ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 08:49 Uhr

Eine tierisch gute Therapie im Krankenhaus Senftenberg
Die Psychiatrie kommt auf den Hund

Zwei neue Klinik-Mitarbeiter auf vier Pfoten: Ergotherapeutin Christine Berthold mit ihren Therapiehunden Charly (links) und Abby auf der Station für Allgemeine Psychiatrie im Krankenhaus Senftenberg.
Zwei neue Klinik-Mitarbeiter auf vier Pfoten: Ergotherapeutin Christine Berthold mit ihren Therapiehunden Charly (links) und Abby auf der Station für Allgemeine Psychiatrie im Krankenhaus Senftenberg. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Senftenberg. Im Krankenhaus Senftenberg sind der Drahthaar-Mischling Charly und die Bulldoge Abby nun Teil des Therapiekonzepts. Von Andrea Budich

Sie laufen auf leisen Pfoten über die Klinikflure in Senftenberg. Sie horchen, schnüffeln, lassen sich streicheln, kuscheln und vor allem lassen sie Nähe zu: die zwei neuen Klinik-Mitarbeiter auf vier Pfoten. Wenn der Deutsch-Drahthaar-Mischling Charly und die Old English-Bulldoge Abby im Dienst sind, dann sind sie an ihrem roten Latz mit der Aufschrift „Teraphiehund“ zu erkennen.

Die Patienten der Psychiatrie können sich dem Charme der beiden nicht entziehen. Sie schmunzeln, streicheln die Hunde und wuscheln ihnen durchs Fell. Die beiden Hunde haben im Krankenhaus einen wichtigen Job zu erledigen: ein Lächeln in die Gesichter der Menschen zu zaubern und die Stimmung aufzuhellen. Charly und Abby gehören seit einem halben Jahr zum Personal der Psychiatrie. Das Klinikum Niederlausitz setzt immer mehr auf tierische Therapeuten. Zum Geriatrie-Team im Krankenhaus Lauchhammer gehört bereits die Mopsdame Heidi. Das Klinikum hat auch zwei Pferde im Stall. Funny und Ilano haben ihre Quartier auf dem Gelände des FamilienCampus Klettwitz.

Die Idee für die neuen tierischen Mitarbeiter im Zentrum für psychosziale Gesundheit hatte Ergotherapeutin Christine Berthold. Ihr gehören auch die beiden Stromer. Zur Kynotherapeutin hat sie sich in Berlin weitergebildet.

Charly und Abby sind zwei- bis dreimal in der Woche im Einsatz auf der Station mit 72 Betten. Inzwischen warten die Patienten schon darauf, dass die beiden Hunde anschlappen. Durch ihre psychischen Erkrankungen sehr vereinsamt, sind Charly und Abby für die meisten Patienten wahre Medizin. „Die zwei sind echte Eisbrecher. Sie bauen schnüffelnd eine Brücke, die für uns Therapeuten den Zugang zu den Patienten erleichtert“, erklärt die Ergotheraupeutin mit dem großen Herz für Tiere.

Wenn sie ihre zwei Hunde auf die Station mitbringt, dann ist das immer etwas Besonderes im Krankenhausalltag. Dabei nehmen ihre Tiere jeden so an wie er ist und holen allein mit ihrer Anwesenheit die Patienten aus der Einsamkeit.

„Tiere helfen in einem therapeutischen Prozess vor allem, in dem sie die Kommunikation erleichtern, die Stimmung aufhellen, das Wohlbefinden steigern und die Motivation erhöhen“, spart die leitende Oberärztin Dr. Larissa de la Fontaine nicht mit Lob für neuen Mitarbeiter. Vor allem Patienten, die die eigenen Gefühle nicht mehr ausdrücken können und motivationslos sind, profitieren von der tiergestützten Therapie. Selbst beim Einzelkontakt mit schwer psychotischen Menschen öffnen Charly und Abby die Herzen und geben Sicherheit. „Für schwer motivierbare und therapiemüde Patienten sind die zwei neuen Kollegen Anreiz und Motivation“, bestätigt die Oberärztin erste Erfolge. Charly und Abby sind für sie eine Bereicherung des Therapiespektrums im Zentrum für psychosoziale Gesundheit.

Der Ansatz der tiergestützten Terhapie soll auf der Psychiatrie weiterentwickelt werden. Einige Ideen dafür hat Christine Berthold bereits im Kopf. Zum einen ist da Isolde, ein flauschig-kuscheliges Bernhardiner Bernersennenhund-Baby. „Sobald Isolde alt genug für den Eignungstest als Therapiehund ist, wird sie ihren Job auf der Psychiatrie aufnehmen“, freut sich Christine Berthold auf den tierischen Zuwachs. An Kaninchen auf der Station hat die junge Therapeutin auch schon gedacht. Und dann sind da immer noch die Pferde, die sie nicht loslassen und genau genommen erst auf die Idee gebracht haben. Was ihre tierischen Assistenten zu leisten vermögen und bei den Patienten bewirken, haben Charly und Abby schon im ersten halben Jahr eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Aus dem Stationsalltag sind die zwei nicht mehr wegzudenken.