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| 11:16 Uhr

Naturschutz
Landschaftsplaner mit Mut zum Baum

Roland Subatzus am Fragment einer maroden Linde, in das sich seltene Rosenkäfer zurückgezogen hatten. Der Baum musste aufgrund seiner Standunsicherheit, im Zusammhang mit der Neupflanzung der innerörtlichen Allee in Dörrwalde gefällt werden. Teile des Stammes wurden stehend getrennt und rund 300 Meter entfernt am Waldrand am Ortsausgang wieder aufgestellt.
Roland Subatzus am Fragment einer maroden Linde, in das sich seltene Rosenkäfer zurückgezogen hatten. Der Baum musste aufgrund seiner Standunsicherheit, im Zusammhang mit der Neupflanzung der innerörtlichen Allee in Dörrwalde gefällt werden. Teile des Stammes wurden stehend getrennt und rund 300 Meter entfernt am Waldrand am Ortsausgang wieder aufgestellt. FOTO: Uwe Hegewald
Dörrwalde. Sie bewähren sich als Moorlobbyisten, Baumhirten, Krötenchauffeure, treten als Agrar-Visionäre, Energiewender oder Insektenmanager auf und sind im Naturschutzbeirat des Landkreises Oberspreewald-Lausitz vereint. Die RUNDSCHAU besucht die couragierten und ambitionierten Naturschutzmacher. Heute: Roland Subatzus (Dörrwalde). Von Uwe Hegewald

„Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Die nächstbeste Zeit ist jetzt.“ Dem Appell von Aleksej Arakceev (1769 - 1834), einem russischen General und Staatsmann, kann Roland Subatzus nur zustimmen. Er ist Mitglied des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten, der Gesellschaft für Ingenieurbiologie und der Gesellschaft für Ökologie. Außerdem wirkt er in der Gesellschaft für Dendrologie (Baumkunde) sowie im Gehölzsachverständigen-Verband Brandenburg-Berlin mit und ist öffentlich bestellter Sachverständiger für Baumchirurgie und Baumpflege.

Eine Mitgliedschaft allein hätte genügt, um Roland Subatzus in den Naturschutzbeirat des Landkreises OSL zu rekrutieren. „Als man an mich herangetreten ist, musste ich nicht lange überlegen. Schließlich habe ich mich bereits im Jugendalter für Naturschutzbelange interessiert und eingesetzt“, berichtet der Wahl-Dörrwalder (Stadt Großräschen).

Im Jahr 1979 ist er im bayrischen Neu-Ulm in den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) eingetreten und hat es dort über die Schriftführerrolle bis zum Mitglied der Kreisgeschäftsführung gebracht. Seit 1996 betreibt er mit Ehefrau Astrid das Planungsbüro für Baumbegutachtung und Landschaftsarchitektur mit sechs Mitarbeitern und zwei Niederlassungen in der Lausitz.

Bei den Bauvorhaben auf dem Großkoschener Dorfanger war die ökologische Baubegleitung ebenso gefragt wie bei der damaligen Neugestaltung der Bahnhofstraße in Senftenberg. „Die Neupflanzungen haben sich gut entwickelt. Das hängt auch damit zusammen, dass den Bäumen ausreichend Wurzelraum zur Verfügung gestellt wird“, resümiert Roland Subatzus. Erreicht werde das auch durch erweiterte Wurzelbereiche, die sich verdeckt unterhalb des Gehweges befinden.

Bereits während seiner Ausbildung in der Forstwirtschaft entwickelte er einen besonderen Bezug zu Bäumen, wie etwa zur Linde, dem Charakterbaum in Lausitzer Städten und Dörfern. „Linde, Eiche oder Walnuss – alle Bäume sind von Bedeutung, in entsprechenden Lagen haben selbst Nadelbäume ihre Berechtigung“, betont der Experte; auch mit Blick auf den Klimawandel, der den Mut zu relativ unbekannten Exoten verlangt.

Ein Beispiel zeigt sich in Calau, wo in der Cottbuser Straße sommergrüne Gleditschien gepflanzt wurden, die aufgrund ihrer Herkunft (Asien, Afrika, Amerika) als wärmeunempfindlicher gelten. Roland Subatzus mahnt jedoch Besonnenheit an: „Wenn auf Exoten zurückgegriffen wird, dürfen diese nicht invasiv wirken, was dazu führt, dass möglicherweise heimische Baumarten verdrängt werden.“ Als Beispiel führt er die ursprünglich aus Nordamerika stammende Robinie an, die sich durch ihren Holzertrag und ihre Funktion als Bienenweide längst etabliert hat.

Ein Dipl.-Ing.-Studium im Fach Landespflege an der Fachhochschule Weihenstephan sowie ein Ökologie-Fernstudium in Tübingen vervollkommneten das Wissensvolumen – auch auf dem Gebiet des wichtigen Artenschutzes. „Als beim Bau des Calauer Kreisels in der Innenstadt in einem zu fällenden Baum seltene Rosenkäfer (geschützte Art) entdeckt wurden, haben wir uns mit der den Beteiligten für eine Spezialbehandlung ausgesprochen. Der Baum wurde schonend gefällt und ein Großteil des Stammes samt Mulm (Käfer-Habitat) in ein entsprechendes Areal nahe Vetschau gebracht“, führt Roland Subatzus eine Vorzeigeaktion für aktiven Insektenschutz an.

An geeigneten Stellen Totholz dulden, Wildblumen und -kräuter akzeptieren oder die Errichtung von Ackerrandstreifen zwischen Alleen und bewirtschafteten Feldern zu forcieren, setze mitunter viel Überzeugungsarbeit voraus. „Es gilt, das Umweltbewusstsein zu schärfen und dieses als ganzheitliche und globale Aufgabe zu betrachten“, sagt der Diplom-Ingenieur. „Ein ambitioniertes Vorhaben“, räumt er ein. Deshalb sei es auch so wichtig, dass im Naturschutzbeirat viele Seelenverwandte aus verschiedenen Fachgebieten konstruktiv und ergebnisorientiert zusammenarbeiten.

Dass es dabei ein primäres Ziel ist, Mitmenschen zu sensibilisieren macht der FLL-zertifizierte Baumkontrolleur und Gehölzabnahmeberater unter anderem am Beispiel des niederschlagsarmen Sommers 2018 fest. „Die Bäume haben stark gelitten. Bei unzureichenden Wässerungen neigen Bäume zum Bilden von Rindennekrosen. Die Leute wundern sich, wenn sich plötzlich Rinden abschälen. Dabei ist das ein untrügliches Zeichen für eine Überhitzung aufgrund eines gestörten Wasserhaushaltes im Stamm“, erklärt er und appelliert für noch kommende Hitzesommer: Ausreichend wässern!