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Die Wiege des Lausitzer Seenlandes

Junge Familien sind in Niemtsch willkommen. Ortsvorsteher Sven Muntel (l.) sieht sich als Ansprechpartner für "Ureinwohner" und Hinzugezogene gleichermaßen. Katja Göhler und Heiko Hausmann sind 2012 in ihr neues Eigenheim gezogen und haben das Familienglück im vergangenen Sommer mit Töchterchen Annabelle gekrönt.
Junge Familien sind in Niemtsch willkommen. Ortsvorsteher Sven Muntel (l.) sieht sich als Ansprechpartner für "Ureinwohner" und Hinzugezogene gleichermaßen. Katja Göhler und Heiko Hausmann sind 2012 in ihr neues Eigenheim gezogen und haben das Familienglück im vergangenen Sommer mit Töchterchen Annabelle gekrönt. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Niemtsch. Der Oberspreewald-Lausitz-Kreis umfasst 1200 Quadratkilometer Fläche. Er ist Heimat für 114 000 Einwohner, die in neun Städten, 32 Gemeinden und deren Ortsteilen leben. Doch wer sind die Nachbarn? Die RUNDSCHAU geht auf Kreis-Reise. Die Station heute: Niemtsch (Senftenberg). Uwe Hegewald / uhd1

In diesem Jahr jährt sich der Beginn der Flutung des Senftenberger Sees zum 50. Mal. Das ambitionierte Projekt, der frühe Beginn, die anhaltende Entwicklung und sein Ruf rechtfertigen die Bezeichnung "Muttersee des Lausitzer Seenlandes". Was viele der jährlich Tausenden Kurz- und Langzeitbesucher nicht wissen: Das künstlich geschaffene Gewässer und das Dörfchen Niemtsch vor den Toren der Stadt Senftenberg stehen in enger Verbindung zueinander. Niemtsch ist Namensgeber des früheren Braunkohlentagebaus Niemtsch, der nach dessen Stilllegung (15. Mai 1966 letzter Kohlezug) zum Senftenberger See geflutet wurde. Ein Segen für alle Anrainer-Dörfer, in denen sich nach Landwirtschaft und Kohle das zarte Pflänzchen Tourismus entwickelte."Wir können nicht klagen. Niemtsch ist begehrt - als Urlaubsort, für Tagestouristen aber auch für Häuslebauer", berichtet Ortsvorsteher Sven Muntel.

Im Dorf aufgewachsen ist er vor drei Jahren in das Ehrenamt gewählt worden. Was ihn besonders beeindruckt, ist die Aufgeschlossenheit der Neu-Niemtscher. So isolieren sich Zugezogene nicht, sondern integrieren sich schnell ins Dorfleben. "Beim jüngsten Zampern haben sich 60 Leute eingereiht, darunter die Hälfte Jugendliche", nennt Sven Muntel ein Beispiel. Klar profitiere das Dorf bei Veranstaltungen von der Nähe zur Kernstadt Senftenberg, aus der es zahlreiche Kreisstädter ins Grüne zieht. Welche Arbeit es jedoch in der Vorbereitung zu leisten gilt, dringt meistens nicht an die Oberfläche. Den Niemtscher Bürgerverein, die Hellebrands, Piotrowicz' oder Lehnerts führt Ortsvorsteher Muntel stellvertretend für alle zupackenden Helfer an, und er könnte die Liste lückenlos fortsetzen. So etwa jene Familien, die sich ins jährliche Dorf- und Mühlenfest einbringen, das in diesem Jahr zum 25. Mal durchgeführt wird (5./6. August) und auch beim 7. Hoffest am Samstag, dem 23. September.

"Unser Anliegen ist es, Kultur und Kulinarisches auf die Straßen, Bürgersteige und in die Höfe zu bringen. Das funktioniert jedoch nur, wenn genügend Leute mitziehen und Gäste auf ihre Grundstücke lassen", erklärt Isolde Lehnert die Grundphilosophie der Hoffeste. Als temporärer Regisseurin kommt ihr bei diesen ein besonderer Part zu: Bis zu zehn Laienschauspieler umfasst das Theaterensemble, das mit szenischen Darstellungen Vorkommnisse oder jüngste Niemtscher Geschehnisse auf die Schippe nimmt. Und auch dabei werden die Mitwirkenden nicht allein gelassen. "Tischler und Maler helfen beim Kulissenbau, die Neue Bühne Senftenberg mit einem Techniker samt Ausrüstung, der für entsprechendes Licht und gute Töne sorgt. Apropos Gute Töne: Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) ist bekennender Liebhaber des Niemtscher Kuchens. Um zumindest alle einmal probiert zu haben, müsste das Stadtoberhaupt den Ortsteil aber noch öfter besuchen. Bis zu 60 Bleche steuern die Niemtscher Backfrauen zu den Dorf- und Mühlenfesten bei.

Ins Bild der Superlative passend vermelden Niemtscher 100 Teilnehmer, die sich jährlich im Park auf Ostereiersuche begeben. Im kommenden Jahr dürfte sich auch die im vergangenen Sommer geborene Annabelle auf die Suche nach gefärbten Gaben von Meister Lampe begeben.

2012 haben ihre Eltern Katja Göhler und Heiko Hausmann in Niemtsch ein Haus gebaut, das der kleine Wonneproppen mit besonderem Leben füllt. Ein ansprechendes Baugrundstück und die Rahmenbedingungen machten es der Familie leicht, ihren Lebensmittelpunkt nach Niemtsch zu verlegen. "Die Nähe zum See und nach Senftenberg mit seinen Einkaufsmöglichkeiten, den kulturellen Angeboten und seiner Schullandschaft waren entscheidende Kriterien", erklärt Heiko Hausmann. Hinzu kämen die Vertrautheit durch ein elterliches Gartengrundstück an der Nahtstelle zu Senftenberg sowie die Aufgeschlossenheit der Dorfbewohner. Und die mögen Kinder, was die Geschehnisse um den neuen Spielplatz dokumentieren. So steuerte die im Ort lebende und in Senftenberg praktizierende Kinderärztin Dr. Martina Gurk zum 2016 errichteten Spieleparadies eine Schaukel bei. Es kommt aber noch besser, verrät Ortsvorsteher Muntel ein offenes Geheimnis. Demnach tritt die Mühlenwirtin Rosemarie Dobra als Sponsorin einer Wippe auf. Anlässlich ihres 20. Geschäftsjubiläums verzichtete sie auf Blumen und Präsente, warb aber um finanzielle Unterstützung für das Spielgerät. Das Niemtscher Gesamtbild bekommt einen weiteren, attraktiven Mo saikstein hinzu. Erst im September ist dem Dorf unter dem Dach von Senftenberg mit Klein- und Großkoschen das Prädikat "Staatlich anerkannter Erholungsort" verliehen worden.

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Zum Thema:
In Niemtsch leben 356 Personen - Tendenz steigend. 1990 waren es gerade mal 201. Neben Sven Muntel (Vorsitz) zählen Peter Koßlick und Martina Leitzke zum Ortsbeirat. Mit seinem Komfort-Campingplatz verfügt Niemtsch über ein Fünf-Sterne-Paradies für Camper dicht am Senftenberger See. Dank einer eigenen Schiffsanlegestelle haben Dorfbewohner und Touristen in der Saison die Möglichkeit, mit der Santa Barbara auf dem Wasserweg nach Senftenberg und Großkoschen zu gelangen.