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Dörrwalder Glocken begrüßen Schwalbe

Sebastian Klotz präsentiert eines der zahlreichen Schwalbennester im väterlichen Kuhstall. Das ursprüngliche Vogelheim über der Lampe war vor Jahren abgestürzt. Mittels eines kleinen Körbchens wurde es revitalisiert. Und siehe da: Die kleinen Vögel nehmen die neue Unterkunft dankbar an.
Sebastian Klotz präsentiert eines der zahlreichen Schwalbennester im väterlichen Kuhstall. Das ursprüngliche Vogelheim über der Lampe war vor Jahren abgestürzt. Mittels eines kleinen Körbchens wurde es revitalisiert. Und siehe da: Die kleinen Vögel nehmen die neue Unterkunft dankbar an. FOTO: T. Richter-Zippack/trt1
Dörrwalde. Pünktlich mit den ersten Glockenschlägen im Dörrwalder Kirchturm sind die ersten Schwalben ins Dorf zurückgekehrt. Familie Knorr/Klotz hat die kleinen Vogel schon sehnsüchtig erwartet. Torsten Richter-Zippack / trt1

Die Osterzeit kann durchaus Wunder bewirken. Nicht nur durch die biblische Auferstehung von Jesus Christus, sondern auch praktisch vor Ort. Konkreter gesagt, in Dörrwalde. Dort haben zum Auferstehungsfest erstmals nach 40 Jahren wieder die Kirchenglocken geläutet. Und fast genau mit den himmlischen Tönen ist ein lange vermisster Bewohner heimgekehrt. Nämlich die erste Schwalbe des Frühlings 2015. "Wenn das kein gutes Zeichen ist", sagt Lothar Knorr schmunzelnd. Der 55-Jährige wohnt direkt gegenüber der Kirche auf einem mindestens 170 Jahre alten Bauernhof. Dort leben nicht nur seine Familie und elf Kühe, drei Schweine sowie mehrere Hühner und Katzen, sondern auch zahlreiche Schwalben. "Als wir im Jahr 1989 das Anwesen kauften, waren die Vögel bereits vor Ort", erinnert sich der Handwerker, der als Schichtleiter bei der Firma Glasrecycling Großräschen arbeitet. Jahr für Jahr erwarteten die Knorrs sehnsüchtig die ersten Schwalben. "Seit Ende März schauen wir regelmäßig in den Kuhstall zu den dortigen Nestern. Und tatsächlich: Ausgerechnet zu Ostern traf die erste ein", sagt Lothar Knorr.

Der Vogel habe ziemlich erschöpft gewirkt. Kein Wunder, schließlich liegen mehrere tausend Kilometer Flug hinter ihm. Denn die Überwinterungsquartiere der Schwalben befinden sich in Zentral- und Südafrika. Nur wenige Tage später ist die zweite Schwalbe auf dem Dörrwalder Bauernhof eingetroffen.

Natürlich ebenfalls im Kuhstall. Zuerst entdeckt wurden sie von Sebastian Klotz, dem Sohn von Lothar Knorr. "Im Stall ist es warm, und die ersten Fliegen sind auch schon da", erklärt der 16-Jährige. Wahrscheinlich ist das Vogelpaar jetzt komplett. Schließlich ist das zweite Tier im gleichen Nest des Erstankömmlings gelandet.

Jetzt hofft Familie Knorr/Klotz auf weitere Paare. Ihr Bauernhof biete genügend Platz für bis zu 25 Paare. Im vergangenen Jahr hätten dort um die 100 Jungvögel das Licht der Welt erblickt. Alle seien gesund und munter ausgeflogen. "Es war ein gutes Jahr", resümiert Lothar Knorr. Er hoffe, dass die Saison 2015 ähnlich verläuft.

Das Anwesen direkt im historischen Dörrwalder Ortskern ist wie für die Schwalben gemacht. Es existierten ausreichend unversiegelte Flächen, mehrere kleine Wasserstellen, Lehm für den Nestbau sowie dank des Großviehs zahlreiche Insekten als Nahrungsgrundlage. Das sei in der Region keinesfalls mehr selbstverständlich. Nach Angaben des Nabu gebe es nicht wenige Leute, die froh seien, wenn die Schwalben verschwänden. Schließlich verursachen die Tiere nicht wenig "Dreck". So gebe es Fälle, in denen Nester von Hausfassaden entfernt werden. Dabei besagt Paragraf 41 des Bundesnaturschutzgesetzes, dass das Entfernen der Nester verboten ist.

Für Familie Knorr/Klotz ist Schwalbenschutz Ehrensache. "Wir haben nach der Wende zwar das Wohnhaus saniert, die übrigen Gebäude des Vierseithofes aber weitestgehend in ihrem ursprünglichen Zustand belassen", sagt Lothar Knorr. Für die Schwalben stehen die Fenster des Kuhstalls Tag und Nacht offen. Davon würden auch die Rinder profitieren. "Ständig frische Luft tut den Tieren gut", weiß der Hobbylandwirt. Darüber hinaus wird bei Sonnenaufgang das große Tor geöffnet, sodass die Vögel ungehindert ein- und ausfliegen können. Jetzt hofft die Familie, dass die Vögel bald mit dem Brüten beginnen. "Denn wenn es unseren Schwalben gut geht, geht es auch uns gut", bringt es Sohnemann Sebastian auf den Punkt.

Ach ja, der Dörrwalder Kirchturm: Das wiedererrichtete Bauwerk scheint es den Vögeln angetan zu haben. Und zwar nicht nur durch die neuen Glocken, die zu Ostern die Rückkehr der Schwalben einläuteten.

"Fast täglich sitzen ganz oben auf der Wetterfahne die verschiedensten Vogelarten und stimmen dort ihre Lieder an", hat Lothar Knorr beobachtet. "Wir haben also nicht nur eine Kirche für die Menschen, sondern auch für unsere Tiere", fügt der Dörrwalder augenzwinkernd an.