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| 16:31 Uhr

Dieter "Maschine" Birr geht als Neubeginner auf Tour und kommt an den See

Dieter "Maschine" Birr.
Dieter "Maschine" Birr. FOTO: Ben Wolf
Großkoschen. Dieter "Maschine" Birr kommt mit seiner Band am Wochenende ins Amphitheater Großkoschen. Der Musiker sagt: "Popularität muss man sich erarbeiten." Mit Maschine sprach Heidrun Seidel.

73-Jährige gehen normalerweise auf Kreuzfahrt. Dieter "Maschine" Birr nach 47 Jahren Puhdys auf Solo-Tour.

Wie geht es Ihnen nach einem halbem Jahr allein auf Tour?
Maschine Ach, auf Kreuzfahrt gehen wir auch. Mit der Aida, und für 2018 ist schon eine Reise mit "Mein Schiff" gebucht. Zwei Wochen Karibik, aber die reichen dann auch. Ansonsten ist mein Leben Musik. In den vergangenen Wochen habe ich nicht so oft auf der Bühne gestanden, habe viel im Studio gearbeitet. Also kurz gesagt: Mir geht es gut.

Im Januar hatten Sie überraschend sieben von 18 geplanten Konzerten abgesagt oder verschoben. Schlagzeilen wie "Fehlstart" oder ".… .kommt nicht auf volle Touren" waren zu lesen. Waren Sie da enttäuscht?
Maschine Für diese Neubeginner-Tour hatte die Agentur zu große Läden gebucht, und die Werbung hatte auch nicht so gut geklappt. Ich hatte gute Musiker und insgesamt einen Aufwand mit hohen Kosten. Das hätte sich nicht gerechnet. Enttäuscht? Klar hätte ich mir auch einen besseren Kartenverkauf gewünscht, aber ich bin lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass man sich Popularität erst erarbeiten muss. Das ging ja bei den Puhdys auch nicht von heute auf morgen. In der Wendezeit haben wir vor 200 Leuten gespielt, und als "Neubeginner" bin ich eben auch in einer neuen Kategorie. Da waren 500 bis 900 Besucher schon ganz gut. Ich weiß, dass man für seine Sache brennen, auch Rückschläge und Entbehrungen hinnehmen muss. Und ich gebe nicht auf, glaube daran.

Neubeginner ist zwar die dritte, aber die erste Solo-Scheibe nach der Puhdy-Karriere. Sie ist rockig, manchmal Schlager-, manchmal liedhaft und mitunter auch etwas melancholisch. Zwar bleibt die Stimme gewohnt schnarrig, aber insgesamt scheinen Sie weicher geworden. Ist das so?
Maschine Na ja, die erste Solo-LP zähle ich nicht mit. Das war eine Jugendsünde. Die CD "Maschine" von 2014 war ein Abenteuer, Puhdys-Titel einmal mit anderen Musikern zu spielen. Das gibt neue Impulse. Jetzt ist es etwas ganz anderes. In "Neubeginner" mache ich 100-prozentig die Musik, die ich spielen will. Ich muss mich nicht mehr so in der Gruppe bewegen. Und ich muss niemanden mehr etwas beweisen. Das ist ein Privileg ...

... des Alters?
Maschine Auch, ebenso der Erfahrung und des Bewusstseins, ein gestandener, erfolgreicher Musiker zu sein. Aber es hat nichts damit zu tun, dass ich nachlässiger arbeiten würde, auch jetzt ist schon noch alles straff organisiert. Und ob ich weicher geworden bin? Glaube ich nicht, was das Musikalische angeht. Na ja, ich will nicht mehr so brüllen wie in jungen Jahren. Ansonsten hängt es schon von der Stimmung ab, von guten Texten.

Die sind besonders lyrisch und oft auch philosophisch.
Maschine Ja, sechs Texte hat Heinz-Rudolf Kunze geschrieben. Und Gisela Steineckert ist auch dabei. Sie garantieren schillernde Facetten, schöne Bilder, überraschende Wendungen, rührende Momente. Da sind die Kompositionen für mich nicht das Problem.

"Ehe der Krieg beginnt" ist einer der Songs, die für einen Schauer auf dem Rücken sorgen.
Maschine Der Text von Gisela Steineckert hat auch mich sofort ergriffen. "Ehe der Krieg beginnt / wird vorher das Volk verarmt / bis jeder die Feinde schlagen muss / und glaubt das sei der Armut Schluss." Hochaktuell, und wenn man die Nachrichten verfolgt, wird einem Angst. Das ist übrigens ein Text, zu dem ich erst eine andere Musik geschrieben hatte, und durch das Gespräch mit meinem Produzenten Ingo Politz zu dieser viel besseren Version gekommen bin. Diese Zusammenarbeit ist sehr produktiv.

Fast eine trotzige Hymne Ihrer Generation könnte der Song sein: "Der Zug ist abgefahren, aber ich sitze immer noch drin." Also frage ich jetzt nicht nach der Rockerrente, sondern danach, woran Sie derzeit und künftig arbeiten.
Maschine Ab Januar gehen wir mit einer neuen Rock-Legende auf Tour. Die gab es 2014 zum ersten Mal, 2016 in einer Neuauflage, und nun geht es 2018 zum dritten Mal auf große Tournee mit Karat, City und einem besonderen Gast. Dafür wird es ein Album geben, an dem ich gerade arbeite. Außerdem habe ich etliche Auftritte in unterschiedlichen Spielstätten im Land. In der Form einer Talkshow erzähle ich aus meinem Leben, aus der Puhdy-Zeit und spiele ein bisschen Musik dazu. Diese kleine Form bringt eine besondere Nähe zum Publikum und macht mir viel Spaß. Auf meiner Homepage dieter-maschine-birr.de kann man die Termine nachlesen.

Nun ist es zwangsläufig so, dass da, wo Dieter Birr draufsteht auch ein Puhdy drin ist - oder umgekehrt. Sicherlich erwartet so mancher Konzertbesucher am 4. August am Senftenberger See seinen Lieblingssong aus 47 Puhdy-Jahren und 4500 Konzerten. Wird die Erwartung erfüllt?
Maschine Na klar. "Lebenszeit" und "Eisbären" und ein paar andere Songs sind dabei. Und es ist immer wieder ein Gänsehaut-Gefühl für mich, wenn plötzlich die Leute ganz allein singen - und wir auf der Bühne eigentlich nichts mehr machen müssen.

Sie haben prominente Begleiter auf ihrem Album, wen bringen Sie mit nach Senftenberg?
Maschine Julia Neigel und Ela Steinmetz, die Frontfrau des musikalischen Damen-Trios Elaiza, die 2014 überraschend des deutschen ESC-Vorentscheid gewonnen haben, werden im Amphitheater dabei sein. Dazu natürlich tolle Musiker wie Uwe Hassbecker von Silly und Jörg Weisselberg, unter anderem Bandleader von Jeanette Biedermann, an der Gitarre, Christian Liebig von Karat am Bass, Marcus Gorstein von den Zöllnern an den Tasten und der begnadete Schlagzeuger Felix Lehmann, der unter anderem mit Sarah Conner tourt. Also alles gute Leute, mit denen es einfach Spaß macht, gemeinsam zu musizieren.

Zum Thema:
Maschine & Band ist mit dem "Neubeginner"-Open Air am Freitag, dem 4. August, 19.45 Uhr Sommergast im Amphitheater am Senftenberger See. Karten sind erhältlich an den bekannten Vorverkaufsstellen, unter www.theater-senftenberg.de , an der Theaterkasse (Telefon 03573 801286) und an der Abendkasse in Großkoschen.