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| 13:17 Uhr

Neues Projekt in Schipkau
Krügersmühle soll ein Prachtstück werden

Blick auf das ruinöse Hauptgebäude der Schipkauer Krügersmühle.
Blick auf das ruinöse Hauptgebäude der Schipkauer Krügersmühle. FOTO: Richter-Zippack
Schipkau. Der neue Eigentümer der ruinösen Krügersmühle bei Schipkau plant einen Wohnpark für Senioren und Studenten. Von Torsten Richter-Zippack

Die Krügersmühle hat wahrlich schon bessere Tage gesehen. Das Ensemble östlich von Schipkau, eingeklemmt von der Pößnitz und der Autobahn, befindet sich im Dornröschenschlaf. Der sechsteilige Gebäudekomplex verfällt, ein Schild weist auf die Einsturzgefahr hin. Im näheren Umfeld stehen ein paar Pferde. Und ohnehin: Wer den Weg nicht genau kennt, findet kaum zum Mühlenensemble. Denn obwohl es sich direkt an der Autobahn und nur einen Steinwurf von der Landesstraße 55 Schwarzheide - Klettwitz befindet, ist der Komplex aufgrund des dichten Mischwaldes kaum sichtbar.

Jetzt soll wieder Leben in die Mühle einziehen. Das plant zumindest der neue Eigentümer Ernst Stange. Der Heizungs-, Sanitär- und Metallbau-Unternehmer vom Bodensee hat das komplette Anwesen kürzlich erworben. „Ein wunderbares Objekt“, schwärmt der 55-Jährige, in dessen Firma 15 Mitarbeiter in Lohn und Brot stehen. Er will die sechs zur Mühle gehörenden Gebäude umfassend sanieren. Und dann? „Entsteht dort ein neues soziales Wohnprojekt“, kündigt Stange an. „Insgesamt rund 50 Senioren und Studenten können in einer Gemeinschaft leben. Die jungen Leute bekommen preiswerte Unterkünfte und helfen im Gegenzug den Älteren“, präsentiert Stange seinen Plan. Im günstigsten Fall könnten alle Pflegestufen in der Krügersmühle heimisch werden. Bei den Studenten denkt der Unternehmer in erster Linie an die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg. Die Studienstadt Senftenberg sei von Schipkau auch per Fahrrad schnell erreicht. Ein ähnliches Projekt setzt Ernst Stange mit einem Kollegen bereits in seiner Heimat um. Das sei erfolgversprechend.

Genügend Platz ist an der Krügersmühle jedenfalls vorhanden. Fast zehn Hektar Land gehören dazu. Mittelfristig kann sich Ernst Stange den Kauf weiterer Flächen vorstellen. „Die benötige ich, um die sehr nahe Autobahn von der Mühle abzuschirmen“, lautet seine Erklärung. Darüber hinaus habe der Investor Bedenken, der ebenfalls nicht weit entfernte Lausitzring könne für Lärm sorgen. Aber erst kürzlich hat die Dekra als neue Eigentümerin der kompletten Rennstrecke klargestellt, dass dort künftig keine größere Geräuschkulisse als im normalen Straßenverkehr entstehe. „Auf jeden Fall verwandele ich die Krügersmühle zu einem echten Prachtstück“, sagt Ernst Stange. „Dafür steht mein Name.“

In Wald südlich der Krügersmühle befindet sich das Grab des von den Russen ermordeten Müllers Traugott Noack (1897 - 1945).
In Wald südlich der Krügersmühle befindet sich das Grab des von den Russen ermordeten Müllers Traugott Noack (1897 - 1945). FOTO: Richter-Zippack

Allerdings dürften die Bauleute nicht morgen und auch nicht übermorgen anrücken. „In den Jahren 2018/2019 wird an der Mühle relativ wenig passieren“, sagt der Investor. Der Grund? „Ich bin derzeit beruflich noch sehr stark eingebunden. Aber mittelfristig wird mein Sohn die Firma übernehmen, dann stecke ich alle Kraft in die Mühle.“ Eigentlich schon immer verfüge Stange über eine soziale Ader, wie er sagt. Anderen zu helfen, sei für ihn selbstverständlich.

Warum es den Unternehmer vom Bodensee ausgerechnet in die Lausitz zieht? „Ich war schon zu DDR-Zeiten beruflich viel im Osten unterwegs. Und die Lausitz gefällt mir wegen ihrer Seen ausgesprochen gut. Besonders der Senftenberger See hat es mir angetan.“ Über das Internet sei er auf die Verkaufsofferte der Krügersmühle gestoßen. Letztendlich habe es geklappt. Voraussichtlich diesen Sommer wolle Stange wieder nach Schipkau kommen und dann dem Bürgermeister seine Pläne präsentieren. Der Baden-Württemberger könne sich sogar vorstellen, gänzlich in die Lausitz zu ziehen: „Why not?“ Wie viel Geld Ernst Stange in die Krügersmühle investieren will, werde noch genau berechnet. Daher könne er bislang keine Summen nennen.

Die Krügersmühle an der Pößnitz wurde nach Angaben von Martin Konzag von der Gemeinde Schipkau bereits im Mittellalter erwähnt. Zu dem Anwesen gehörte erheblicher Grundbesitz. Am Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte ein massiver Ausbau. Damals entstand ein kleiner Betrieb mit eigener Bäckerei und Sägewerk. Einen massiven Einschnitt bildete der Bau der Autobahn Ende der 1930er-Jahre. Der damalige Krügersmüller Traugott Noack setzte den Bau einer Holzbrücke über die Fernstraße durch, damit die Schipkauer die Mühle weiter erreichen konnten. Diese Überführung hatte bis Mitte der 1970er-Jahre Bestand. Noack soll am 23. April 1945 von russischen Soldaten erschossen worden sein. Sein Grab befindet sich bis heute im Wald südlich der Mühle. Zu DDR-Zeiten folgte der Niedergang des Ensembles. Im Sommer 1959 erfolgte die Einstellung des Betriebes. Durch den Bergbau erhielt die Pößnitz ein neues Bett, sodass die Mühle nicht mehr direkt am Wasser lag. Letzter Eigentümer vor dem jetzigen Verkauf war eine Schipkauer Familie.