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| 14:40 Uhr

Ausstellung im Schloss Senftenberg
Die große Welt im Kleinformat

Zu den Attraktionen, die Ausstellungs-Kurator Tom Fehrmann und Museumssprecherin Jenny Linke präsentieren, zählt auch ein Modell der Schlossfestung, die der Österreicher Herbert Mühlöcker aus Lego-Steinen nachgebaut hat.
Zu den Attraktionen, die Ausstellungs-Kurator Tom Fehrmann und Museumssprecherin Jenny Linke präsentieren, zählt auch ein Modell der Schlossfestung, die der Österreicher Herbert Mühlöcker aus Lego-Steinen nachgebaut hat. FOTO: Uwe Hegewald
Senftenberg. Willkommen im Reich der Miniaturen heißt es im Schloss Senftenberg. Ein Österreicher hat für die neue Ausstellung den Senftenberger Stadthafen mit Legosteinen nachgebaut. Von Uwe Hegewald

Wer wissen möchte, wie das Fesselflugmodel „Kuki“ aussieht, was sich hinter einer Geduldsflasche, einem Buckelbergwerk oder einer Blocksonnenuhr verbirgt, der sollte demnächst einen Besuch des Museums im Senftenberger Schloss/Festung in Erwähnung ziehen.

„Die große Welt in XXS – Von der Faszination, die Welt im Kleinen abzubilden“ lautet der Titel der Sonderausstellung. Besucher können sich auf eine spannende, bezaubernde und kurzweilige Reise durch eine Welt im Hosentaschenformat freuen. „Mit Modellanlagen, Dioramen, Einzelmodellen, Miniaturen oder ganzen Szenerien können wir unseren Besuchern eine große Bandbreite von Exponaten präsentieren“, macht Tom Fehrmann Appetit auf einen Museumsbesuch.

Für den Kurator der Ausstellung war es zudem wichtig, in Erfahrung zu bringen, was die Menschen bewogen hat, kleinste Kunstwerke zu schaffen, zu sammeln oder mit ihnen zu handeln. Bis ins 16./17. Jahrhundert reichen Bestrebungen zurück, einem neuen Statussymbol zu genügen. Klassische Schatzkammern verwandelten sich in Wunderkammern, der Nachwuchs von Edelleuten wurde auf Kavalierstour geschickt und der Kunsthandel angeschoben. Oftmals unter dem Vorzeichen: möglichst klein, möglichst einzigartig, möglichst ausgefallen.

Tom Fehrmann lenkt die Aufmerksamkeit auf eine handgefertigte Elfenbeinfigur aus dem 18. Jahrhundert. Kurios: Im Inneren der etwa handgroßen und zerlegbaren, schwangeren Figur befindet sich ein Fötus samt Nabelschnur. Auf der Suche nach entsprechenden Exponaten wurden den Senftenbergern spektakuläre Leihgaben renommierter Museen in die Hände gelegt. Ebenso ein Fundus, den Modellbauer und Sammler aus der Kreisstadt beisteuerten. Stellvertretend nennt der Kurator die Matchbox-Sammlung von Manfred Petsch. Ursprünglich wurden die legendären wie begehrten Fahrzeuge aus einer Anordnung heraus entwickelt. So durften seinerzeit nur Spielwaren mit in die Schule genommen werden, die nicht größer als eine Streichholzschachtel waren.

„Es sind oft die Geschichten, die hinter den Exponaten stecken und dadurch besonderen Charme entwickeln“, sagt Museumssprecherin Jenny Linke. Für Besucher, die Geschichten ungefiltert hören wollen, empfiehlt sie die beiden Familiennachmittage am Sonntag, 21. Januar und Sonntag, 18. Februar (jeweils von 14 bis 17 Uhr). Vorführungen der Modellbahnanlagen sind angekündigt, wie das Treffen von Spieleexperten moderner Tabletop-Strategiespiele oder der Zinngießerei Donner aus Lebusa (Elbe-Elster). „Gabriela Donner wird an allen Familientagen anwesend sein und Besuchern gestatten, eigene Zinnfiguren zu gießen und zu bemalen.

Wie viel Arbeit in diesem Prozess steckt, zeigen die einzelnen szenischen Darstellungen. So etwa der Krönungszug Friedrich I. von Preußen oder das einst locker-flockige Leben in Venedig. Lego ist in seiner vollen Bandbreite zu erleben, wobei gleich mehrere Bausätze die Blicke auf sich ziehen. „Extra für uns hat Herbert Mühlöcker aus Österreich u.a. den Senftenberger Stadthafen und unsere Schlossfestung aus Lego-Steinen nachgebaut“, nennt Tom Fehrmann Beispiele. Freuen würde sich der wissenschaftliche Mitarbeiter, wenn sich in der bis 11. März 2018 laufenden Sonderausstellung ein Rätsel auflöst. Aus dem Nachlass des Senftenberger Planetariums habe das Museum ein Modell bekommen, das das Kopplungsmanöver von Sojus 19 mit der Apollo-Raumkapsel vom 17. Juli 1975 darstellt. Leider sei nicht bekannt, wer das erste sowjetisch-US-amerikanische „Rendezvous” im All nachgebaut hat.