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Die Kirche der Dörrwalder

Von den Dörrwaldern gebaut: die Kirche. Das schon dem Bergbau geopferte Dorf hat um das Gotteshaus hart und erfolgreich gerungen.
Von den Dörrwaldern gebaut: die Kirche. Das schon dem Bergbau geopferte Dorf hat um das Gotteshaus hart und erfolgreich gerungen. FOTO: str1
Dörrwalde. Zum Michaelisfest im Jahr 1767 ist die Dörrwalder Kirche eingeweiht worden. Am heutigen Tag ist das genau 250 Jahre her – und für das Dorf mit den rührigen Leuten am Wochenende ein Grund zum Feiern. Kathleen Weser

Denn das Gotteshaus ist allein das Werk der Dörrwalder.

Der lange Fußmarsch zur Kirche nach Senftenberg und Großrä schen hatte den Einwohnern des beschaulichen Dörfchens ein Problem beschert: Nur wenige der Gaben für die Konfirmanden überstanden den Weg zurück. Daheim kam so gut wie nichts mehr an. Das ist in der Chronik überliefert. Die Bauern haben deshalb vereint die Groschen zusammen- und Hand angelegt: für die eigene Kirche.

Martin Sebischka hat auf dem Boden seines Hofes das Buch zur 300-Jahrfeier der Evangelischen Kirche Groß Räschen gefunden. Darin ist auch dokumentiert, dass einer seiner Vorfahren das Gotteshaus für das Dorf mit auf den Weg gebracht hat. "Den Verwandtschaftsgrad kenne ich nicht. Das ist in der Familiengeschichte nicht überliefert", erzählt der Dörrwalder. Und um sein Engagement für das Heimatdorf macht auch er keine großen Worte. Das liegt offensichtlich in den Genen der Alteingesessenen. Bis heute "ist selbstverständlich, dass sich Nachbarn helfen und auch im Dorf mit angepackt wird", stellt Martin Sebischka fest. Mit Ehefrau Barbara ist er Rückkehrer. Denn Dörrwalde war bereits dem Kohletod geweiht. Die Wende stoppte den vorrückenden Tagebau. Sebischkas haben dem Zahn der Zeit, der bis dato ungehindert am alten Bauerngehöft nahe der Mühle genagt hat, Einhalt geboten. Heute leben drei Generationen auf dem gepflegten Anwesen. Auch zwei Enkelkinder wachsen hier mitten im Grünen auf.

1867 - zur 100-Jahrfeier der Dörrwalder Kirche - sind die Teschner-Orgel und eine Glocke eingeweiht worden. Auch dafür hat die Kirchengemeinde gesorgt. Die große Bronzeglocke und 27 Prospektpfeifen der Orgel wurden 1917 zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Die kleine Glocke des Geläuts, in Kleinwelka bei Bautzen gegossen, wurde nicht geopfert - sondern friedlich für 5000 Mark an die Gemeinde Wendisch Lieske verkauft.

Renate Kupsch und Martin Großmann haben beste Sicht auf die alten Glocken, die liebevoll vor der Kirche platziert sind. Das Paar lebt im Haus gegenüber. Und Martin Großmann schreitet mit der Einbürgerung in Dörrwalde, die nicht sehr schwer ist für Leute mit Gemeinschaftssinn, täglich zur Tat: Er lässt frische Luft in die Räume hinter den alten Kirchenmauern. "Die Feuchtigkeit muss raus. Das ist auch gut für die Orgel", bestätigt der Kamenzer und Wahl-Dörrwalder, der die Aufgabe im Dorf ganz still übertragen bekommen hat. Das ausdrückliche Lob eines Sachverständigen für die Königin der Instrumente bestätigt: Die Frischluft ist gut für die Pfeifen. Und Renate Kupsch ist dafür bekannt, couragiert mit anzupacken, wenn helfende Hände gebraucht werden. "Das ist hier einfach schon immer so", bestätigt auch sie.

Nachdem das Dorf 1993 mit der amtlichen Auskunft, Dörrwalde bleibt vom Bergbau verschont, wieder eine Zukunft bekam, hat der Gemeindekirchenrat beschlossen: Die Kirche wird saniert. Damit beginnt das zweite Lebenswerk der Dörrwalder an ihrem Gotteshaus. Dach und tragende Decken werden erneuert, die herrlichen Bleiglasfenster saniert, die Kirchentüren und der Außenputz folgen. 1999 findet im Mai die erste Trauung nach 30 Jahren statt. Der eingehauste Altar wird wieder freigelegt. Neben den zwei Engeln sind Moses mit den Gesetzestafeln und Johannes der Täufer zu sehen.Und die Dörrwalder wachsen weiter über sich hinaus: Es gelingt auch, den eingestürzten und dann abgetragenen Kirchturm wieder aufzubauen. Alles gute Grüne zu feiern.

Martin und Barbara Sebischka leben gern in Dörrwalde. Der große Hof nahe der alten Mühle macht viel Arbeit, aber auch Freude. Christian Sebischka, wahrscheinlich der Urgroßvater des Hausherren, ist unter den Mitstreitern zu finden, die vor 251 Jahren den Plan für die eigene Dorfkirche schmiedeten.
Martin und Barbara Sebischka leben gern in Dörrwalde. Der große Hof nahe der alten Mühle macht viel Arbeit, aber auch Freude. Christian Sebischka, wahrscheinlich der Urgroßvater des Hausherren, ist unter den Mitstreitern zu finden, die vor 251 Jahren den Plan für die eigene Dorfkirche schmiedeten. FOTO: str1
Renate Kupsch und Lebenspartner Martin Großmann leben im Haus gegenüber der Kirche. Für das Paar ist es selbstverständlich, frische Luft in das Gotteshaus zu lassen und zu helfen. Große Worte darum mögen beide nicht. "Das ist schon seit Generationen so", sagt sie bescheiden.
Renate Kupsch und Lebenspartner Martin Großmann leben im Haus gegenüber der Kirche. Für das Paar ist es selbstverständlich, frische Luft in das Gotteshaus zu lassen und zu helfen. Große Worte darum mögen beide nicht. "Das ist schon seit Generationen so", sagt sie bescheiden. FOTO: Kein Fotograf erkannt!