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Die Radochlas schau‘ n ins Land

Von der Plattform des schiefen Aussichtsturms am Senftenberger See erschließt sich die Schönheit der 250 Hektar großen Insel. Darüber hinaus ist von hier aus auch ein wunderbarer Panoramablick auf die Seestadt möglich.
Von der Plattform des schiefen Aussichtsturms am Senftenberger See erschließt sich die Schönheit der 250 Hektar großen Insel. Darüber hinaus ist von hier aus auch ein wunderbarer Panoramablick auf die Seestadt möglich. FOTO: T. Richter-Zippack/trt1
Senftenberg. "Schau ins Land – Niederlausitzer Aussichten von Wehlaberg bis Heideblick" lautet das druckfrische Buch der ursprünglich aus Sauo stammenden Familie Radochla. Präsentiert werden 28Aussichtstürme der Region. Ob es alle sind, können die Autoren nicht sagen. Torsten Richter-Zippack / trt1

Fällt der Begriff "Aussichtstürme", dürften nicht wenige Menschen an hohe Berge, die von eleganten Bauwerken gekrönt werden, denken. Dass es auch in der recht flachen Niederlausitz eine ganze Anzahl solcher Konstruktionen gibt, wissen nur wenige. Die Verlegerfamilie Rolf und Dr. Edeltraut Radochla hat sich die Mühe gemacht, die Türme zu besuchen, zu beschreiben und in einem Buch zu präsentieren. Vor wenigen Tagen ist das 184-seitige Werk erschienen.

Insgesamt 28 Aussichtstürme zwischen den Grödner Bergen und dem Unterspreewald haben die Radochlas aufgespürt. "Wir erkunden unsere Niederlausitz gern und oft mit dem Fahrrad und lernen dabei etliche der Aussichten kennen. Dann kam das Projekt mit den Türmen für die Seiten im Senftenberger Heimatkalender ,Kippensand‘. So wurde die Idee geboren, möglichst alle öffentlich begehbaren Aussichten zu erfassen. Dazu gehören nicht nur Türme im engeren Sinn, sondern auch Hügel und Plattformen", erklärt Edeltraud Radochla.

Als einen der persönlichen Favoriten bezeichnen die am Spreewaldrand lebenden Autoren den Hörlitzer Turm. "Von seiner Plattform lässt sich der Lausitzring wunderbar betrachten", lautet die Begründung. Allerdings sei die Stahlkonstruktion bei Veranstaltungen auf der nahen Rennstrecke gesperrt. "Aus Sicherheitsgründen", wie es vonseiten der Gemeinde Schipkau am Turm heißt. Darüber hinaus biete das 27 Meter hohe Bauwerk bei klarem Wetter eine prächtige Fernsicht über den Senftenberger See bis zu den blauen Bergen der Oberlausitz. Der Hörlitzer Turm erinnere übrigens an den einstigen Wasserturm auf dem Paradiesberg, der vor nunmehr genau einem halben Jahrhundert dem Tagebau Meuro zum Opfer fiel. Fast in Sichtweite befand sich das Elternhaus der Familie Radochla. Der Autor stammt aus dem Dorf Sauo bei Meuro, das zu Beginn der 1970er-Jahre ebenfalls abgebaggert wurde.

Als eine der architektonisch ansprechendsten Aussichtsmöglichkeiten haben die Radochlas den Turm am Ostufer des Felixsees im Muskauer Faltenbogen ausgemacht. Die filigrane Holzkonstruktion wurde im Oktober 2004 eröffnet.

Neben einer ganzen Anzahl von Türmen kommen auch fernsichtreiche Höhen und Plattformen nicht zu kurz. Beispielsweise die Victoria-Höhe unweit der Großräschener IBA-Terrassen. Oder das Besucherbergwerk F 60 am Bergheider See. Nicht zu vergessen der Aussichtspunkt "Randriegel" zwischen Altdöbern und Großräschen.

Ob die Autoren alle öffentlichen Aussichtsmöglichkeiten in der Region gefunden und ins Buch aufgenommen haben, können sie nicht sagen. Besonders in Richtung des Elbe-Elster-Kreises hätten sie nur wenig gefunden. Von vornherein sei die polnische Niederlausitz ausgeklammert worden. Eigenen Recherchen zufolge haben unter anderem die Aussichtspunkte auf dem Kuhringsberg in der Calauer Schweiz, der Neu Zaucher Weinberg am Spreewaldrand sowie der Lubwartturm in Bad Liebenwerda und der Finsterwalder Wasserturm keinen Eingang ins Buch gefunden.

Dafür warten die Radochlas mit interessanten Episoden rund um die Aussichten auf. Wer weiß schon beispielsweise, dass die Türme auf dem Wehlaberg bei Krausnick und auf der Heidehöhe südlich von Gröden in ihrer eher düster wirkenden Art baugleich sind? Nicht zuletzt fehlen auch Sagen und Legenden aus der näheren Umgebung der Türme nicht.

Rolf und Edeltraud Radochla würden sich wünschen, dass die abgebrannte Holzkonstruktion auf dem Spitzen Berg bei Weißag im Lausitzer Landrücken möglichst bald durch einen Neubau ersetzt wird. Zudem sei in der südwestlichen Niederlausitz das "Turm-Netz" noch recht dünn gestrickt. Eigenen Recherchen zufolge würde sich beispielsweise eine Aussichtsmöglichkeit auf der Güterbank bei Elsterwerda anbieten. Ebenso auf der Kippe nördlich von Schwarzheide.

Das Werk "Schau ins Land" ist ab sofort im Buchhandel oder direkt beim Radochla-Verlag in Ruben zu haben. Es kostet 15 Euro.