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| 01:00 Uhr

Die Kunst des Überlebens

Peickwitz.. Frank Domin ist ein Vollblut-Bauer. Das sieht man dem erfahrenen Landwirt förmlich an. Bestens genährt wirbt er schon augenscheinlich wirksam für die Bio-Erzeugnisse von Sohnemanns Hof. Und zwischen gelassener Gemütlichkeit und der schnellen Entscheidung bleibt auch noch Muße für einen guten Schuss deftigen Humor. Nein, zimperlich ist der Peickwitzer nicht. Als Wiedereinrichter hat er gelernt, sich im schweren Geschäft durchzuboxen. Von Kathleen Weser

Mit immer neuen Ideen. Als Produktionsleiter in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Guteborn hatte er noch kurz vor der Wende die Schulbank gedrückt. Doch die Fusion von Pflanzen- und Tierproduktion, die damals schon anlief, hat den Bauern sein neues Wissen unter alten Vorzeichen nicht mehr in die Praxis umsetzen lassen. Der Pflanzenwirt gründete nach dem Umbruch ein Lohnunternehmen. Doch aus Mangel an Aufträgen in der Zeit der Neuorientierung in der Landwirtschaft konnten Domin und seine Mannen ihr täglich Brot damit nicht mehr verdienen.

Ohne Beihilfen läuft (fast) nichts
„Im Nebenerwerb habe ich begonnen, mir mit dem Hof eine Existenz aufzubauen“ , blickt Frank Domin zurück. Und das nicht unzufrieden. Denn Schritt für Schritt brachte er den Einzelbetrieb in Schwung. „Angefangen haben wir mit der Pflanzenproduktion“ , erzählt er. Aus gutem Grund: Die Beihilfen werden nur auf die Fläche bezogen gezahlt. Die landwirtschaftlichen Unternehmen der Region erzielen gut die Hälfte ihrer schmalen Einnahmen aus dem Topf für „Ausgleichszahlungen für entgangene Gewinne“ . Eine Folge der gigantischen Überproduktion in Europa und der Welt. Denn die Erzeugerpreise sind für Grund-Nahrungsmittel so niedrig, dass ein Landwirt unter Marktbedingungen vom Erlös allein einfach nicht leben und nicht sterben kann. Schweine- und Rindfleisch, das im Geschäft für zehn bis 15 Euro pro Kilogramm übern Ladentisch geht, bringt dem Bauern zwischen 1,50 bis 2,10 Euro pro Kilo. Der Stundenlohn in der hiesigen Landwirtschaft liegt bei sechs Euro. Mit den Subventionen für die Feld- und Wiesen-Bewirtschaftung muss der Bauer teilweise auch die geringen Einnahmen aus der Tierhaltung ausgleichen.

Vermarktung über Hofladen
Trotzdem setzen Frank und Thomas Domin aus Peickwitz auch auf die Fleischproduktion. Sie haben eine Mutterkuhhaltung aufgebaut. Hühner, Gänse und Enten gehören zum Betrieb. Im eigenen Hofladen werden die frischen Erzeugnisse vermarktet. „Hauptsächlich durch Mundpropaganda im wahren Sinne des Wortes bringen wir Fleisch und Wurst an die Kunden“ , erzählt Frank Domin schmunzelnd. „Mich freut, dass neben den Einheimischen auch viele Urlauber vom Senftenberger See in der Grillsaison nicht an unserem Hofladen vorbeikommen. Wir zählen Dresdener zu unseren Kunden, die gleich auf dem Weg zum Wochenend-Domizil bei uns anhalten, um einzukaufen.“
Der Familienbetrieb hat auch nach der Schließung der Landfleischerei der Biehlener Agrargenossenschaft einen größeren Zuspruch zu verzeichnen.

Neue Standbeine im Aufbau
Zwei neue Standbeine schaffen die Domin-Landwirte derzeit für den bäuerlichen Betrieb. „Um die vorhandenen Arbeitsplätze zu sichern“ , betont der Senior. „Denn neue können wir unter den immer schwieriger werdenden Bedingungen leider nicht schaffen“ , bekräftigt er. Ferien auf dem Bauernhof sollen demnächst angeboten werden. Die Pension wird schon gebaut. Außerdem will das Duo, das vier Landarbeiter voll und eine Teilzeitkraft beschäftigt, auch ein Biomassekraftwerk errichten. „Mit dem Verwerten von nachwachsenden Rohstoffen wollen wir einen neuen rentablen Produktionszweig aufbauen“ , erklärt Frank Domin.

Zum Thema Landpartie und Volksfest
 Im Rahmen der „Brandenburger Landpartie“ , die mit dem Fest-Wochenende der 550-Jahrfeier von Peickwitz vom 9. bis 12. Juni zusammen fällt, präsentieren Domins am Sonnabend die eigens produzierten Gaumenfreuden und den Hof. Zum Frühstück ist schon ab 8.30 Uhr eingeladen. Ab 10 Uhr gewähren die Landwirte rundum den Einblick in ihre Arbeit. Neugierigen wird auch ermöglicht, in die Ställe zu schauen. Angebote für die Kinder unterbreitet der Dorfklub. Am Sonntag findet auf dem Domin-Hof ein Treffen ehemaliger LPG-Mitglieder aus dem Altkreis Senftenberg statt.