ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:37 Uhr

Die Geschichte des Glaswerkes Hosena

Historische Aufnahme des einstigen Glaswerkes Hosena.
Historische Aufnahme des einstigen Glaswerkes Hosena. FOTO: privat
In der Nacht vom 17. zum 18. Dezember 1907 wurde im Glaswerk Hosena der Gebrüder von Streit das erste Glas geschmolzen. Zum 100. Jahrestag hat der ehemalige Werkleiter Karlheinz Feistner eine Chronik verfasst. In einer vierteiligen Serie erscheint diese nun in der RUNDSCHAU: privat


Nach 100 Jahren möchte ich an die guten und schlechten Zeiten des Glaswerkes erinnern, die 1993 mit der zweiten Demontage endeten. Dazu konnte ich auf handschriftliche Aufzeichnungen aus dem Tagebuch des Hugo von Streit, die mir sein Enkel Franz von Streit aus Tuttlingen freundlicherweise zur Verfügung stellte, sowie auf Aufzeichnungen von Heinz Windelband, einem ehemaligen Glasmacher, und auf eigene Datensammlungen zurückgreifen.
Franz von Streit hatte sich im Rahmen seiner Familienforschung bis 1989 vergeblich bemüht, von der Gemeindeverwaltung Hosena etwas über das Glaswerk zu erfahren. Zufällig kam er dann an die neue Adresse des Glaswerkes, und seitdem stehe ich mit ihm in ständigem Kontakt. Ich habe von ihm vieles über die Familie und über die Gründung der Firma und den späteren Verkauf erfahren. Die Gebrüder von Streit, Hugo und Wilhelm, gründeten am 27. Oktober 1871 in der Oranienstraße 97 in Berlin die Gebrüder von Streit GmbH, einen Glaswaren-Großhandel für Kristall-, Tafel- und Spiegelglas. Anfangs vertrieb die Firma nach eigenen Mustern und Katalogen Glas von fremden Glaswerken. Das Glaswerk Samuel Reich & Co. mit Sitz in Krasno in Mähren (ab 1945 Osvetlovaci Sklo/Tschechoslowakei, von 1964 bis 1991 ein Partner für wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit vom Glaswerk Ho sena) war dabei der Hauptlieferant. 1876 übernahmen die von Streits von dieser Firma ein Grundstück in der Alexandrinenstraße 22, wo sie nun auch eine eigene Malerei zur Glasveredlung hatten.
Ein Glaswerk in Schliersee wird auch ein Lieferant gewesen sein, da es dorthin verwandtschaftliche Bindungen gab. Vermutlich auch die Glashütte Brockwitz und Glashütten in der Lausitz. 1897 wurden schließlich die Glashüttenwerke Ruhland von Streit & Co. GmbH gegründet. 1901 ereignete sich hier eine Explosion, wonach das gesamte Hüttengebäude niederbrannte. Danach wurde das Werk an die Glashüttenfirma Czulius & Co. Neupetershain verpachtet und später verkauft.
Am 4. September 1906 wurde dann die Gebrüder von Streit Glaswerke GmbH Berlin gegründet. Nach dem Aufbau aller notwendigen Gebäude und Produktionsanlagen sowie eines Bahnanschlusses wurde der Schmelzbetrieb am 17. Dezember 1907 aufgenommen. Am 18. Dezember begann die Produktion an einem 6-Hafen-Ofen mit 120 Mitarbeitern. Produziert wurden Haushalts- und Wirtegläser, Lampengläser, Tischschmuck, Baugläser und Toilettenartikel nach den schon vorhandenen Musterbüchern - also die gleichen Artikel, welche vorher von anderen Glaswerken bezogen wurden. Das Service „Berlin“ mit 90 Einzelteilen war nachweislich schon bei Reich & Co. produziert worden - wahrscheinlich exklusiv für die Gebrüder von Streit, da sie in den Musterbüchern von Reich & Co. nicht aufgefunden wurde. Weitere Serien aus den ersten Jahren waren „Emma“ mit 51 Teilen sowie „Luise“ und „Helene“ . Der Vertrieb war überwiegend auf Export ausgerichtet. Vertretungen und Musterlager hatte von Streit in Hamburg, Düsseldorf, Leipzig, Görlitz, Mailand, Zürich, Kopenhagen und Amsterdam.