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Weihnachtsmarkt-Tanne in Senftenberg
Die Weihnachtstanne hängt am Haken

Am Mittwoch wurde die Tanne in Briekse gefällt und zum Senftenberger Markt transportiert. Dort wird sie von Mitarbeitern der Stadt aufgestellt und geschmückt. Am Sonntag, dem 1. Advent, erleuchtet sie dann in ihrer vollen Pracht.
Am Mittwoch wurde die Tanne in Briekse gefällt und zum Senftenberger Markt transportiert. Dort wird sie von Mitarbeitern der Stadt aufgestellt und geschmückt. Am Sonntag, dem 1. Advent, erleuchtet sie dann in ihrer vollen Pracht. FOTO: Josephine Japke / LR
Senftenberg. Der 15 Meter hohe Baumriese für den Senftenberger Markt kommt aus Brieske - ein Schwergewicht auf Reisen. Von Josephine Japke

Mittwochmorgen, kurz vor 8 Uhr, -2 Grad. Schweres Gefährt rollt ganz langsam um die spiegelglatte Kurve zur Helmut-Just-Straße in Brieske. Brigitte Reinhold und Siegfried Bartusch stehen schon bereit, denn in diesem Jahr kommt die Tanne für den Senftenberger Weihnachtsmarkt aus ihrem Vorgarten. „Das ist alles ganz schön aufregend. So etwas erlebt man ja auch nicht alle Tage“, stellen die beiden Ur-Senftenberger fest.

15 Meter hoch, acht Meter breit und zwei Tonnen schwer ist das gute Stück, das ab dem ersten Adventssonntag den Markt schmücken wird. Seit August sichtet Jens Babick, Leiter des städtischen Bauhofs, die angebotenen Nadelgewächse. „Wir haben hohe Ansprüche an die Tanne: Sie muss dicht gewachsen und mindestens 15 Meter hoch sein. Am besten aus Senftenberg oder Brieske kommen, damit wir keine Bundesstraßen oder Ländergrenzen kreuzen und komplizierte Anträge stellen müssen“, erklärt er. Das ganze Jahr über können Angebote mit Bild und Beschreibung des Baumes an den Bauhof geschickt werden.

Die Blautanne wurde Anfang der 1980er im Garten von Brigitte Reinhold und Siegfried Bartusch gepflanzt.
Die Blautanne wurde Anfang der 1980er im Garten von Brigitte Reinhold und Siegfried Bartusch gepflanzt. FOTO: Josephine Japke / LR

In diesem Jahr hatte Babick Glück, denn in Brieske wurde er fündig. Dort wuchs das diesjährige Objekt der Begierde seit den 1980er Jahren im Garten der Bartuschs. „Die Tanne hätte eh weggemusst, weil die Zweige auf das Nachbargrundstück wachsen. Trotzdem hängt da auch ein emotionaler Wert dran, denn sie war einfach immer da und hinterlässt jetzt eine riesige Lücke", erklärt Bartusch Senior und spricht von der Tanne wie von einem Familienmitglied.

Während das Familienoberhaupt darüber nachdenkt, was er mit der neuen Lücke in seinem Garten anfangen könnte, klettert Sven Kwasniewski kurzerhand auf den Baum, um die Aufhängung anzubringen. „Ich hab keine Angst davor zu fallen, denn die Äste sind so dicht, dass ich gar nicht tief stürzen würde. Runter kommst du schlussendlich immer irgendwie“, sagt er unbekümmert.

Nach nur zwei Stunden liegt der Koloss dann auf dem Plattenwagen und rollt los Richtung Altstadt. Er ist so groß, dass seine Äste links und rechts auf der Straße schleifen. „Das ist nicht weiter schlimm. Es ist eh so glatt, da rutschen die Äste genauso über die Straße, wie wir“, sagt Transport-Leiter Frank Göpel lachend. Und er soll recht behalten: die Tanne kommt wenige Minuten nach Abfahrt heil am Marktplatz an. Weder Straßenschilder, noch die engen Gassen der Senftenberger Altstadt können den Zug aufhalten. „Es läuft beinahe alles zu reibungslos für meinen Geschmack“, stellt Jens Babick verwundert und erfreut zugleich fest.

Die etwa 15 Meter hohe Tanne wurde am Mittwochmorgen um 8 Uhr in Brieske bei eisigen Temperaturen gefällt.
Die etwa 15 Meter hohe Tanne wurde am Mittwochmorgen um 8 Uhr in Brieske bei eisigen Temperaturen gefällt. FOTO: Josephine Japke / LR

Auf dem Senftenberger Markt hängt die Tanne dann noch in der Luft und wird in die 1,20 Meter tiefe Hülse eingelassen. Zur Ausrichtung des Baumes wird allerdings keine Wasserwaage an den Stamm gehalten, sondern nach grobem Augenmaß entschieden. „Rathaus“ – „Schmiedegasse“ – „Schloss“ schallt es von verschiedenen Ecken und gibt dem Kranführer die Richtung an, in die er den Baum schwenken muss. „Nach dem dritten Glühwein steht der Baum eh für jeden gerade“, urteilt Babick mit einem Schmunzeln.

Indes füllt sich der Marktplatz mit Schaulustigen. Einer von ihnen ist der zweieinhalb Jährige Hannes aus Brieske. „Schau mal wie hoch der Kran und der Baum sind. So einen Kran möchte ich auch haben“, staunt er mit großen Augen. Wenn am Sonntagabend die Lichter des Baumes angeschaltet werden, werden die Augen des kleines Hannes sicher noch größer.

Das wird eng: Die acht Meter breite Tanne wird durch die schmale Schloßstraße, vorbei an Schaufensterläden und Straßenlaternen, auf den Marktplatz gezogen.
Das wird eng: Die acht Meter breite Tanne wird durch die schmale Schloßstraße, vorbei an Schaufensterläden und Straßenlaternen, auf den Marktplatz gezogen. FOTO: Jens Babick