ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:17 Uhr

Kutschentreffen
Rasant durch den Dörrwalder Wassergraben

Jürgen Pohle aus Doberlug-Kirchhain steuert seinen Kleinpferde-Zweispänner in drei Minuten und drei Sekunden über den Dörrwälder Parcours. Das Fahrturnier in den Kategorien Groß- und Kleinpferde, Pony groß und klein - jeweils als Einspänner, Zweispänner oder Vierspänner - auf der Wiese am Ortsrand hinter dem Dorfplatz hat bereits Tradition  beim Dorffest. Der Höhepunkt des Parcours ist wieder die Durchfahrt des Wassergrabens.
Jürgen Pohle aus Doberlug-Kirchhain steuert seinen Kleinpferde-Zweispänner in drei Minuten und drei Sekunden über den Dörrwälder Parcours. Das Fahrturnier in den Kategorien Groß- und Kleinpferde, Pony groß und klein - jeweils als Einspänner, Zweispänner oder Vierspänner - auf der Wiese am Ortsrand hinter dem Dorfplatz hat bereits Tradition beim Dorffest. Der Höhepunkt des Parcours ist wieder die Durchfahrt des Wassergrabens. FOTO: Steffen Rasche
Dörrwalde. Das Dorf hält an seinen Kutschentreffen fest. Nach dem Wettbewerb am Wochenende soll es im Gegensatz zu den Stollenreiten, die auszusterben drohen, diese traditionellen Treffen auch zukünftig geben. Von Uwe Hegewald

„Hindernisse sind dazu da, dass sie umfahren werden“, ist sich die hiesige Kutscher-Gilde einig. Wie perfekt und wie zügig sie Hindernisse umfährt, war beim 5. Dörrwalder Kutschentreffen am Sonntag zu erleben.

Was für Außenstehende so spielerisch aussieht, ist Präzisionssport im Großformat. Nahezu blindes Vertrauen zwischen Mensch und Tier macht es überhaupt erst möglich, den anspruchsvollen Parcours so reibungslos wie möglich zu absolvieren. Gradmesser ist wie immer die zu durchquerende Wasserstelle. „Wenn sich Pferde unsicher sind, scheuen sie vor dem Hindernis oder versuchen diesem auszuweichen. Das kann schlimmstenfalls dazu führen, dass die Kutsche umkippt“, beschreibt Wilfried Richter die Herausforderung. Ihm selbst sei das schon zweimal so ergangen, so der erfahrene Kutscher aus Leeskow (Gemeinde Neu-Seeland). Er war sogar schon Augenzeuge, als sich ein Fahrturnier-Weltmeister bei einem Vierspänner-Wettbewerb in Leipzig auf die Seite legte. „Das kann jedem passieren“, führt Richter an.

Bei dem 62-Jährigen liefen auch die Fäden des diesjährigen Kutschentreffens zusammen. Angefangen hat sein Engagement in Dörrwalde in den frühen 1990er-Jahren mit Stollenreiten, die aufgrund nachlassender Teilnahme aus dem Programm genommen wurden.

„Willi ist Mitglied in unserem Dorfclub und unser Lokalmatador“, hebt Raik Hähner hervor. „Wir sind alle sehr dankbar, dass er sich seit so vielen Jahren einbringt“, so der Vereinsvorsitzende. Im gleichen Atemzug würdigt er die generelle clubinterne und externe Bereitschaft zur Mitarbeit. Begünstigend kommt hinzu, dass Dörrwalde mit seiner „Wettkampf-Arena“ im Schatten hochgewachsener Pappeln über einen geradezu perfekten Standort verfügt. Wie Raik Hähner gegenüber der RUNDSCHAU informiert, werde das Areal jedes Mal von der Agrargenossenschaft Großräschen kostenlos zur Verfügung gestellt.

„Dem Landwirtschaftsbetrieb kann man nicht genug danken“, ergänzt Wilfried Richter an einem Beispiel. So werde von diesem immer ausreichend Hafer zur Verfügung gestellt, um sich bei den aktiven Teilnehmern zu bedanken.

Einzelne Wettbewerber nehmen weite Anreisen in Kauf, um in Dörrwalde dabei zu sein, aber auch, um Versprechen gegenüber Wilfried Richter einzulösen. Der ist oft auf fremden Terrains unterwegs, trägt dort zu mehr Vielfalt bei und wirbt gleichzeitig für das Dorffest mit Kutschentreffen in Dörrwalde. Erst kürzlich zählte er zu einem Treck, der sich auf eine 30 Kilometer lange Ausfahrt durch die Sächsische Schweiz begab. Die Richters nutzen jede sich bietende Gelegenheit, um auf die Kutschertreffen im Siegerdorf 2014 des OSL-Wettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ hinzuweisen.

Die Richters? Richtig, mit Mario und Marcus treten die beiden Söhne in die Fußstapfen ihres pferdeverschworenen Vaters, der eigentlich schon ans Aufhören gedacht hat. „Die Jungs werden die Treffen später fortführen und ich werde sie bei Bedarf unterstützen. Wir halten durch“, beteuert Wilfried Richter. Auch mit der Kenntnis, einen rührigen Dorfclub sowie zuverlässige Sponsoren hinter sich zu wissen.

Wie schnell eine Traditionsveranstaltung in Vergessenheit gerät oder auszusterben droht, ist bei den klassischen Stollenreiten zu beobachteten. Die sind in diesem Jahr nur ein einziges Mal in Laasow (Stadt Vetschau) durchgeführt worden. Inklusive integriertem Kutschen-Wettbewerb an dem auch Mario Richter aus Leeskow teilgenommen hat. Mit Smax jun. und Gaskonje vor den Leinen spurtete das Gespann auf einen achtbaren Bronzerang. Und ja, die Wasserstelle stellte kein größeres Hindernis dar.

Bei der Familie Richter aus Leeskow laufen die Leinen für das Dörrwalder Kutschentreffen zusammen. Teilnahmen an Wettbewerben zählen zum Hobby dazu, wie etwa durch Mario Richter beim 26. Laasower Reiterfest am zurückliegenden Juliwochenende (Foto). Jetzt in der Dörrwalde sicherte er sich einen ersten Platz mit seinem Großpferde-Zweispänner.
Bei der Familie Richter aus Leeskow laufen die Leinen für das Dörrwalder Kutschentreffen zusammen. Teilnahmen an Wettbewerben zählen zum Hobby dazu, wie etwa durch Mario Richter beim 26. Laasower Reiterfest am zurückliegenden Juliwochenende (Foto). Jetzt in der Dörrwalde sicherte er sich einen ersten Platz mit seinem Großpferde-Zweispänner. FOTO: Uwe Hegewald