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| 13:58 Uhr

Bauunternehmer klagen
Dieseldiebe narren Baufirmen und Polizei

Senftenberg. Im Süden des Kreises wird derzeit Kraftstoff in großem Stil geklaut. Die Täter hinterlassen einen erheblichen finanziellen Schaden. Schwerpunkt ist der Sedlitzer See. Die Polizei tappt im Dunkeln. Von Jan Augustin

Nein, für die Firma TMG Spedition ist die Senftenberger Region kein gutes Pflaster. Drei mal waren die Schüttguttransporteure aus Bitterfeld hier, um Aufträge abzuarbeiten. „Und jedes Mal haben wir Federn lassen. Wir sind gebrandmarkt“, sagt Thomas Peters enttäuscht. Er ist Disponent bei TMG. Vor zwei Jahren ist dem Unternehmen hier ein kompletter Lkw, der gerade an einer Tankstelle stand, geklaut worden. Der aktuelle Fall ist noch keine zwei Wochen alt. Aus zehn Lastkraftwagen, die auf einem Grundstück bei Lindchen abgestellt waren, zapften Diebe gut 2500 Liter Kraftstoff ab. Der Schaden: rund 3500 Euro. „Die Tankdeckel sind aufgebrochen worden, acht Deckel waren total Schrott“, fasst der Spediteur zusammen.

Die Polizei nimmt in jüngster Zeit  immer häufiger erst die Anzeigen und dann die Ermittlungen wegen Diesel-Diebstahls aus dem Süden des Landkreises auf. Auch wenn es keine spezielle Dieselklau-Statistik gibt, belegen das die täglichen Pressemitteilungen der Polizei. Ein Schwerpunkt sind abgelegene Baustellen, vor allem die am Sedlitzer See, bestätigt Polizeisprecher Ralph Meier. Auch die Brummis der TMG sind dort eingesetzt, um überflüssige Erde und Geröll zur Spremberger Kippe zu fahren.

Zuletzt ist von der Baustelle Anfang dieser Woche aus einem Bagger der Kraftstoff abgepumpt worden. Die Täter, die auch von Polizeihunden nicht aufgespürt werden konnten, verursachten eine mehrere Meter große Dieselpfütze, die von einer Spezialfirma beseitigt werden musste - und sie hinterließen wieder einen großen finanziellen Schaden.

Auf diesem bleiben meist die betroffenen Firmen sitzen. „Die Versicherung zahlt nicht“, bestätigt Thomas Peters von der TMG, die jährlich mehrere Tausend Euro zusätzlich erwirtschaften muss, um den Schaden auszugleichen. Diebstahl sei für die bundesweit agierende Firma mit mehr als 300 Mitarbeitern zwar auch in anderen Teilen des Landes ein Problem. „In dieser Größenordnung ist das aber nur in Senftenberg so“, sagt der Disponent. Thomas Peters ist sich sicher, dass Täter oft aus dem Osten kommen. Seine Firma habe schon mehrere polnische Lkw-Fahrer wieder entlassen müssen, weil sie in Diebstählen verwickelt gewesen sein sollen.

Bei einem spektakulären Fall im vergangenen Jahr sei auch ein polnischer Sattelzug beteiligt gewesen. Durch Zufall habe ein Kollege auf einem Parkplatz Geräusche am Nachbar-Lkw wahrgenommen. Er hat die Polizei gerufen, die auf dem Anhänger eine komplette Tankanlage gefunden hat, erläutert Thomas Peters.

Ob das Gros der Täter wirklich aus Osteuropa und Polen stammt, kann Polizeisprecher Ralph Meier indes nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Bei einem älteren Fall aus der Senftenberger Region stellte sich heraus, dass die Täter aus der unmittelbaren Nachbarschaft kamen. Ermittlungserfolge aus der jüngeren Vergangenheit gebe es jedoch nicht. Zum Täterprofil gefragt, räumt Ralph Meier offen ein: „Ganz ehrlich, wir haben keine Ahnung.“