung in die Agroforstwirtschaft setzt auch der Vizepräsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, Heiko Terno. „Es sollte sich wirtschaftlich rechnen, von einer Fläche mehrere Produkte zu ernten. Zudem können die Landwirte den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln reduzieren.“

Landwirt Thomas Domin hat auch einen Gehölzstreifen an einem Graben angepflanzt. Kein Wunder, dass Marcel Ludewig, Geschäftsführer des Gewässerverbandes Kleine Elster - Pulsnitz, für das Projekt Feuer und Flamme ist. „Die Bäume helfen uns, Schadstoffeinträge in die Gewässer zu reduzieren. Ohnehin sind in Brandenburg nur 5,5 Prozent der Gewässer in einem guten ökologischen Zustand.“

Indes weiß Thomas Domin bereits genau, was er mit seinen Feldrobinien vorhat: „Das sehr harte Holz eignet sich bestens für den Spielplatzbau.“ So profitieren auch die Jüngsten von der Agroforstwirtschaft.