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Rundschau-Serie Ehrenamt im Oberspreewald-Lausitz-Kreis
Die guten Seelen der Hörlitzer Heimatfreunde

Für Frank Michael Burghardt (l.) und Dietmar Seidel (r.) gibt es in der Heimatstube der Interessengemeinschaft Heimatverein Hörlitz immer etwas zu tun. Das Rad der Geschichte bleibt auch im beschaulichen Hörlitz nicht stehen. ..
Für Frank Michael Burghardt (l.) und Dietmar Seidel (r.) gibt es in der Heimatstube der Interessengemeinschaft Heimatverein Hörlitz immer etwas zu tun. Das Rad der Geschichte bleibt auch im beschaulichen Hörlitz nicht stehen. .. FOTO: Uwe Hegewald
Hörlitz. Ohne Ehrenamt wäre das Leben in der Region nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken werden deshalb jedes Jahr einige verdienstvolle Bürger aus dem Landkreis OSL ausgezeichnet. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Frank Michael Burghardt (Hörlitz). Von Uwe Hegewald

Einen Ehrenamtler als Schlingel zu bezeichnen, ist zwar nicht die feine Lausitzer Art. Bei Frank Michael Burghardt ist das aber schon ein wenig gerechtfertigt. Der Hörlitzer zog es vor, die zurückliegende Auszeichnungsveranstaltung von Landkreis und Sparkasse Niederlausitz zu schwänzen. Trotz schriftlicher Einladung. „Das wäre allen anderen gegenüber unfair“, begründet der 74-Jährige seinen Verzicht. Bei „allen anderen“ handelt es sich um die derzeit 15 Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) Heimatverein Hörlitz.

In den Augen von Frank Michael Burghardt wäre eine Teilnahme auch einer Ohrfeige gegenüber denjenigen gleichgekommen, die seit Ewigkeiten in Hörlitz lebten. Seit dem Millenniumsjahr 2000 wohnt er mit seiner Dorothea in dem Ortsteil der Gemeinde Schipkau. Davor lebte er in Dahme (Mark), wo er aufgewachsen ist, sowie in Anklam und Senftenberg. „Ich war der erste Mieter am Senftenberger See“, erzählt er und begründet das mit dem Erstbezug des neu erbauten Wohnblockes 1967 an der Greifswalder Straße 3. Bevor er und sein „Dorchen“ den freien Blick auf den Muttersee des Lausitzer Seenlandes genießen durften, befand sich das Quartier des Eisenbahners in dem berüchtigten Senftenberger „Bullenkloster“.

In Hörlitz knüpfte Burghardt dann ziemlich schnell Kontakt zum Heimatverein, der durch seine Ausrichtung überzeugte: Historie pflegen, aber auch über den sprichwörtlichen Tellerrand schauen und sich an Neuem erfreuen. Dietmar Seidel kennt die Entwicklung von Hörlitz aus dem Effeff. Das Interesse für seinen Heimatort habe er von seinem Vater Emil übernommen, wie 1970 auch die private Maler-Firma. „Im Ort gibt es nur wenige Wohnungen, in denen ich nicht gemalert oder tapeziert habe“, blickt der heute 85-Jährige zurück. Das Wissen, das ihm bei seinen „Hausbesuchen“ zugetragen wurde, eigene Erfahrungen und das, was Vater Emil bei den am DDR-Kulturbund angeschlossenen Natur- und Heimatfreunden gesammelt hat, bilden heute den Grundstock für die Interessengruppe Heimatverein Hörlitz.

„Dietmar Seidel ist zweifellos die Seele unserer Gruppe“, stellt Frank Michael Burghardt klar. „Wären wir ein eingetragener Verein, würde ihm zweifellos die Rolle des Vorsitzenden zustehen“, so der Wahl-Hörlitzer. In der IG herrsche eine flache hierarchische Organisationsstruktur, bei der verstärkt auf Eigeninitiative und -verantwortung gesetzt wird. „Jeder bringt sich nach seinen Möglichkeiten ein“, erklärt Burghardt, der sich beispielsweise beim Organisieren von Ausflügen nützlich macht. Der Findlingspark Nochten, die Königsbrücker Heide und das Kloster Sankt Marienstern in Panschwitz-Kuckau (Oberlausitz) zählten bereits zu den Reisezielen, wie auch der Wörlitzer Park und die Spreewald-Konserve Rabe in Boblitz. Auf heimischem Terrain sind es Frauentagsfeiern, Ortsrundgänge oder DVD-Vorführungen. „Wir wollen zeigen, was sich im Ort alles verändert hat“, begründet Dietmar Seidel das akribische Zusammentragen von Material. Rund 30 DVDs umfasst der aktuelle Bestand und ständig kommen neue Ausarbeitungen hinzu. „Das spricht die Leute an“, sagt Frank Michael Burghardt. Inzwischen habe es sich als empfehlenswerte Idee erwiesen, DVD-Vorführungen als Einstieg zu Klassentreffen anzubieten. Zumindest auf Fotos ist die einstige Hörlitzer Schule noch zu sehen, die 2005 abgerissen wurde.

Apropos Abriss und Fotos: Die IG Heimatverein Hörlitz verfügt über einen umfassenden Fundus von Bilddokumenten, darunter Aufnahmen von den Hörlitzer Gebäuden, die der Braunkohle weichen mussten sowie Luftaufnahmen. Frank Michael Burghardt weiß, wem das Dorf die inzwischen historischen Fotografien zu verdanken hat: „Dietmar Seidel und unserem inzwischen verstorbenen Herbert Jurk, der für die Aufnahmen aus der Vogelperspektive eigens in eine Kran-Gondel gestiegen ist.“ Auf denen sei zu sehen, von wieviel Grün Hörlitz doch umgeben ist.

Als besonders sehenswert erweisen sich die lebendigen Bilder der DVD-Sammlung, wie zu den 550-Jahrfeierlichkeiten (1997), wo der Heimatverein die Federführung des Festumzugs übernommen hatte oder die komplette Kita-Bau-Geschichte – vom ersten Spatenstich bis zum unvergessenen Umzug: Knirpse mit ihren Spielgeräten und in Begleitung von Eltern und Großeltern in „tragenden Rollen“.

Schon bald könnte die Interessengemeinschaft Heimatverein Hörlitz selbst von einem Umzug betroffen sein. Wie Frank Michael Burghardt und Dietmar Seidel berichten, habe eine Privatperson Interesse am Kauf der Hörlitzer Turnhalle signalisiert, wo sich im Obergeschoss die Heimatstube befindet. „Seitens der Gemeinde Schipkau ist uns aber bereits mündlich zugesichert worden, dass wir bei einem Verkauf des Gebäudes ein anderes Domizil zugewiesen bekommen“, versichert Dietmar Seidel.