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| 10:55 Uhr

Jugend debattiert
Goldene Regeln der Argumente sitzen

Leon, Tim, Vincent und Maria machen seit vier Jahren in der Debattier-AG am Emil-Fischer-Gymnasium in Schwarzheide unter der Leitung von Ellen Klöditz mit. Am Montag nehmen Tim und Vincent am Landesfinale von "Jugend debattiert" in Potsdam teil.
Leon, Tim, Vincent und Maria machen seit vier Jahren in der Debattier-AG am Emil-Fischer-Gymnasium in Schwarzheide unter der Leitung von Ellen Klöditz mit. Am Montag nehmen Tim und Vincent am Landesfinale von "Jugend debattiert" in Potsdam teil. FOTO: Josephine Japke / LR
Schwarzheide. Heute gehen die Schüler der Debattier-Arbeitsgemeinschaft des Emil-Fischer-Gymnasiums in Schwarzheide im Landesfinale von „Jugend debattiert“ gut vorbereitet an den Start. Von Josephine Japke

„Wir brauchen wieder eine ordentliche Streitkultur. Wir müssen einander zuhören und auf die Argumente des anderen eingehen, statt aneinander vorbei zu reden“, sagt Ellen Klöditz mit Überzeugung, und ihre 16-Jährigen Schüler nicken zustimmend. Die Lehrerin am Emil-Fischer-Gymnasium in Schwarzheide leitet seit vier Jahren die Debattier-Arbeitsgemeinschaft der Schule. Am heutigen Montag treten ihre beiden Schützlinge Vincent und Tim beim Landesfinale von „Jugend debattiert“ in Potsdam an. Die Streitfrage könnte sein: Sollten beamtete Lehrer streiken dürfen?

Was nach einem staubtrockenem Thema für 16-Jährige klingt, beschäftigte die neun Schüler seit zwei Wochen in jeder freien Minute. „Das Thema musste bestmöglich vorbereitet und alle Argumente dafür und dagegen gefunden werden“, erklärt Jasmine Roitsche. Dabei ist dieses Thema nur eines von dreien, auf die sich Tim und Vincent vorbereiten müssen. „Für welches der drei Themen wir in Potsdam wirklich antreten, erfahren wir erst vor Ort“, erklärt Tim Meyer den Ablauf.

Jede Debatte wird von vier Schülern geführt. In Potsdam erfahren sie auch erst, ob sie erste oder zweite Redner für Pro oder Contra sind. Dann werden sie einzeln nach Punkten beurteilt. „Es kommt auf Sachkenntnis, Gesprächsfähigkeit, Ausdrucksvermögen und Überzeugungskraft an“, formuliert Leon Seidl die Kriterien, nach denen die Teilnehmer bewertet werden. Im Durchschnitt bekommt ein Redner 36 von 60 Punkten. „Tim hat mal 45 Punkte gehabt“, erklärt Leon sichtlich beeindruckt.

Ob verbeamtete Lehrer streiken dürfen, ist ein heikles Thema – vor allem für Ellen Klöditz, die selbst verbeamtet ist. Vincent und Maria, die für das Streikrecht argumentieren, sagen, dass das ein Menschenrecht ist, das jedem zusteht. Tim und Leon halten dagegen, dass verbeamtete Lehrer so viele finanzielle Vorteile haben, dass sie wenigstens einen Nachteil haben müssten. Eine Lösung finden sie nicht - sollen sie aber auch gar nicht. „Wir sind keine Vertreter einer Meinung, sondern der Sache“, erklärt Tim und Maria fügt hinzu: „Es kommt nicht unbedingt darauf an zu einer Lösung zu kommen, sondern auf die sachlich richtige Diskussion.“

Die Regeln des Debattierens spielen für die Schüler nicht nur in der Schule, sondern auch außerhalb davon eine wichtige Rolle. „Aussprechen lassen, Umgangssprache und Füllworte vermeiden, fair und respektvoll bleiben. Regeln, die auch im Alltag gelten sollten“, erklärt Tim, worauf es ankommt. Auch zu Hause konnten sie mit ihren Debattier-Fähigkeiten schon punkten und sich mehr in Familiendiskussionen einbringen. „Wir sammeln während der Recherche so viel Wissen an, dass wir endlich mitreden können“, sagt Maria. Wissen, worüber gesprochen wird, sei das A und O. Viele Menschen würden eine Meinung, aber keine Ahnung haben und sich selbst mit Fakten nicht belehren lassen, meinen die 16-jährigen Schüler.

„Wir haben sogar schon eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet, damit wir Ideen spontan teilen und auch am Wochenende weitermachen können“, erklärt die engagierte Lehrerin, die von ihren Schülern geliebt wird. „Ohne Ellen würden wir das nicht machen“, beschreibt auch Jasmin das besondere Verhältnis zu ihrer Lehrerin.

Dass die Schüler Frau Klöditz duzen dürfen, liegt ebenfalls an der Debattier-AG. „Wir hatten eine Wette: Wenn Jasmine in der Vorbereitung auf des Regionalfinale 2016 in der Frage ‚Sollten Schüler ihre Lehrer duzen dürfen?‘ gewinnt, erlaube ich ihnen das in der AG. Das Ergebnis hören Sie ja“, sagt Ellen Klöditz und lacht fröhlich.