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| 19:41 Uhr

Namensuche
Die Sauna verdrängt den Weinberg

Babyschwimmen im Freizeitbad Lauchhammer.
Babyschwimmen im Freizeitbad Lauchhammer. FOTO: Mirko Sattler
Lauchhammer. Das erweiterte Hallen-Freizeitbad Lauchhammer soll einen neuen Namen bekommen. Im August werden die Bauarbeiten abgeschlossen. Von Torsten Richter-Zippack

Der Weinberg in Mitte ist Geschichte. Übrig geblieben ist eine gleichlautende Flurbezeichnung. Jetzt soll der Rebenhügel auch aus dem Namen des Hallen-Freizeitbades getilgt werden. Statt Hallen-Freizeitbad „Am Weinberg“ firmiert es künftig als „Sauna & Freizeitbad Lauchhammer“. Das hat zumindest der Bildungs- und Sozialausschuss der Stadtverordnetenversammlung empfohlen. Deren Abgeordnete entscheiden endgültig.

Unumstritten ist die Namensänderung allerdings nicht. „Ich bin wirklich traurig, dass der Weinberg herausfällt“, sagt beispielsweise Ausschussmitglied Jutta Lehmann (Linke). „Der Name ist unter den Lauchhammeranern sehr geläufig. Besser wäre es, den Weinberg in die Bezeichnung zu integrieren.“ Das sei allerdings zu lang und ungünstig für das Marketing, kontert die sachkundige Einwohnerin Madeleine Menzel (CDU-UBV). „Gäste von außerhalb können mit dem Weinberg nichts anfangen. Viel wichtiger ist der Name unserer Stadt.“ Ins gleiche Horn stößt Manuela von Schroedel-Siemau, Leiterin des Bereiches Bildung und Soziales im Rathaus: „Der Name soll so prägnant wie möglich sein. Jeder Auswärtige würde nach dem Weinberg suchen, dabei gibt es ihn längst nicht mehr.“

Die Stadt habe sich ganz bewusst für die Bezeichnung „Sauna & Freizeitbad Lauchhammer“ entschieden. „Darin spiegelt sich die Angebotspalette wider“, sagt von Schroedel-Siemau. Mehr noch: „Wir hatten auch über Fantasienamen, beispielsweise Waikiki, nachgedacht. Aber das sind wir nicht. Wir wollen möglichst authentisch wirken.“

Die Umbenennung erfolgt aufgrund der neuen Saunalandschaft. Erst zu Jahresbeginn war die Außensauna, mit Platz für bis zu 45 Personen, eröffnet worden. Darüber hinaus hat sich laut neuem Saunakonzept auch im Innenbereich eine Menge verändert, erklärt Christiane Müller von der Stadt. So sollen Aufgüsse aus typischen Lausitzer Pflanzen beziehungsweise Früchten angeboten werden. Darüber hinaus sei das Abspielen von Geschichten und Sagen aus Lauchhammer und der Lausitz denkbar. Nicht zuletzt könnte es Saunaabende unter dem Motto „Der Bergmann schwitzt“ geben. Auch die Bad-Gastronomie solle regionaler werden. Bereits Kultstatus besitze das „Koker-Frühstück“ in Erinnerung an die einstige Lauchhammeraner Großkokerei. „Wir wollen den Gästen ein echtes Wow-Erlebnis bieten“, bringt es Müller auf den Punkt. Dazu werde auch der Bergmannsstollen beitragen, der als optischer Hingucker vom Alt- in den Neubau leitet.

Die neue städtische Tourismusmanagerin Janine Sömisch verweist indes auf die enormen Besucherzahlen aus der Umgebung von Lauchhammer. „Zu uns kommen viele Gäste aus dem nördlichen Umland von Dresden“, erklärt die Fachfrau. Viele würden im Internet nach einer entsprechenden Bad- und Saunalandschaft in einem gewissen Umkreis suchen. Dabei stießen sie unweigerlich auf Lauchhammer. Daher sei die Bezeichnung „Am Weinberg“ nachrangig, stattdessen müsse der Stadtname hinein. Derzeit erfolgt die Gestaltung der Außenanlagen an der Freizeiteinrichtung.

In diesem Zug entsteht auch ein neuer Spielplatz. Manuela von Schroedel-Siemau rechnet für Mitte bis Ende August mit dem Abschluss der Arbeiten. Die Gesamtinvestition für Neugestaltung und Erweiterung des Bades belaufe sich auf rund 1,7 Millionen Euro. Fördermittel seien nicht eingesetzt worden. Das Hallen-Freizeitbad bedürfe eines jährlichen Zuschusses von einer halben Million Euro aus der Stadtkasse. Pro Jahr besuchen rund 85 000 Gäste die Einrichtung an der Weinbergstraße. Das Haus lädt seit dem Jahr 2000 zur Erholung ein.