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| 19:23 Uhr

Deichschau im Amt Ortrand
Die Technik hat am Wasser keinen Platz

Der Ortrander Amtsdirektor Kersten Sickert (r.) und der Kmehlener Bürgermeister Dr. Gerd Müller-Hagen (2.v.r.) diskutieren mit Behördenvertretern und vom Gewässerverband über den verstopften Abfluss in der Neuen Pulsnitz am Kmehlener Park.
Der Ortrander Amtsdirektor Kersten Sickert (r.) und der Kmehlener Bürgermeister Dr. Gerd Müller-Hagen (2.v.r.) diskutieren mit Behördenvertretern und vom Gewässerverband über den verstopften Abfluss in der Neuen Pulsnitz am Kmehlener Park. FOTO: Richter-Zippack
Ortrand. In und an den Gewässern rund um Ortrand liegt einiges im Argen. Bäume im Wasser behindern den Abfluss, anderenorts hat die Technik zur Grabenpflege kaum Platz. Jetzt soll Abhilfe geschaffen werden. Von Torsten Richter-Zippack

Der Hofwiesengraben in Ortrand ist auf den ersten Blick ein eher unscheinbares Gewässer. Kaum einen Meter breit plätschert er von den höher gelegenen Teilen des Ortes entlang der westlichen Altstadt, um unweit des Seniorenheims „Arche Noah“ in die Neue Pulsnitz zu münden. Und dennoch besitzt dieser Graben eine ganz wichtige Funktion: „Er entwässert das komplette Ortrander Stadtzentrum“, sagt Eva-Maria Hein von der Unteren Wasserbehörde des OSL-Kreises. Kein Wunder, dass der Hofwiesengraben eine regelmäßige Pflege benötigt. Er soll schließlich nicht zuwachsen und auch nicht versanden beziehungsweise verschlammen. Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer. Denn normalerweise, so schreibt es das Gesetz vor, muss es neben solchen Gewässern einen fünf Meter breiten Streifen geben, damit die Technik für eine problemlose Beräumung sorgen kann. An der „Arche Noah“ stehen allerdings nur schmale 1,20 Meter zur Verfügung, wie der Ortrander Ordnungsamtsleiter René Zernick vorrechnet. Mehr noch: „Der Hofwiesengraben müsste dringend mal entschlammt werden, damit der Abfluss weiter gewährleistet werden kann.“ Im Laufe der Zeit habe sich im Gewässer unter anderem viel Sand, beispielsweise von den Streufahrzeugen, angesammelt. Mit schwerer Technik sei dem Problem aus Platzgründen also kaum beizukommen.

„Das Beste wäre es, einen entsprechend breiten Streifen herzustellen“, sagt Volker Lehmann vom Gewässerverband Kleine Elster-Pulsnitz. Der Experte empfiehlt der Stadt Ort­rand, das dafür notwendige Land zu erwerben. Der Ortrander Amtsdirektor Kersten Sickert erklärt, dass auf jeden Fall eine Lösung gefunden werde. „Dort hat die Stadt relativ viele eigene Flächen.“ Eine weitere Idee besagt, dass in der dortigen Kleingartenanlage leerstehende Parzellen nicht mehr neu verpachtet werden. So könne dann nach und nach der entsprechende Technik-Streifen hergestellt werden. Bis es soweit ist, dürften wohl die Männer vom Gewässerverband weiter manuell den Hofwiesengraben beräumen. Allerdings, so schränkt Volker Lehmann ein, verfüge die zuständige Gewässermeisterei Senftenberg lediglich über vier Leute.

Der maßgebliche Fluss für Ort­rand ist aber die Pulsnitz. Im Jahr 2010 war das Gewässer über die Ufer getreten und hatte unter anderem die nahe Autobahn überschwemmt. Während der jüngsten Deichschau äußern die Experten des Landesamtes für Umwelt, dass die Planfeststellung für den neuen Hochwasserschutz derzeit laufe. Ist dieser Prozess abgeschlossen, dauere es aber noch mindestens zwei Jahre, bis tatsächlich der Baustart erfolgen könne. Unter anderem sollen Deiche und Spundwände neu errichtet werden. Bereits Ende Oktober 2017 war in Kroppen ein neues Wehr, das im Hochwasserfall den Abfluss reguliert, in Betrieb gegangen.

Stark behindert ist der Abfluss derzeit dagegen in der Neuen Pulsnitz nahe des Großkmehlener Schlossparks. Dort liegen zahlreiche Baumstämme im Wasser. Manche, so sagt Bürgermeister Dr. Gerd Müller-Hagen, seien im Zuge der jüngsten Stürme hineingefallen, andere lägen schon länger. Im Bereich Lindenau hätten die Landwirte mit ihrer Technik bereits Bäume herausgezogen. Wann dies nun in Kmehlen passiert? „Ich kann keine Zeit versprechen. Wir haben es aber auf dem Schirm“, sagt Volker Lehmann vom Gewässerverband. Immerhin besitze die Neue Pulsnitz im Hochwasserfall bei weitem nicht die Bedeutung der Alten Pulsnitz, die keinen Kilometer entfernt vom Kmehlener Park entfernt fließt.