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Die Kirchturmuhr Berta ist in der Region einmalig

Noch ist da Hoffnung für die alte Berta in Senftenberg.
Noch ist da Hoffnung für die alte Berta in Senftenberg. FOTO: str1
Senftenberg. Sympathie-Bekundungen für Berta, der wegen Ruhestörung angezeigten Kirchturmuhr der katholischen Kirche in Senftenberg, lassen den Draht ins Pfarramt glühen. Auch Uhrmachermeister Karl-Heinz Schlodder, der in der Lausitz praktisch jeden Zeitmesser kennt, nimmt Anteil am Schicksal der höchst seltenen Uhr. Kathleen Weser

Mechanische Turmuhren der Bauart der etwa 100 Jahre alten Berta der katholischen Peter und Paul-Kirche Senftenberg sind ganz selten geworden. "In der Region ist weit und breit keine Zweite mehr zu finden", erklärt Karl-Heinz Schlodder, der Lausitzer Experte für alte Zeitmesser. Nur in Müllrose bei Beeskow sei ihm noch eines der mechanischen Uhrwerke des Traditionsunternehmens Philipp Hörz aus Ulm, das Weltruf genießt, bekannt. Vor 25 Jahren habe die Uhr aber schon still gestanden. Und Karl-Heinz Schlodder vermutet, dass sie längst nicht mehr schlägt. Dem Meister des Uhrmacherhandwerks, der vor allem auch in Südbrandenburg an den alten Groß- und Turmuhren mit mechanischen Antrieben dafür sorgt, dass ein Zahnrad noch immer akkurat ins andere greift, bedauert die Lärmbeschwerde über die Senftenberger Rarität. Er drückt den Mitgliedern der Kirchengemeinde und den Anwohnern, denen der Stundenschlag lieb ist, die Daumen dafür, dass Turmuhr Berta die aktuellen Turbulenzen überlebt und wie bisher weiter arbeiten darf.

Das wird immer seltener. Die Zeiger der ältesten mechanischen Uhr im Raum Senftenberg auf Schloss Lindenau stehen still. Das bedauert Karl-Heinz Schlodder einerseits, weil sie wertvoll ist - aber auch, weil diese Uhr einen Abschnitt seines Lebens begleitet hat. Der Cottbuser Uhrmachermeister ist im Kinderheim, das zu DDR-Zeiten im Schloss untergebracht war, aufgewachsen. Mit dem halben und vollen Stundenschlag. "Und ich habe schöne Erinnerungen an diese Zeit", versichert er. Auch Marga hat eine schöne Kirchturmuhr. Und der kleine Zeitmesser am Zechenhaus, im Volksmund die Waschkaue, im Industriepark schlägt leise zur vollen Stunde. Diese mechanischen Uhrwerke sind Meisterleistungen, die erhaltenswert sind, betont Schlodder.

Den Hammer von wertvollen Schlagwerken zur Nachtzeit aufzuhalten, ist schwierig. Mit Elektromagneten ist der Zeitschlag bisher vielfach gestoppt worden. Doch die Brandgefahr im Kirchturm ist zu groß.

Karl-Heinz Schlodder will von Bertas Uhrwerk nun unbedingt auch für sein Archiv die Vorder- und Rückansicht mit dem originalen Firmenschild der Firma Philipp Hörz Ulm haben, damit die Geschichte der Zeit bewahrt wird - am liebsten aber in Senftenberg weiter lebendig bleibt.