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Dieben ein lukratives Geschäft verdorben

Auto-Katalysatoren enthalten wertvolle Edelmetalle. Selbst Firmen wie Volkswagen wollen sich das nicht entgehen lassen und recyceln sie.
Auto-Katalysatoren enthalten wertvolle Edelmetalle. Selbst Firmen wie Volkswagen wollen sich das nicht entgehen lassen und recyceln sie. FOTO: dpa
Senftenberg. Edelmetalle aus alten Auto-Katalysatoren erzielen hohe Preise. Gangster wissen das. Zwei Männer, die in groß angelegtem Stil in einer Schipkauer Firma ihr Unwesen trieben, verurteilte das Amtsgericht Senftenberg jetzt. Jan Augustin

Mit schwarzen Gesichts-Masken schlagen die Männer in der Nacht zu. Objekt der Begierde: eine Firma in Schipkau, die mit recycelten Katalysatoren handelt. Die darin enthaltenen Edelmetalle - sie bilden das Herz eines Modells, weil sie die Umwandlung der Giftstoffe ermöglichen - erzielen hohe Preise auf dem Markt. Das wissen nicht nur Unternehmen, sondern auch Kriminelle. Am Donnerstag haben sich vor dem Senftenberger Amtsgericht zwei Männer für einen gemeinschaftlichen Diebstahl in besonders schwerem Fall verantworten müssen. Die beiden Angeklagten, 34 und 37 Jahre alt, stammen aus Polen. Nach eigenen Angaben verdienen sie zu Hause umgerechnet rund 350 Euro.

Beide gestehen die Tat ohne Wenn und Aber. Auch so, wie sie die Staatsanwaltschaft in der Anklage beschreibt: Demnach stopfen die Einbrecher nach ihrer Ankunft in der Novembernacht vor zwei Jahren zunächst die akustische Alarmanlage der Schipkauer Firma mit Kissen zu. Die wichtigsten Überwachungskameras überlisten sie mit Spraydosen-Farbe. Dann laden sie mit einem Gabelstapler palettenweise insgesamt sieben Tonnen Material in ihren mitgebrachten Laster. An diesem haben sie zuvor zwei gefälschte Kennzeichen mit Kabelbinder angebracht.

Der größte Teil der Ladung ist zwar kaum etwas wert. Etwa 15 Kilogramm haben es aber in sich: Platin, Rhodium und Palladium. Ein Kilo Platin ist aktuell fast 27 000 Euro wert. Die komplette Fracht, die das Unternehmen bereits für den Transport zu einem Kunden fertig zusammengestellt hatte, wäre sogar für rund 355 000 Euro verkauft worden, erklären die beiden als Zeugen geladenen Mitarbeiter des Schipkauer Unternehmens. Sie gehen fest davon aus, dass nicht nur die beiden Angeklagten an dem Verbrechen beteiligt waren und dass die Tat von langer Hand akribisch geplant worden ist. Zu groß sei die Ortskenntnis gewesen.

Dass sie ihre Ware wiederbekommen haben und verkaufen können, ist nur einem glücklichen Umstand zu verdanken. Polizisten stellen die dreisten Metall-Diebe in einer ungewöhnlichen Verfolgungsjagd auf der Autobahn 4 in Richtung Polen. Ein Lieferant der Schipkauer Firma, der in dieser Nacht ankommt, wundert sich über einen Lkw, der gerade das Unternehmensgelände verlässt. Er fährt dem Laster hinterher und nimmt dabei Kontakt mit seinem Auftraggeber auf, der die Polizei informiert. Übers Mobiltelefon stehen der mutige Lieferant und die Polizei in den nächsten Minuten in Verbindung, sodass die Beamten eine gezielte Festnahme planen können, was schließlich auch gelingt.

Einen hohen Schaden haben die Einbrecher dennoch hinterlassen. Zerstörte Sicherheitstechnik, ein durch die Kripoarbeit verursachter Arbeits- und Produktionsausfall am nächsten Tag sowie die anfallenden Anwaltskosten summieren sich immerhin auf rund 16 000 Euro. Das umfängliche Geständnis, der vergleichsweise geringe Schaden sowie die bisherige Straffreiheit zumindest des einen Angeklagten - der andere war vor zehn Jahren schon einmal wegen Schmuggels verurteilt worden - stimmen das Senftenberger Schöffengericht um Richter Harald Rehbein milde. Die zwei- beziehungsweise anderthalbjährige Freiheitsstrafe spricht Rehbein jeweils zur Bewährung aus. Vor Prozessbeginn hatten sich die Verteidiger, der Staatsanwalt und das Gericht auf diesen Deal geeinigt. Im letzten Wort zeigen die Angeklagten Reue: "Es war eine sehr dumme Sache. Ich entschuldigte mich bei den Geschädigten", sagt der vorbestrafte Angeklagte. "Es tut mir sehr leid", erklärt sein Compagnon. Sichtlich erleichtert nehmen sie den Urteilsspruch entgegen.