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| 09:08 Uhr

Die K-Frage beschäftigt die Senftenberger

Etwa 500 Gäste aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik folgen der Einladung zum Neujahrsempfang nach Senftenberg.
Etwa 500 Gäste aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik folgen der Einladung zum Neujahrsempfang nach Senftenberg. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Wer soll Kreisstadt werden in einem möglichen Niederlausitzkreis? Senftenberg, sagt der OSL-Landrat, wenn auch nicht direkt. Siegurd Heinze, parteilos, ergreift beim Neujahrsempfang Partei für seine Heimat. Er sorgt auch für die Lacher am Mittwochabend. Rund 500 Gäste spenden Applaus. Jan Augustin

Mit einer Prise Humor können Neujahrsreden mitunter ernste Themen so erklären, dass die Leute ihren Inhalt verstehen. In Anlehnung an Luthers Weisheit "Ihr müsst hören, wie die Leute bei euch sprechen, müsst so reden, dass die Leute euch verstehen", versucht sich an diesem Sprichwort auch Landrat Siegurd Heinze am Mittwochabend beim gemeinsamen Neujahrempfang von Landkreis und Sparkasse Niederlausitz. Die rund 500 geladenen Gäste lauschen gespannt, nicken mal, spenden ihm Applaus und lachen hin und wieder. Siegurd Heinze erzählt von einem "erfolgreichen Jahr 2016" mit einigen Rekorden. Die Arbeitslosenquote ist auf Rekordtief, sagt er. Besucherbestwerte erzielen die Neue Bühne und die kreisweiten Museen in Senftenberg und Lübbenau, zählt er stolz auf und erntet Beifall. Zum Tourismus: "Im Spreewald boomt es. Auch das Lausitzer Seenland hat Zuwächse."

Um seine Rede zu untermalen, nutzt der Landrat eine Powerpoint-Präsentation. Das RUNDSCHAU-Baby der Woche samt Mutter lächeln von der Wand im festlich geschmückten Saal der Sparkasse, in dem insgesamt 6000 kleine Gourmethäppchen auf ihren Verzehr warten.

Unfreiwillig sorgt Siegurd Heinze nun für die ersten Lacher - als er eher beiläufig erwähnt, dass die junge Mutter übrigens seine Nachbarin sei. Als er die Anspielung versteht, die ihm das feixende Publikum unterstellt, sagt er: "Das hätte ich vielleicht doch nicht sagen sollen."

Später stellt er die K-Frage. K wie Kreisstadt. Der Verwaltungsexperte begibt sich auf sicheres Terrain. Das Thema ist wieder ernst. "Der Niederlausitzkreis soll die Landkreise SPN, EE, OSL und die kreisfreie Stadt Cottbus flächenmäßig umfassen", erklärt er einführend. Die Folge: 435 000 Einwohner, 4945 Quadratkilometer, etwa 3000 Mitarbeiter und ein Haushaltsvolumen von rund einer Milliarde Euro. Durchatmen, auch bei den Gästen. Lässt sich das Land von den Ergebnissen der Volksinitiative beeindrucken, "lässt man das Vorhaben vielleicht gänzlich fallen?". Antworten werde es in den kommenden sechs Monaten geben.

Der Landtag werde sich auch mit der Frage nach der künftigen Kreisstadt befassen müssen. Welche Eigenschaften diese in jedem Fall haben müsse, zählt er dann auf. Sie sollte eine der größten Städte in Südbrandenburg sein, einen wirtschaftlichen Schwerpunkt bilden, eine gute Infrastruktur haben mit Autobahnanschluss und Bahnhof. "Für Kultur wäre ein Theater mit einer Sommerspielstätte für den Außenbereich ein Highlight." Heinze spielt auf das Amphitheater an. Eine Kreisstadt müsse zudem eine universitäre Einrichtung haben, einen ordentlichen Haushalt, also mit Geld umgehen können, und jedes Jahr in die Infrastruktur investieren.

Und wenn es bis hierhin nicht klar ist, dann jetzt: "Für den Sommer ein Gewässer zum Baden, im Winter wäre eine Skihalle ideal. Ein staatlich anerkannter Erholungsort wäre auch ein Aspekt. Wenn es dann, ja, wenn es unweit der City noch einen Hafen gäbe, wäre die Kreisstadt perfekt." Nur eine Stadt erfülle diese Kriterien, sagt er und fordert das Publikum auf: "Es ist?"

Eine Frau aus der Mitte traut sich als Erstes: "Lübbenau", ruft sie und bringt den Saal in Wallung.