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Die Wetterküche spielt im Monatsfinale noch völlig verrückt

Der Sturm hat alte Bäume bersten lassen.
Der Sturm hat alte Bäume bersten lassen. FOTO: Rudolf Kupfer/rkp1
Die Karwoche hat der Region eine Wetterküche beschert, in der der Koch wirklich alle Register gezogen hat. Nach einem bis dahin wettermäßig ruhigen, trockenen und an Sonnenschein reichen März gab es insbesondere am 31. März ein in der Lausitz selten erlebtes Finale. RUNDSCHAU-Wetterfrosch Rudolf Kupfer / rkp1

An diesem Tag fegte der Sturm in Böen bis zu 90 Kilometern pro Stunde über die Region hinweg. Einen Sturm der Stärke 10 hatten Ingo Nowak in Schipkau und Klaus Hirsch in Großkoschen schon lange nicht mehr gemessen. Bäume knickten wie Streichhölzer um und an Dächern entstanden Schäden. In den Wäldern rund um Kroppen und Jannowitz hat diese Wucht 100-jährige Kiefern auf lokal kleinen Flächen mit samt den Wurzeln umgelegt. In Parks, so auch im Lindenauer, sind uralte Eichen und Buchen abgeknickt. Nur gut, dass den Bäumen ihr Laub noch fehlte, sonst hätte der Sturm noch größere Schäden verursacht, ist sich Ronny Sommer in Buchwalde sicher. Die acht Millimeter Niederschlag, die aus einer Mischung von Graupel, Schnee und Regen bestand, sorgte in Hörlitz nochmals kurzzeitig für eine geschlossene Schneedecke von einem Zentimeter. Das setzte den blühenden Osterglocken, Primeln, Stiefmütterchen, Tulpen und Forsythien weiße Hauben auf. Die Straßenglätte in den Morgenstunden an diesen Tagen forderte nach langer Pause nochmals den Straßenwinterdienst. Positiv: Alle bis dahin leeren Regentonnen wurden wieder gefüllt, sagt Kleingärtnerin Gabriele Haußmann aus Hörlitz.

Lehrbuchhaft, so bestätigt Klaus Kreter aus Ortrand, dem Gewitter am 31. März folgte eine deutliche Abkühlung. Das untermauern auch folgende Wetterregeln: "Wenn's auf kahle Bäume wittert, kommt noch Kälte angeschlittert," und "donnert's im März, dann friert‘s im April."

Anhaltende Nachtfröste bis fünf Grad Celsius unter Null und Tageshöchsttemperaturen nur unter zehn Grad bis in den April hinein bestätigen das. Die befürchteten weißen Ostern sind erfreulicherweise in der Lausitz ausgeblieben. Anhaltender Sonnenschein hat den Kindern beste Bedingungen für die Eiersuche geboten und die Familien zu Osterspaziergängen gelockt.

Das war im Jahr 2013 (23. März) zum Fest bei einer geschlossenen Schneedecke und acht Zentimetern Höhe ganz anders, erinnert sich Günter Kobel aus Ortrand. Dagegen war es 2000 mit 28 Grad so warm, dass der Osterhase ins Schwitzen kam.

Insgesamt haben Landwirte und Gärtner in der Region den März 2015 gut genutzt, um Bestell- und Pflegearbeiten durchzuführen. Hafer, Sommergerste, Lupinen und Erbsen sind bereits im Boden, so Günter Kockro aus Großräschen. Sonnenblumen, Speisemöhren und - kartoffeln folgen in den nächsten Tagen. Bei Bodentemperaturen Ende März in den oberen Schichten von mehr als fünf Grad ist in den letzten Tagen die Vegetation in Gang gekommen. Die Winterkulturen und Wiesen sind nach dem Regen über Nacht grün geworden.

Relativ einig sind sich die Senftenberger Hobbymeteorologen bei ihrer Vorhersage: Der April wird seinem Ruf als unbeständiger Monat weiterhin alle Ehre machen. Doch die Wetterregel: "Wenn's Karfreitag regnet, ist das ganze Jahr gesegnet" lässt die Wetterfrösche hoffen.

Zum Thema:
Weitere Daten von der Messstelle Michael Wesnigk in Klettwitz:März-Niederschlag 34 Millimeter (Norm 41);20 Nächte mit Bodenfrost, tiefste Temperatur am 20. März mit neun Grad unter Null. Der März hatte damit mehr Frostnächte als der Januar, aber es gab keinen Eistag (ganzer Tag Frost), zwei Gewitter, 141 Sonnenstunden (120 Prozent der Norm).