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| 17:45 Uhr

Die Oberlausitz ist auch Brandenburg

Tettau. Ist von der Oberlausitz die Rede, denken die meisten an Bautzen oder Görlitz, an das Teichland und an das Zittauer Gebirge. Dass ein Stückchen dieser historischen Landschaft auch zu Brandenburg gehört, wissen nur wenige. Dabei befindet sich der tiefste Punkt der Oberlausitz auf der Gemarkung Tettau. Dieser soll jetzt gekennzeichnet werden. Torsten Richter / trt1 trt1

Dort, wo einst die Grenzpulsnitz in die Schwarze Elster floss, findet die Oberlausitz ihr nordwestliches Ende mit 92 Metern über dem Meeresspiegel ihren tiefsten Punkt. Dieser wird jetzt markiert. Und zwar unmittelbar südlich der Elsterbrücke, über die die Straße von Lauchhammer-West nach Schraden führt. Am 23. Juni soll dort der "Oberlausitzer Grundstein" enthüllt werden. So haben es die Initiatoren vom Heimatverein Königsbrück, vom Kuratorium "Einige Oberlausitz" und von der Gemeinde Tettau festgelegt.

Die Idee zu dieser außergewöhnlichen Aktion hat Werner Lindner vom Königsbrücker Heimatverein. "Im Jahr 2010 habe ich die gesamte Oberlausitz in viereinhalb Tagen durchwandert. Und zwar vom höchsten Punkt am Tafelstein im Isergebirge bis zur Schwarzen Elster", berichtet der Heimatforscher. "Allerdings konnte mir damals niemand sagen, wo sich eigentlich der tiefste Punkt der Oberlausitz befindet. Das war mein Ansporn, nachzuforschen." Anfangs hatte Linder diese ominöse Stelle in der Nähe von Bad Muskau vermutet. Doch eine simple Überlegung führte ihn ins Brandenburgische: "Da dort die Schwarze Elster die Nordgrenze der Oberlausitz darstellt, die Pulsnitz die Westgrenze und Wasser immer bergab fließt, muss dort dieser Punkt zu finden sein." Und tatsächlich bestätigte eine Vermessung des Vorsitzenden des Tettauer Heimatvereins, Kurt Schmaler, Lindners Vermutung.

In Brandenburg selbst stößt der "Grundstein" auf großes Interesse. Insbesondere natürlich bei den Tettauern selbst. Deshalb will Bürgermeister Siegmar Petrenz auch seinen Stolz als nordwestlichste Gemeinde der Oberlausitz nicht verschweigen: "Klar sind wir etwas Besonderes im Land Brandenburg. Wir wollen Tettau als Nordwesttor der Oberlausitz noch bekannter machen." Amtskollege Jürgen Bruntsch aus Lindenau sieht sich ebenfalls als Oberlausitzer: "Mit der Niederlausitz haben wir, wie manche Leute behaupten, nichts zu tun. Allerdings muss ich sagen, dass man uns in Potsdam anscheinend weitgehend vergessen hat. Für die Landesregierung hört das Land offenbar hinter dem Spreewald auf. Dabei ist die Oberlausitz auch Brandenburg." Gemeinsam mit seinem Frauendorfer Amtskollegen Mirko Friedrich setzt sich Bruntsch dafür ein, dass der Namenszusatz "OL" Eingang auf die beiden Ortseingangsschilder findet. Bislang habe es die Oberlausitz "nur" auf die touristischen Begrüßungsschilder geschafft.

Ortrand ist dagegen in Bezug auf die Oberlausitz eine "geteilte Stadt". Denn die Pulsnitz als Grenzfluss fließt genau zwischen der Kernstadt und dem 1960 eingemeindeten Burkersdorf/OL hindurch. "Eigentlich haben wir Burkersdorfer Ortrand übernommen", sagt Stadtarchivar Reinhard Kißro schmunzelnd. Schließlich wohne neben ihm auch der Amtsdirektor in Burkersdorf, ebenso der Bürgermeister des Pulsnitzstädtchens. Laut Kißro ist das Oberlausitz-Bewusstsein nicht so intensiv ausgeprägt wie etwa um Kamenz und Bautzen. Nicht zuletzt würde den Einheimischen noch der "Tiefschlag" des Jahres 1990 im Genick sitzen. Damals hatten 97 Prozent der Einwohner für einen Anschluss an Sachsen gestimmt, der Senftenberger Kreistag dieses Bürgervotum dennoch ignoriert. Angenommen das Gebiet zwischen Schwarzer Elster und Pulsnitz wäre zum Freistaat gekommen, hätte sich ein neues, einheitliches Oberlausitzer Bewusstsein entwickeln können, glaubt Kißro.

Die einzige Brandenburger Stadt, die sich heute vollständig in der Oberlausitz befindet, ist Ruhland. "Besonders unsere ältere Generation fühlt sich als Oberlausitzer", weiß Reinhard Pfennig, Vorsitzender des örtlichen Heimatvereins. Bereits Mitte der 1990er-Jahre hatte das Gremium ein entsprechendes Schild an der Elsterbrücke am Zollhaus aufgestellt. Auch Amtsdirektor Roland Adler verspürt einen gewissen Stolz, als einziges brandenburgisches Amt komplett in der Oberlausitz zu liegen. "Dennoch fühlen wir uns keineswegs von unseren sächsischen Nachbarn getrennt. Wir führen mit den Oberlausitzern jenseits der Landesgrenze eine gute Zusammenarbeit", so Adler.

Auch OSL-Landrat Siegurd Heinze verspürt eine gewisse Freude auf das brandenburgweit einzigartige geografisch-historische Verhältnis seines OSL-Kreises. "Zudem gibt es noch viele weitere Gründe, stolz auf die Menschen und die Entwicklungen im Oberspreewald-Lausitz-Kreis zu sein. Die Tatsache, dass sich hier Nieder- und Oberlausitz begegnen, ist nur einer davon."

Zum Thema:
Der Oberlausitzer "Grundstein" wird am Sonntag, 23. Juni, um 13.30 Uhr unmittelbar südlich der Elsterbrücke der Straße von Lauchhammer-West nach Schraden enthüllt. Eine Stunde später gibt es im Tettauer Gasthof Sarodnik den Vortrag "Was man von seiner Oberlausitzer Heimat wissen sollte". Es referiert das "Oberlausitzer Original" und Buchautor Hans Klecker. Den musikalischen Rahmen bilden der Ruhlander Gesangverein 1846 sowie das Schalmeienorchester Tettau/Frauendorf. trt1