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Die Igel-Retterin aus Schwarzheide

Igel-Mama Dr. Brigitte Saffert hat die abgemagerten Babys in fünf Wochen zu kerngesunden Kerlchen aufgepäppelt. Als die Ärztin die Igel in ihre Obhut übernahm, brachten sie nur zwischen 45 und 55 Gramm auf die Briefwaage. Die Welpenaufzuchtmilch nuckelten sie zweistündlich aus einer Injektionsspritze. Anfangs schafften sie bei einer Mahlzeit höchstens zwei Milliliter.
Igel-Mama Dr. Brigitte Saffert hat die abgemagerten Babys in fünf Wochen zu kerngesunden Kerlchen aufgepäppelt. Als die Ärztin die Igel in ihre Obhut übernahm, brachten sie nur zwischen 45 und 55 Gramm auf die Briefwaage. Die Welpenaufzuchtmilch nuckelten sie zweistündlich aus einer Injektionsspritze. Anfangs schafften sie bei einer Mahlzeit höchstens zwei Milliliter. FOTO: Budich
Schwarzheide. Für ihren Zweitjob schlägt sich die Allgemeinmedizinerin Dr. Brigitte Saffert auch Nächte um die Ohren und zieht im 2-Stunden-Rhythmus Welpenaufzuchtmilch auf eine Injektionsspritze. Ihre Patienten sind stachelige Winzlinge, ausgehungert, unterkühlt mit nicht einmal 50 Gramm Gewicht. Andrea Budich

Dass in der Stadt eine ausgewiesene Igel-Expertin lebt, hat sich inzwischen herumgesprochen. Ihre kleinen Patienten kommen daher nicht nur aus der unmittelbaren Nachbarschaft in der Schwarzheider Heimstättenstraße, sondern bis aus Ruhland und Lauchhammer. In den meisten Fällen sogar auf Empfehlung von Tierärzten, die gleichfalls wissen, dass Dr. Brigitte Saffert hilflosen, verwaisten und kranken Meckis hilft. 18 Igel in einem Winter - das war bisher der Rekord im Schwarzheider Igel-Hospital. In diesem Herbst sind es sechs Igelkinder.

Der Hilferuf kam diesmal aus Guteborn. Eine Igelmutter war plötzlich über Tage nicht mehr auf einem Hof aufgetaucht. Die hilflosen sieben Igelbabys drohten zu verhungern. Weil die nächste Igel-Auffangstation erst in Berlin zu finden ist, kam erneut die 77-jährige Igel-Spezialistin aus Schwarzheide ins Spiel. In einem Körbchen holt sie die Winzlinge in ihr Heim nach Schwarzheide. Die abgemagerten Igelkinder sind da zwischen einer und zwei Wochen alt, schon stachelig, aber zahnlos, unterkühlt und völlig abgemagert. Höchstens 55 Gramm brachten sie auf die Briefwaage.

Auch wenn sich Brigitte Saffert über viele Jahre in Sachen Igel aufzucht schlau gemacht hat und über einen großen Erfahrungsschatz verfügt, waren die abgemagerten Igelgeschwister ein besonders schwerer Notfall. Tipps holt sich die Igel-Mama von Experten der Berliner Auffangstation. Und zugute kommt ihr auch die Ausbildung zur Säuglingsschwester vor ihrem Medizinstudium. Im 2-Stunden-Rhythmus bekommen die Babys Welpenaufzucht- und Katzenkindermilch - aufgezogen auf eine Injektionsspritze. Für eine Futterrunde braucht die Ärztin anfangs eine Stunde. Damit die kleinen Kerlchen es warm haben, schiebt Brigitte Saffert eine Wärmeplatte unter den Käfig. Weil die Babys zu klein sind, um sie mit Chemie zu behandeln, liest sie Flöhe und Zecken mit einer Pinzette ab. Ein Igel-Junges war trotz des Einsatzes nicht mehr zu retten.

Die restlichen sechs gedeihen prächtig. Morgens heißt es immer Antreten zum Wiegen. Zunächst auf einer Briefwaage, mit zunehmendem Gewicht auf der alten Küchenwaage. Die zeigt inzwischen ein gutes Pfund für den kräftigsten Burschen an. Kein Wunder bei der Rund-um-Versorgung von Brigitte Saffert. Drei- bis viermal am Tag gibt es ein Schüsselchen Milch und zum Mampfen eine ordentliche Portion im Futternapf. Dafür zerdrückt die Igel-Mama Katzenfutter aus der Dose, Igel-Trockenfutter, ein Ei, Futterkalk und Vitaminsaft. Die Kraft-Rationen haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Sobald es draußen etwas wärmer ist, will Brigitte Saffert ihre Stachelbande ins Igelhaus draußen im Garten auswildern.